Daniel Le von Google erzählt den Mittelständlern von der schönen, neuen, digitalen Welt. Rechts neben ihm lauscht Holger Klindtworth.

Der deutsche Mittelstand hat es nicht leicht. Ja, jeder weiß natürlich, wie wichtig dieses Marktsegment für unser Land ist. Es ist das sprichwörtliche Rückgrat unserer Wirtschaft – aber doch irgendwie eingequetscht zwischen den großen DAX-Konzernen und den jungen, wendigen, digitalen Startups. Auch der Mittelstand bleibt von der Digitalisierung „nicht verschont“. Das ist zwar inzwischen angekommen. Aber in Teilen der mittelständischen deutschen Unternehmerschaft ist man weiterhin eher vom Problem betroffen als von den Chancen begeistert.

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Leider keine Gebrauchsanleitung

Die Diskussion im Basecamp in Berlin, veranstaltet von der R&R Unternehmensgruppe, stand unter dem Motto: „Wie kann die digitale Transformation gelingen. Ganz praktisch.“ Ja, Letzteres steht im Vordergrund, denn im Mittelstand wird eben ganz praktisch gearbeitet. Und darauf ist man stolz. Da gibt es keine riesigen Change-Management-Abteilungen wie in Konzernen. Oder vage Pläne, die man ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht, wie in jungen Startups. Hier wird angepackt. Nur leider gibt es für die neue Zeit keine Gebrauchsanleitung. Das nervt natürlich kolossal.

Aber bevor es richtig zur digitalen Sache geht, müssen sich die interessierten Mittelständler anhören, warum das alles so furchtbar kompliziert ist in unseren vernetzten Zeiten. Holger Klindtworth von der Beratungsfirma Ebner Stolz spricht gleich mal über die geringe Halbwertzeit von IT-Systemen, über IT-Sicherheit, Datenschutz, vertragliche Risiken und die Befindlichkeiten der Generation Y. Danach führt Rechtsanwalt Jörg Kahler in die rechtlichen Rahmenbedingungen ein: Haftung, Gewährleistung, Verordnungen, Richtlinien, Versicherbarkeit.

„Sie können durchstarten“

Ist das eigentlich typisch deutsch, wenn man sich, noch bevor die erste Idee auf dem Tisch liegt, erstmal über die Versicherbarkeit Gedanken macht? Kahler hat wohl selber Sorgen, dass sein Vortrag etwas falsch herüber kommt und beeilt sich gegen Ende zu versichern, dass das Recht keine Bremse für Innovationen sei: „Sie können mit Digitalisierungsprojekten durchstarten.“ Außerdem enstünde in Berlin alle 20 Stunden ein neues Internetunternehmen. Die haben bestimmt noch nie etwas von Gewährleistung oder Haftung gehört. Das kommt dann später.

In der abschließenden Podiumsdiskussion durfte Daniel Le von Google etwas aus der neuen, digitalen Welt erzählen. Von Abverkäufen, neuen Zielgruppen, erhöhten Reichweiten durch soziale Netzwerke. Schlank, schnell und agil müsse alles sein, wenn man in Zukunft zu den Gewinnern zählen wolle. Das will der deutsche Mittelstand auf jeden Fall. Aber wir haben an diesem Abend gelernt, dass er vor allem auf keinen Fall den Boden unter den Füßen verlieren will.

Holger Klindtworth in Aktion.


Dr. Jörg Kahler freut sich auf viel Arbeit für Juristen.


Daniel Le von Google erzählt von der Zukunft.

Fotos: Jakob Nawka/Frank Schmiechen