Merkurist

Die Merkurist-Gründer Meik Schwind und Manuel Conrad

Lesen, was Leser lesen wollen – das verspricht das Mainzer Medien-Startup Merkurist. Seine Software erlaubt jedem Bürger, lokaljournalistische Themen vorzuschlagen. Finden sich genug andere am Thema interessierte Leser, wird ein Journalist zum Recherchieren und Schreiben losgeschickt: Bürger-Reporter als Geschäftsprinzip. 

Ist der Artikel geschrieben und veröffentlicht, können Leser das Thema nachträglich noch über einen „Oha“-Button hochwerten. Je mehr „Ohas“ ein Artikel sammelt, desto prominenter wird er anderen Lesern auf der Startseite präsentiert. Für diese Idee hat das Mainzer Startup nun eine Finanzspritze erhalten: 1,5 Millionen Euro schießen die bestehenden Gesellschafter nach. „Wir haben in Mainz sehr viele Erfahrungen gesammelt“, sagt Gründer-Merkurist Manuel Conrad, nun wolle das Medien-Startup seine Marktpräsenz in Deutschland aber ausweiten.

Hyperlokale Medien-Portale

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Bisher beschäftigt das Startup selbst drei Redaktionen in Wiesbaden, Frankfurt und Mainz. Seit Anfang des Jahres bietet Merkurist seine Plattform und seine Technologie aber auch anderen Verlagen an. Denn das Startup hat noch eine größere Geschäftsidee als das Bürger-Reporter-Prinzip. 

Verschiedene Redaktionen aus unterschiedlichen Verlagen sollen eigene Merkurist-Seiten für ihren Landkreis oder ihre Region mit Inhalten füllen. Dem Leser würden dann je nach Interesse und Leseverhalten Artikel dieser verschiedenen Seiten angezeigt. Ein Leser eines Merkurist-Angebots für Berlin Kreuzberg soll dann beispielsweise auch Artikel von Journalisten aus Oberammergau angezeigt bekommen, wenn dort gerade die Festspiele starten und der Leser sich in der Vergangenheit für kulturelle Themen interessiert hat. 

Refinanzieren soll sich das Angebot über Anzeigen. Die Vermarktung übernimmt auf Wunsch Merkurist. Redaktionen können aber auch ihre eigenen Marketing-Abteilungen aufbauen. Derzeit ist das Unternehmen in Verhandlungen mit mehreren Verlagen: „Es gibt einige, die sind sehr interessiert“, sagt Merkurist-Sprecherin Teresa Conrad, „andere sind etwas vorsichtig oder ängstlich.“

Leserbindung und Kooperation zwischen Redaktionen

Mit seiner technischen Lösung bringt das Mainzer Startup eine neue Idee in die Medienlandschaft. Einerseits soll die Themensetzung durch Bürger die Bindung zwischen Lesern und Medien stärken, andererseits will Merkurist ein Verlags-übergreifendes Netzwerk etablieren – auch wenn die Redaktionen zu unterschiedlichen Unternehmen gehören. Die Hoffnung: geringere Kosten für Vertrieb, Vermarktung und Technik. Außerdem soll das personalisierte, lokaljournalistische Angebot Leser und potenzielle Anzeigenkunden locken. 

Bild: Merkurist