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Das Pulver gibt es in zwei verschiedenen Geschmacksrichtungen. Beide ergeben „Brote“ von je 140 Gramm.

Ein gelernter Bäcker verspricht die Revolution. Mit Brot. Im nordrhein-westfälischen Moers ist Matthias Blatter, 30, Chef eines Backhauses. Im Rest Deutschlands ist er mit kleinen, schwarzen Tüten in einigen Supermärkten vertreten. Denn Blatter backt nicht nur Brötchen und Kuchen, er vertreibt auch ein Produkt, mit dem er die versprochene Revolution einläuten möchte: eine Brotmischung für die Mikrowelle.

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Das Konzept an sich ist nicht neu: Auf einschlägigen Rezepte-Portalen im Netz kursieren bereits mehrere Rezepte für die Blitz-Brote, die vom Prinzip her Tassenkuchen ähneln. Einige trockene und frische Zutaten in eine Tasse geben, umrühren und ein paar Minuten bei 200 Watt rotieren lassen – fertig. Der Bäcker aus Moers ist aber offenbar der Erste, der eine Fertigmischung für Mikrowellen-Brot anbietet. Das Unternehmen selbst, die Blatter GmbH, bezeichnet sein Produkt gar als „Weltneuheit“. Was also taugt das Brot für Faule? Wir haben den Test gemacht.

Superfood – und andere Schlagworte

Zunächst einmal ist das Minutenbrot bereits recht großflächig in mehreren Städten Deutschlands sowie über Amazon zu haben, gelistet ist sie zum Beispiel bei Hit und in einigen Edeka-Märkten. 80 Gramm Fertigmischung kosten rund 1,50 Euro. Zwei verschiedene Sorten stehen zur Auswahl: einmal Chiasamen mit Gojibeeren und Haselnuss, außerdem Chiasamen mit Quinoa, Amarant und Leinsamen. Auf beiden Packungen prangen die aktuellen Trend-Schlagworte der Lebensmittelindustrie: Superfood, Eiweiß, low carb, vegan. Ohne scheint es bei Food-Startups nicht mehr zu gehen.

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Vorher: eine breiige Masse

Die Zutatenliste ist dagegen überschaubar: Die Mischungen bestehen jeweils aus 13 Zutaten, deren Namen auch Nicht-Chemiker aussprechen können. Sie basieren jeweils auf Weizen und Soja, außerdem sind Sonnenblumenkerne, Sesam, Apfelfaser, Salz und Gerstenmalz drin. Hört sich vernünftig an. Ist aber nichts für Menschen mit Soja-Allergie oder Gluten-Unverträglichkeit.

Laut Nährstofftabelle bringen es 100 Gramm des fertigen Brotes in der Quinoa-Variante auf 166 Kilokalorien, beim Gojibeeren-Brot sind es 205. Die gleiche Menge beinhaltet 17,6 Gramm Eiweiß, zwischen fünf und zehn Gramm Kohlenhydrate und bis zu zehn Gramm Fett. Zum Vergleich: 100 Gramm Vollkornbrot schlagen normalerweise mit bis zu 250 Kilokalorien, weniger Eiweiß und mehr Kohlenhydraten zu Buche als das Minutenbrot.

Mehr Mikro als Brot

Der Geruch der Backmischung mit Quinoa, Amarant und Leinsamen ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Er erinnert ein bisschen an getrocknetes Heu. Nach der Zugabe von 75 Millilitern Wasser hat die Mischung eine wenig appetitliche, bröckelige, Konsistenz angenommen, deutlich flüssiger als normaler Brotteig. Nach zwei Minuten bei 200 Watt in der Mikrowelle ist der Teig zwar schon fester, aber noch nicht durch, wie die Stäbchenprobe zeigt. Eine weitere Mikrowellen-Minute später löst sich der Teig vom Tassenrand. 

Laut Verpackung soll das Brot zunächst zwei Minuten, nach dem Stürzen dann weitere acht Minuten abkühlen. Das Stürzen funktioniert gut: Nach höchstens zehn Sekunden Tassen-Kopfstand fällt das Backwerk auf den Teller. Beim Abheben wird schnell klar: Es handelt sich weniger um ein Minutenbrot als um ein Minutenbrötchen, das etwa fünf mal acht Zentimeter misst und 140 Gramm wiegt. Das reicht für maximal eine Person – und ist eher ein Snack als ein Sattmacher. 

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Nachher: wie warmes, weiches Vollkornbrot

Dafür hat das Brötchen jetzt eine einladendere Farbe und eine „brotigere“ Konsistenz. Im gebackenen Zustand riecht das Minutenbrötchen auch schon gleich viel besser. Und der Geschmack? Überraschend gut. Ein bisschen wie weiches, warmes Vollkornbrot. Leicht salzig, aber noch im genießbaren Bereich (laut Nährstofftabelle je 0,75 Gramm auf 100 Gramm). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine Höchstmenge von sechs Gramm pro Tag. Knusprig ist das Brötchen nicht. Das sollte in Anbetracht der Zubereitungsform aber auch nicht verwundern. Es gibt wenige Dinge, die in einer Mikrowelle knusprig bleiben – oder werden. Auch fertige Eiweißbrote aus dem Supermarkt sind im Übrigen nicht gerade berühmt für ihr krosses Äußeres.

Fazit

Wer einen längeren Urlaub im Weißbrot-Ausland plant, den könnten einige Minutenbrot-Tüten durchaus davor bewahren, kurzfristig auf gebleichtes Brot umsteigen zu müssen. Die Mischung aus Moers verspricht schnelle Abhilfe, wenn Bäcker oder Supermarkt gerade keine Option sind – und einem die Nerven (oder die Zutaten) fürs Selberbacken im Ofen fehlen. Insgesamt ist das „Minutenbrot“ vielleicht keine Revolution in der Bäckerbranche, aber eine witzige und praktische Idee, die Anhänger finden könnte. Zumindest in Single-Haushalten. Und bei Leuten mit wenig Hunger.

Bild: Elisabeth Neuhaus/Gründerszene