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Mehr Effizienz in Rechenzentren: Das hat sich Mesosphere auf die Fahnen geschrieben

Teure Server-Farmen besser auslasten: Mit dieser scheinbar einfachen Idee hat Mesosphere eine der wenigen Erfolgsgeschichten von Deutschen im Silicon Valley geschrieben. Florian Leibert und Tobias Knaup gründeten das Startup 2013 in San Francisco, heute ist das Unternehmen ein „Unicorn“ und beschäftigt 190 Mitarbeiter.

Dabei soll es aber nicht bleiben: „Wir stellen gerade so viele Engineers ein, wie nur irgend geht“, sagt CEO Leibert im Gespräch im Gründerszene. Ein Schwerpunkt bildet dabei der zweite Mesosphere-Standort in Hamburg, wo schon heute 30 Entwickler arbeiten. Möglicherweise hilft für dieses Unterfangen sogar die Wahl des designierten US-Präsidenten Donald Trump. Nach dessen fremden- und frauenfeindlichen Wahlkampf dürfte bei vielen Valley-Techies die Bereitschaft auszuwandern höher liegen als je zuvor. Am Tag nach der Wahl twitterte Leibert jedenfalls:

Einen Zusammenhang mit der Wahl wollte Leibert im Gespräch zwar nicht bestätigen. Es gehe aber darum, „Leute aus der ganzen Welt nach Hamburg zu holen“. Mesosphere habe sich zum Ausbau des Standorts Hamburg entschlossen, weil „wir glauben, dass Deutschland ein superattraktiver Standort für Programmierer ist“.

Für das Unternehmen ist Deutschland auch als Markt zunehmend interessant: Drei Dax-Unternehmen seien bereits unter den Mesosphere-Kunden, erklärt Leibert. Mit vielen weiteren sei man im Gespräch. Auch die Bundesagentur für Arbeit setze inzwischen auf das von Leiberts Startup entwickelte Datacenter Operating System (DCOS), das nach Angaben des Unternehmens die Auslastung von Rechenzentren um 400 bis 500 Prozent verbessern kann. Mit der Behörde habe er überraschend gute Erfahrungen gemacht, lobt der Gründer.

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Interessant wird für Mesosphere auch der Zukunftsmarkt Connected Car: Die Datenmenge, die hunderte Sensoren am und im Auto produzieren, muss im Backend entgegengenommen und verwaltet werden – der Bedarf für Rechenleistung und Speicherplatz in der Cloud wird also massiv wachsen. Ein idealer Use case für die möglichst effiziente Auslastung von Rechenzentren. Die deutsche Autobranche ist für Mesosphere also ein wichtiger Zielmarkt.

Expansion und Wachstum finanziert das Startup mit fast 126 Millionen US-Dollar Risikokapital. Zuletzt investierten im März Microsoft und Hewlett Packard Enterprise mit anderen 73,5 Millionen Dollar. Zuvor hatte es monatelang Gerüchte gegeben, wonach Microsoft das Startup habe übernehmen wollen. Der Deal soll an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert sein.

Laut Leibert war aber auch der Zeitpunkt noch nicht reif für eine Übernahme: „In einem großen Konzern würde unser Produkt vielleicht noch nicht überleben, weil es andere Projekte kannibalisieren könnte.“ Gegenüber Gründerszene macht er aber auch klar: „Wenn ein Gründer sagt, er verkaufe nicht, dann ist das eine Lüge. Irgendwann kann es einfach Sinn machen zu verkaufen.“

Bild: Getty Images / DAVID PARKER/SCIENCE PHOTO LIBRARY