Medicus

Medicus-CEO Baher Al Hakim und Verena Kretschmann. Sie leitet das Europageschäft des Health-Startups.

Längst vermessen Smartphones und andere intelligente Geräte unsere Gesundheit. Sie zeichnen auf, wie häufig wir uns bewegen, zählen Kalorien, sagen uns, wann wir am besten schlafen gehen oder Tabletten einnehmen sollen. Obwohl bei Health-Apps immer wieder Sicherheitslücken aufgedeckt werden, sind die Anwendungen bei Nutzern beliebt. Im iTunes-Store stehen mehrere hunderttausend Gesundheitsapps zum Download bereit.

Eine davon trägt den Namen Medicus AI und stammt von einem Startup aus Wien. Medicus will ärztliche Befunde in die digitale Sphäre bringen und sie mithilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI) verständlich aufbereiten. Nutzer füttern die KI dazu mit persönlichen Daten wie Alter und Geschlecht, Gewicht und Essgewohnheiten. Daneben lassen sich akute medizinische Informationen, zum Beispiel die Ergebnisse eines Bluttests oder der Puls, auf verschiedenen Wegen (etwa per Foto-Scan oder Smartwatch-Kopplung) in die App einspeisen. Aus allen Daten erstellt die KI ein Gesamtbild des Gesundheitszustands eines Nutzers – und gibt Verhaltenstipps.

Fokus auf B2B-Kunden im Gesundheitswesen

Medicus-Gründer und CEO Baher Al Hakim ist studierter Zahnarzt. „Kaum ein Mediziner hat heute noch Zeit, ausführlich auf die Fragen seiner Patienten einzugehen“, sagt er. Daher solle Medicus bei der Übersetzung kryptischer medizinischer Berichte helfen und Antworten geben: Was bedeutet ein zu hoher Puls? Wie hoch ist die Chance, bei meinem aktuellen Lebensstil in den nächsten Jahren an Diabetes Typ 2 zu erkranken?

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Unter den aktuell 42 Medicus-Mitarbeitern befindet sich ein medizinisches Expertenteam, das Know-how für die KI liefert und Ergebnisse prüft. Zum Thema Datenschutz verspricht das Startup, dass die Angaben der Nutzer lediglich lokal auf deren Smartphones gespeichert werden, sie weder auf Servern lägen noch dem Unternehmen zugänglich seien.

Soll die App einen Arzt ersetzen? Keineswegs. 

An dem 2015 gegründeten Startup sind neben dem österreichischen VC Pioneers Ventures mehrere Business Angels beteiligt. Medicus konzentriert sich laut Al Hakim derzeit hauptsächlich auf das B2B-Geschäft und spricht Versorger im Gesundheitswesen in mehreren Ländern an. Eine Whitelabel-Version der App soll Versicherte an Kontrolluntersuchungen oder Patienten an die Einnahme ihrer Medikamente erinnern. Verträge mit ersten Kunden würden in den nächsten Wochen abgeschlossen, kündigt Al Hakim an.

Derzeit zähle die App rund 1.000 Endnutzer, ein Großteil werde allerdings aus dem B2B-Geschäft erwartet. Mit Partnern wie dem Klinikbetreiber Helios, der Gothaer Versicherung und der Gesundheitscloud des Hasso-Plattner-Instituts arbeitet Medicus derzeit testweise zusammen.

Ärzte ersetzen könne und solle die von ihm erdachte Lösung nicht, sagt Gründer Al Hakim. Auch an einem schnellen Exit sei er nicht interessiert: „Wir wollen Medizin und Gesundheit wieder vermenschlichen. Und zwar für alle Verbraucher, nicht nur für einzelne Versicherungskunden oder Patientengruppen.“

Bild: Medicus AI