Einen Gebrauchtwagen zu kaufen ist Vertrauenssache. Man kann beim Händler um die Ecke Glück haben und der eben erworbene Wagen fällt nicht nach drei Metern schon auseinander. Aber der Kauf ist doch weiterhin eine kleine Lotterie. Ausgerechnet im Autoland Deutschland hat sich über all die Jahrzehnte kein System durchgesetzt, welches das Leben und die Pflege eines KFZ lückenlos dokumentiert. Dass mit dem Auto gelieferte Serviceheft ist der einzige Hinweis auf die Pflegebereitschaft der Vorbesitzer. Aber das Papierdokument ist auch keine Garantie, denn Papier ist bekanntlich geduldig und Stempel kann man sich an jeder Ecke herstellen lassen.

In den USA gibt es seit 1984 die Firma Carfax, die zumindest teilweise die Geschichte eines Autos speichert. Als Basis dient das „National Motor Vehicle Title Information System“ des US-Justizministeriums, die wiederum mit den Zulassungsbehörden zusammenarbeiten, die alle Unfälle registrieren. Es sind bei weitem nicht alle Fahrzeuge erfasst, aber Carfax hat sich als eines der wichtigsten Kaufargumente für Gebrauchtwagenkäufe erwiesen.

Einen Schritt weiter geht das Unternehmen Vroom, das seit zwei Jahren existiert. Die Macher hatten die Idee, einen transparenten Gebrauchtwagenmarkt zu schaffen, der in den gesamten Vereinigten Staaten funktioniert. Interessenten sind nicht mehr an einen örtlichen Gebrauchtwagenhändler gebunden. Vroom liefert das gekaufte Auto kostenfrei innerhalb von zwei Tagen an und gibt den Käufern auch noch eine Garantie von sieben Tagen, in denen sie das Auto kostenfrei zurückgeben können.

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Immerhin tut sich nun auch etwas in Deutschland. Das Hamburger Startup Motory hat sich vorgenommen, eine Art Carfax für den deutschen Gebrauchtwagenmarkt anzubieten. In einem Drivelog kann man alle denkbaren Daten über sein Auto angeben. Von den Serviceberichten, die man mittels eines Scans der Rechnung belegen kann, über die Verbrauchswerte und andere Daten kann man die Geschichte seines Fahrzeugs lückenlos belegen. Verkauft man das Auto, wandert auch der Eintrag bei Motory in den Besitz des neuen Fahrzeughalters, der das Profil weiterführen kann. Das Ziel von Motory ist es, einen transparenten Gebrauchtwagenmarkt zu schaffen, der den Käufern mehr Sicherheit verschafft.

Allein der größte Online Gebrauchtwagenhändler Mobile.de hat pro Monat rund 1,4 Millionen Fahrzeuge im Angebot, die einen neuen Besitzer suchen. Das hier ein Logbuch des Autos den Preis für einen Gebrauchtwagen erhöhen kann, erscheint logisch. Motory will in Zukunft auch die Suche vereinfachen. Fahrzeuge, die ein Motory-Profil besitzen, sollen über die Seite gesucht und gefunden werden können, egal auf welcher Plattform sie eingestellt wurden.

Die Investition für die ersten Schritte von Motory in Höhe einer mittleren sechsstelligen Summe, von zwei privaten Investoren erfolgte über das Spudy & Co. Family Office aus Hamburg. Im Moment baut Motory das eigene, für Privatkunden kostenlose, Angebot weiter aus. Gleichzeitig verstärkt man das B2B-Segment. Neben den Gebrauchtwagenmarktplattformen hat man auch weiterhin den klassischen Gebrauchtwagenhändler im Blick. Der soll in Zukunft dank Motory und einem hoffentlich lückenlos geführtem elektronischen Servicebuch mehr Geld verdienen.

Bild: (c) Bildagentur PantherMedia – A28173589 /