Der Computerkonzern Microsoft plant die Übernahme eines der bekanntesten Berliner Startups: Wie das Manager Magazin berichtet, steht 6Wunderkinder, das Unternehmen hinter der To-Do-App Wunderlist, vor einer Akquisition durch den US-Konzern. Laut dem Magazin gebe es „weit gediehene Gespräche“ über einen Verkauf. Entsprechende Informationen wurden auch Gründerszene von verschiedener Seite bestätigt. Über das Interesse von Microsoft an dem 2010 gegründeten Startup hatte vor einer Woche zuerst TechCrunch berichtet.

Update, 1. Juni: Die Übernahme soll vollzogen sein – laut Wall Street Journal haben sich die Beteiligten auf eine Kaufsumme „zwischen 100 und 200 Millionen US-Dollar“ geeinigt. Das 6Wunderkinder-Team soll seinen Standort in Berlin beibehalten, aber von nun an an das Microsoft-Hauptquartier in Redmond, Washington, berichten. Dem WSJ bestätigten allerdings weder Vertreter des US-Konzerns noch des Berliner Startups die Akquisition.

Update, 26. Mai: Inzwischen macht erstmals eine mögliche Kaufsumme die Runde. VentureBeat zitiert eine anonyme Quelle, laut der Microsoft „weniger als 250 Millionen US-Dollar“ für 6Wunderkinder zahlen will. Weder der US-Konzern noch das Berliner Startup haben den Deal bislang bestätigt.

Dieser Artikel erschien zuerst am 20. Mai 2015. 

In den ersten drei Jahren nach der Gründung hatten die Wunderlist-Macher verlässlich für Schlagzeilen gesorgt, unter anderem durch das erste Deutschland-Investment des legendären Valley-VCs Sequoia Capital Ende 2013. Damals flossen 19 Millionen US-Dollar in das Startup, insgesamt sammelte 6Wunderkinder rund 24 Millionen Dollar ein.

Zuletzt aber war es ruhig geworden um das Startup von Gründer und CEO Christian Reber. Die Zahl der Wunderlist-Nutzer wächst offenbar konstant, von dem öffentlich ausgegebenen Ziel von 100 Millionen Nutzern scheint das Unternehmen aber noch immer weit entfernt zu sein. Zuletzt wurden 13 Millionen User kommuniziert, im August 2014 waren es acht Millionen. Wie viele darunter jeweils die kostenpflichtige Premium-Version des Taskmanagers nutzen, ist nicht bekannt.

Viel Zeit musste das Wunderlist-Team offenbar auch darauf verwenden, eine funktionsfähige Programmierschnittstelle (API) zu entwickeln. Seit vergangener Woche ist die öffentliche API live, nun kann die App mit Anwendungen wie Slack oder Scanbot verknüpft werden. Auch die beiden Microsoft-Apps Sunrise und OneNote gehören zu den ersten API-Partnern.

Microsoft nannte eine mögliche Übernahme gegenüber Gründerszene ein „Gerücht“, das man nicht kommentieren wolle. Eine 6Wunderkinder-Sprecherin teilte mit, es gebe „zu diesem Thema nichts hinzuzufügen“.


Übersicht: Die wichtigsten Exits der vergangenen Monate

Aktuelle Exits

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Gustavo da Cunha Pimenta