Antonio Garcia Martinez.

Antonio García Martínez sorgte im vergangenen Jahr weltweit für Aufsehen. Grund war das von ihm veröffentlichte Buch „Chaos Monkeys”. Darin schreibt er unverblümt über seine Zeit als Facebook-Manager und gibt Einblicke in die Welt um Mark Zuckerberg. Bevor er zu Facebook kam, gründete Martínez das Startup AdGrok, das später von Twitter gekauft wurde.

In diesem Podcast plaudert der Gast aus dem Silicon Valley aus dem Nähkästchen. Martínez erzählt, welche besondere Kultur bei Facebook herrscht und was wirklich hinter den „bahnbrechenden Ideen” aus dem Silicon Valley steckt.

Den Erfolg des sozialen Netzwerks sieht Martínez in der Unternehmenskultur verankert. Zuckerberg selbst spreche von einer „Hackerculture“ und locke damit gut ausgebildete, junge Programmierer vom MIT und der Stanford-Universität. 

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Martínez: Jeder Programmierer bekomme seine eigene Facebook-Version auf seiner Entwickler-Box. Diese kann er so oft und so radikal verändern, wie er möchte. „Vom ersten Tag an bekommen die jungen Programmierern somit das Gefühl, innerhalb der Facebook-Welt alles auf den Kopf stellen zu können.“ Mit dieser Form des „Engagements“ schaffe Facebook den entscheidenden Unterschied.

Ein weiterer Baustein der Facebook-Kultur seien Hackathons. Solche Veranstaltungen, bei denen Programmierer unabhängig von ihrem regulären Job an neuen Produkten tüfteln, führe Facebook regelmäßig durch. Dabei käme es mitunter zu „glücklichen Zufällen“, sagt der Ex-Facebook-Manager, der sich selbst als „typischen Silicon-Valley-Vertreter“ beschreibt.

Auf diese Art und Weise sei beispielsweise die Facebook-Video-Funktion entstanden. Sie sei mitnichten ein genialer Einfall Mark Zuckerbergs gewesen, so Martínez.

Ganz im Gegenteil. Zuckerberg habe den zuständigen Entwickler grob abgewiesen, dessen Idee zunächst als Schwachsinn abgetan. Aber der Entwickler habe an seine eigene Idee geglaubt. Zwei Tage lang hätte er sich mit einem Team in einem Konferenzraum eingeschlossen und weiter an der Funktion gebastelt. Mit Erfolg: Heute ist Facebook nach Youtube die weltweit größte Videoplattform.

Überhaupt will Martínez mit dem Silicon-Valley-Mythos aufräumen, wie er sagt. Hinter dem Erfolg von Facebook steckten keinesfalls visionäre Träume von einer besseren Welt. Sondern vor allem eines: das geniale Marketing von Mark Zuckerberg. Martinez nennt es „das Silicon-Valley-Prinzip“: „Du launchst aus dem Nichts rund zehn, zur Hälfte entwickelte Produkte und nennst sie die Retter der Menschheit. Sieben von ihnen fallen gnadenlos durch, zwei laufen einigermaßen okay, und eines geht durch die Decke und bringt unglaublich viel Geld”, sagt Martínez. 

Im Silicon Valley werde dann so getan, als seien die Gründe für den Erfolg von Anfang an bekannt gewesen: „So, als hättest du das die ganze Zeit gewusst – obwohl du das natürlich nicht hast.” Martínez hat dafür ein Beispiel parat: Genauso sei der News Feed bei Facebook entstanden. Niemand habe wirklich an dessen Erfolg geglaubt, er sei ein Produkt unter vielen anderen gewesen. Zuckerberg habe es verstanden, den News Feed im Nachhinein als geniale Erfindung zu verkaufen.

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Am Ende des Podcasts gibt Martínez europäischen Startups noch ein paar Tipps: Wichtig sei, Durchhaltevermögen zu zeigen. Airbnb, Dropbox und viele andere Unternehmen hätten Jahre gebraucht, um sich durchzusetzen. Das wichtigste Kriterium für Investoren sei der Beweis, dass man zu den Überlebenden gehöre. Außerdem werde auf die Beziehung der Gründer untereinander geachtet. Können sie die Krisen des Lebens gemeinsam meistern? Martínez Meinung dazu: „Ein Startup zusammen zu führen ist wie eine Ehe – nur ohne Sex.”

Bild: Helena Price