MieterEngel Team

Die MieterEngel-Gründer Simon Weller, Elizabeth Katsch und Christian Kahl (von links)

500 Euro für drei Monate? Das erschien Christian Kahl sehr viel, immerhin war er nur Zwischenmieter. Trotzdem bat ihn der Vermieter vor dem Auszug zur Kasse. Für Renovierungsarbeiten. Kahl wunderte sich, zahlte aber. Erst später erfuhr er, dass Mieter, die in eine unrenovierte Wohnung gezogen sind, beim Auszug nicht für Schönheitsreparaturen aufkommen müssen. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) Anfang 2015. Für ungültig erklärte der BGH auch Klauseln, in denen die anteiligen Kosten fürs Streichen und Tapezieren je nach Mietdauer festgelegt sind.

Kahl, der Chef einer Digital-Agentur ist, hatte demnach völlig zu Unrecht 500 Euro hingeblättert. Er und sein Mit-Geschäftsführer Simon Weller nahmen sich das Ärgernis zum Anlass, ein Projekt zu starten, das Mieter online in Rechtsfragen unterstützt. Elizabeth Katsch kam Anfang 2016 als dritte Mitgründerin dazu.

Zusammen erarbeiteten die drei das Konzept für MieterEngel. Auf der Seite können Mieter ihren Mietvertrag etwa für einen Renovierungsklausel-Check per Mail oder WhatsApp an MieterEngel senden. Anwälte prüfen, ob die Klausel darin wirksam ist. Den Mieter kostet das knapp 50 Euro. Einen Teil davon erhalten die Anwälte als Honorar. Rechtlich vertreten werden die Mieter nicht.

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Das Kernprodukt des Startups, die allgemeine Mietrechtsberatung, kostet jährlich 69 Euro. Dafür können sich Mieter beliebig oft an die MieterEngel-Anwälte wenden. Die Flatrate soll laut den Gründern die Mitgliedschaft in regionalen Mietervereinen ersetzen.

Für den Renovierungsklausel-Check erstellt das Startup zusammen mit Anwälten derzeit Textbausteine, die das MieterEngel-System den Juristen in Zukunft nach dem Upload des Mietvertrags automatisch ausspielen soll. „Wir wollen rechtliche Textbausteine konzipieren, die den Anwälten helfen, Mietverträge schneller zu überprüfen. Unsere Vision ist es, ein System zu kreieren, das Mietverträge systematisch analysiert und dann Lösungen vorschlägt, die der Anwalt als Grundlage nutzen oder weiter ausbauen kann”, erklärt Kahl.

Weniger spezifisch und ohne vorformulierte Textelemente soll einmal die allgemeine Mietrechtsberatung funktionieren: „Unsere Software soll dafür sorgen, dass eine Anfrage direkt aufgeschlüsselt wird, Dokumente zum Beispiel am richtigen Platz sind, sodass der Anwalt die Anfrage schneller beantworten kann.“

Fertig ist die Technologie hinter dem Startup also noch nicht, alle Prozesse laufen noch manuell: „Wir testen erst, ob das Vorgehen die Arbeit der Anwälte erleichtern kann. Kommen wir zu dem Schluss, dass das geht, werden wir halb-automatisierte Lösungen schaffen“, kündigt Mitgründerin Katsch an.

MieterEngel befindet sich gegenwärtig im sechsten Durchlauf des You-Is-Now-Accelerators von Immobilienscout24. Im Rahmen des Programms gab es für die Gründer eine Startfinanzierung in Höhe von 15.000 Euro. Die GmbH wurde im Juli gegründet.

Mit Mietrecht beschäftigt sich auch das Berliner Startup Mineko. Auf Webseite oder App können Mieter ihre Nebenkostenabrechnung hochladen, die dann von Fachleuten beim Startup und teilweise automatisiert auf Fehler geprüft wird. Von der Prüfung bis zur Einforderung sei der Prozess digital, wirbt das Unternehmen.


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Bild: MieterEngel; Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Jahresbeitrag von MieterEngel würde 89 Euro betragen. Tatsächlich  sind es 69 Euro.