Bücher einfach wegwerfen? Nein, ich kann das einfach nicht. Da stehen noch die gelben Reclam-Büchlein aus der Oberstufe des Gymnasiums in meinem Regal. Dazu seltsame Fehlkäufe aus der Studentenzeit. Und jede Menge Bücher, die ich wahrscheinlich nie wieder in die Hände nehmen werde. Inzwischen haben sich Zweierreihen gebildet. Mindestens. Dazu kommen noch alte DVDs und CDs, die die Wohnung füllen und wahrscheinlich nie wieder angesehen oder angehört werden. Wohin damit?

Per Smartphone-Kamera den Preis ermitteln

Freunde haben mir Momox empfohlen, um endlich mal auszumisten. Das Startup begann im Jahr 2006 mit 1.500 Euro Eigenkapital, das Gründer Christian Wegner einsetzte. Heute ist daraus ein internationales Unternehmen mit Logistikzentren in Berlin, Leipzig und Neuenhagen geworden. Im Jahr 2013 zog Wegner sich aus dem operativen Geschäft zurück. Seit März vergangenen Jahres ist der 45-jährige Heiner Kroke CEO der Firma. 

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Die ursprüngliche Idee: An- und Verkauf von gebrauchten Büchern. Inzwischen handelt das erste Re-Commerce-Unternehmen Deutschlands auch mit CDs, DVDs, Spielen und auch Kleidung und sieht sich in diesem Bereich Weltmarktführer. Mal schauen, wie das funktioniert.

Alles, was ich nicht mehr brauche, kommt zunächst auf einen großen Stapel und dann lade ich mir die Momox-App auf mein Smartphone. Nach dem Start der App öffnet sich die Kamera. Damit scanne ich den Barcode ein und sofort wird mir der Ankaufspreis für gebrauchte Medien mitgeteilt. Das macht natürlich Appetit und ich richte meinen Account ein. Mit Kontonummer. Das Geld muss ja am Ende irgendwo hin. Für „Change by Design“ von Tim Brown zahlt mir Momox 3,73 Euro, für ein journalistisches Fachbuch 5,39 Euro. Nicht schlecht. Diese überraschend hohen Ankaufspreise halten mich bei der Stange. Also weiter. Das Scannen funktioniert sehr gut. Wenn der Barcode nicht lesbar ist, kann ich die Nummer auch per Hand eintippen.

Den Adressaufkleber erzeugt die App

Langsam lichtet sich der Stapel. Es macht Spaß, den Preis der gebrauchten Medien zu ermitteln. Denn immer wieder gibt es Überraschungen. Die CD der völlig unbekannten Sängerin Valerie bringt fast acht Euro. Einige Bücher oder DVDs nur ein paar Cent. Warum? Das wird nicht ganz klar. Ein Algorithmus erledigt die Kalkulation. Am Ende ist die erste Versandkiste fertig. Und sie ist sehr schwer. Bis zu 31 Kilo darf ich einpacken. Damit kommt man allerdings nur mit Mühe zu einer DHL-oder Hermes-Filiale. Schlauer ist es, mehrere, leichtere Kisten zu packen. Oder gleich den Abholdienst zu nutzen. Dann kommt der Bote direkt an der Wohnungstür vorbei.

In der App addieren sich die Preise und am Ende kommt eine ansehnliche Summe zusammen. Das reicht immerhin für ein schönes Abendessen im Lokal um die Ecke. Und die Bücherborde und CD-Regale haben sich deutlich gelichtet. Jetzt nur noch schnell den Adressaufkleber, den die App zur Verfügung stellt, ausdrucken und auf die Kiste kleben. Die Verkaufssumme muss über 10 Euro liegen. Dann gehe ich mit den Kisten zur nächsten DHL-Filiale. Einfach abgeben. Fertig. Aber was ist mit dem versprochenen Geld? Kommt das auch wirklich?

Nur vollständige, unbeschädigte Ware

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Ein paar Tage später kommt erstmal eine Mail. Einige DVDs waren offenbar nicht vollständig, einige Bücher offenbar zu beschädigt für einen Weiterverkauf. Dafür gibt es kein Geld. Wenn man mag, schickt Momox diese Gegenstände zurück. Dann muss man allerdings das Porto bezahlen. Am besten ist es, beim Einpacken kritisch zu sein und wirklich nur vollständige und unbeschädigte CDs und Bücher einzupacken. Einige ziemlich zerkratzte CDs hat Momox aber auch gekauft. Ich will nichts zurück und einen Tag später ist das Geld auf meinem Konto. Bei der Abrechnung gab es zwar ein kleines Problem. Zwei Zahlen wurden vertauscht. Doch bereits einen Tag später war die Mail mit der Korrektur im Postfach.

Fazit: Momox funktioniert sehr gut. Man bekommt Lust, endlich mal die Regale aufzuräumen und auszumisten. Die Preisermittlung per Smartphone macht sogar Spaß. Am Ende sind fast 60 Kilo Bücher, CDs und DVDs, die ich nie wieder angefasst hätte, verschwunden und verkauft. Das fühlt sich gut an. Endlich ist wieder Platz. Wofür? Für neue Bücher natürlich.

Foto: Momox