Benjamin Wüstenhagen MeinUnterricht

Benjamin Wüstenhagen ist Gründer von K.Lab, dem Betreiber der Online-Plattform

Die Welt wird zunehmend digitaler – doch an deutschen Schulen ist davon kaum etwas zu spüren. Hier und da sind zwar iPads im Einsatz. Aber moderner Unterricht? Mangelware. Benjamin Wüstenhagen will sich damit nicht abfinden und hat MeinUnterricht.de gegründet. Die Online-Plattform liefert Lehrern Materialien, um ihren Unterricht vorzubereiten. Diese können sie dann online zu Unterrichtsstunden zusammenstellen, als Basis für eigene Materialien verwenden, herunterladen und rechtssicher im Klassenzimmer einsetzen.

Anzeige
Betrieben wird das Online-Portal von der K.Lab Educmedia GmbH. Die gründete Wüstenhagen, Jahrgang 1984, gemeinsam mit Toni Wagner und Stefan Appelhans in Kooperation mit der Klett-Grupe vor vier Jahren. Die Plattform ist seit 2012 online. Auf MeinUnterricht.de stehen den angemeldeten Lehrern mittlerweile 22.000 Dokumente mit 100.000 Seiten an Inhalten zur Verfügung, heißt es vom Unternehmen. Zu den Kooperationsverlagen zählen unter anderem Friedrich, Raabe, Vandenhoeck & Ruprecht, Persen, der AOL-Verlag und Ernst Klett Sprachen.

Zehn Prozent der deutschen Lehrer, derzeit 86.000, nutzen das Angebot nach Unternehmens-Angaben bereits. Und das soll erst der Anfang sein – denn Wüstenhagen hat große Pläne. Der Gründer im Interview.

Benjamin, wieso hast Du eine Plattform für Lehrer gegründet?

Gemeinsam mit unserem Gründungsteam haben wir uns anfänglich Gedanken gemacht, wie wir den Unterricht mit Technologie verbessern könnten. Schulen nutzen aktuell kaum die Vorteile der digitalen Welt, dafür wollen wir smarte Lösungen entwickeln. Dennoch mussten wir schnell feststellen, dass es in Schulen oft an Basis-Infrastruktur, wie schnellem WLAN oder technischem Support fehlt. Lehrer bereiten ihren Unterricht meist zu Hause vor und haben oft nur dort einen zuverlässigen Zugang zum Internet. Somit war das Arbeitszimmer der Lehrenden unsere Angriffsstelle.

Woher nimmst Du Deine Bildungs-Expertise?

Ich selbst bin kein ausgebildeter Lehrer, habe aber eine hohe Affinität zu Bildungsthemen. Wir arbeiten sehr eng mit Fachverlagen und Universitäten zusammen. Zudem gehören zu unserem Team ausgebildete Lehrerinnen.

Ihr erreicht derzeit zehn Prozent der Lehrerschaft in Deutschland. Wie habt ihr das geschafft?

Wir sind seit gut drei Jahren online und setzen auf eine Vielzahl von Kanälen, um Lehrende zu erreichen: vom klassischen Online-Marketing, über Messen und Fortbildungen bis hin zu Printwerbung. Wir sprechen mit unserer Marke gerade jüngere Lehrerende an, mit der sie sich identifizieren können und die auch in die Welt eines modernen Berufsbildes passt. In Zukunft werden wir weitere Medienformen anbieten und unsere Nutzer im täglichen Workflow unterstützen. Und natürlich möchten wir in der Zukunft auch Schüler einbinden.

Wann wollt ihr Schüler auf die Plattform holen?

Es ergibt für uns dann Sinn, unsere Plattform auf Lernende zu erweitern, wenn eine Mehrheit auch in der Schule verlässlich darauf zugreifen kann – und es Geschäftsmodelle gibt, die die Entwicklung und den Betrieb rechtfertigen.

Welche Features kann man Schülern bieten?

Wir sehen unterschiedliche Ansätze von Lern-Managementsystemen, Feedback-Apps und Ähnlichem. Leider gibt es aber noch viele Unklarheiten bei Datenschutz, Nutzungsrichtlinien vom WLAN oder „Bring-your-own-device“-Konzepten. Derzeit fokussieren wir uns mit unserem Team auf die Unterstützung von Lehrern, weil wir nach unserer Einschätzung hier den größten Impact haben können.

Wie finanziert ihr euch derzeit?

Der größte Anteil unserer zahlenden Kunden sind Lehrerinnen und Lehrer, die sich ihren Zugang bei MeinUnterricht.de privat finanzieren. Darüber hinaus bieten wir auch Schullizenzen oder Lizenzen für Schulträger an. Zudem haben wir die ersten Universitäten, die für ihre Lehramtsstudenten die Lizenzierung übernehmen. Wir sind mit unserem Wachstum sehr zufrieden und haben mit der KLI GmbH aus der Klett-Gruppe einen strategischen Partner aus der Bildungswelt an Bord, der an uns glaubt.

Vor welchen Herausforderungen steht das Thema E-Learning in Deutschland?

E-Learning in Unternehmen funktioniert in Deutschland schon ziemlich gut. Im Schulbereich bereitet uns der Bildungsföderalismus, die Finanzierung von digitalen Ansätzen seitens der Schulen und Schulträger sowie mangelnde Investitionen bei der Infrastruktur und Ausstattung von Schulen nach wie vor Schwierigkeiten.

Wie werden deutsche Klassenzimmer also in fünf bis zehn Jahren aussehen?

Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn sich Klassenzimmer flächendeckend in fünf bis zehn Jahren verändern würden. Schüler sollten dann gemeinsam lernen und dabei innovative Ansätze sinnvoll einsetzen. Augmented und virtual reality sowie personalisiertes Lernen könnten Vieles sehr positiv verändern. Ganz realistisch sind diese Phantasien in Deutschland innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre vermutlich nicht. Sicher gibt es immer wieder tolle Schulen mit richtungsweisenden Projekten, jedoch wird ein Wandel für alle noch ziemlich lange dauern.

Danke für das Gespräch.

Bild: K.Lab/benjamin Wüstenhagen