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Die Moneymeets-Gründer Johannes Cremer und Dieter Fromm (von links)

Dieter Fromm kennt seine Konkurrenz. Immerhin arbeitete der Fintech-Gründer selbst mehr als 20 Jahre bei einer Bank. Dann wechselte er die Seiten – und entschloss sich, mit 45 Jahren ein Startup zu gründen.

Sein Mitgründer Johannes Cremer und er kündigten ihre Corporate-Jobs. Die Idee: ein soziales und transparentes Netzwerk für Finanzen. Damals, vor 2012, sei Digitalisierung noch kein Thema bei den Banken gewesen, erinnert sich der Kölner. „Banken und Versicherungen waren zu dem Zeitpunkt im Kundenbereich innovationsfreie Zonen.“ 

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Hier setzten die beiden mit Moneymeets an. Das Fintech-Unternehmen will Nutzern ein übergreifendes Finanzportal und gleichzeitig eine Art soziales Netzwerk bieten. Über dieses können sie sich etwa über Wertpapierdepots, Investmentfonds und Versicherungen informieren, diese verwalten und auch abschließen. Dafür habe das Startup etwa eine Lizenz als Versicherungsmakler, sagt Fromm. Private und professionelle Anleger können auf der Plattform ihre Anlagestrategien veröffentlichen und so anderen Tipps geben.

Kooperation mit Banken

Für dieses Konzept bekam das Kölner Startup bereits Millionen von Investoren, unter anderem von der Schweizer Post und Dieter von Holtzbrinck Ventures. Mit acht Banken, etwa Comdirect, kooperiert das Unternehmen. Doch man könne über Schnittstellen jedes Bankkonto für die Nutzung in Moneymeets einbinden, so Fromm. „Als ich früher bei der Bank gelernt habe, hieß es, wer das Girokonto hat, hat die Kunden“, erinnert er sich. „Heute ist das Girokonto – durch diese Freigabe der Daten – nicht mehr das Entscheidende.“ Fromm spielt damit auf den Machtverlust an, den klassische Banken durch die jungen Konkurrenten erleiden. Laut Gründer seien 10.000 Nutzer regelmäßig auf dem Portal aktiv.

Bis Ende Juni diesen Jahres zahlte das Unternehmen einen Teil der Provisionen, die es für die Vermittlung von Versicherungen bekam, an den Kunden zurück und warb damit, alle Kosten transparent zu kommunizieren. Den Rest behielt die sonst kostenlose Plattform für sich. Wie viel Umsatz Moneymeets macht, will Fromm nicht kommentieren.

Ärger mit der Konkurrenz

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Doch das sorgte vor allem in der Versicherungsbranche für Ärger, denn es waren die Makler, die in der Vergangenheit diese Provision einkassierten. Der Streit ging so weit, dass Moneymeets sein Geschäftsmodell auch vor Gericht verteidigen musste. Nach einigem Hin und Her wurde das sogenannte Provisionsabgabeverbot dann vor einem Monat im Gesetz verankert – und Moneymeets darf die Gebühr nicht mehr auszahlen.

Damit wird ein Teil des Angebots des Startups, das mittlerweile 40 Mitarbeiter beschäftigt, rechtswidrig. Die Gründer überlegen nun, wie sie weiter vorgehen. Sie betonen, ihr Geschäftsmodell sei nicht gefährdet. „Theoretisch könnten wir mit unserem Unternehmen nach Liechtenstein gehen und von dort aus unser Geschäft in Deutschland ohne Probleme anbieten“, sagt Fromm. „Nur von hier aus geht es zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr.“

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Bild: Moneymeets