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Montredo-Gründer Philipp Budiman (rechts) und Gründerszene-Redakteur Alex Hofmann haben sich zum Gespräch im Zeiss-Großplanetarium in Berlin-Prenzlauer Berg getroffen

Philipp Budiman ist sichtlich stolz. Die Uhr, die er am Handgelenk trägt, ist nämlich eine ganz spezielle. „Als Buzz Aldrin 1969 die Mondoberfläche betrat, trug er genau dieses Modell an seinem Arm“, erklärt er. Budiman hat sie aus einem bestimmten Grund angezogen. Die Uhr passt wunderbar zu dem Ort, an dem wir uns verabredet haben: das Zeiss-Großplanetarium in Berlin-Prenzlauer Berg – denn was verdeutlicht Zeit besser als eine Reise durch das Weltall?

Eigentlich seien aber gar nicht die bekannten Marken, sondern eher die kleineren, unabhängigen Hersteller sein Ding, sagt der 33-Jährige. Vor allem die aus der Schweiz. Eine Rolex zum Beispiel würde er sich nie umbinden. „Die Mainstream-Modelle sollen nur nach außen zeigen, dass man sich so eine teure Uhr leisten kann“, sagt er. Man merkt schnell: Budiman ist Uhren-Fan, sechs hochwertige Zeitmesser besitzt er selbst. „Mein Vater stammt aus einer Familie von Uhren-vernarrten Chinesen“, erklärt er.

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Welche Uhr trug Buzz Aldrin, als er 1969 als zweiter Mensch den Mond betrat? Kenner wissen, dass es sich um eine Speedmaster Professional von Omega handelte.

Das Hobby hat er zum Geschäft gemacht. Er ist einer der Gründer und der Chef des Berliner Startups Montredo. Gestartet hat er das Unternehmen im April 2012 zusammen mit Alexander Beer. Seitdem vertreiben die beiden zusammen mit ihrem Team Uhren über das Internet – und zwar nicht irgendwelche, sondern besonders edle Stücke: „Die teuerste Uhr, die wir je verkauft haben, war eine Patek Philippe Nautilus“, erinnert sich Budiman. Rund 38.000 Euro habe der Käufer dafür auf den virtuellen Ladentisch gelegt.

Aber das sei eine Ausnahme gewesen, gibt Budiman zu. Normalerweise kaufen die Kunden eher in der Größenordnung von 3000 Euro ein. Man kann sich denken, dass sie bei diesen Summen nicht so oft wiederkommen. Schließlich reichen den meisten eine oder zwei Luxus-Uhren. „Es gibt aber auch Sammler, die häufiger bei uns einkaufen“, betont der Gründer. 4500 Uhren hat das Startup derzeit im Sortiment und damit das Angebot im letzten Jahr fast verdoppelt.

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Geld verdient Montredo heute noch nicht – trotz der großzügigen Margen im Geschäft mit hochwertigen Uhren. Im zweistelligen Prozentbereich liegen die, sagt der Gründer. „Wir wollen schnell wachsen. Auf große Finanzierungsrunden haben wir es bisher aber nicht angelegt“, sagt Budiman. Und spielt damit sicherlich auch auf die mitunter sehr aggressiven Wettbewerber wie Watchmaster oder Chronext an, die finanziell großzügiger ausgestattet sind.

Gegenüber der Konkurrenz sieht Budiman sein Startup gut aufgestellt: „Wir wollen mit einem möglichst schlanken Team möglichst viel erreichen.“ Vor dem hell leuchtenden Mond, den der Planetariums-Techniker an die Kuppel projiziert hat, klingt das irgendwie bescheiden. Aber man merkt Budiman auch an, dass er als Unternehmer nicht ganz unerfahren ist. Vor dem Onlineshop hatte er zusammen mit Studienkollegen in Graz ein Spiele-Startup gegründet. Das hat ihn dann auch nach Berlin gebracht. Und er ist geblieben.

Trotz der Gründererfahrung lief es bei Montredo nicht immer von allein. „Es gab viele Ups und Downs“, erzählt Budiman. „Kurz vor unserer Finanzierungsrunde 2013 wurde das Geld zu knapp, um alle Gehälter zu bezahlen. Es hat einfach zu lange gedauert, Investoren an Bord zu holen.“ Entlassen musste er aber niemanden. „Einige unserer Mitarbeiter haben vorübergehend in Teilzeit gearbeitet, das hat uns sehr geholfen“, erinnert er sich.

10 – Montredo
Wachstumsrate: 520%
Gründungsjahr: 2012
Firmensitz: Berlin
Branche: E-Commerce
Webseite: www.montredo.com

Und auch einen kleinen Pivot, also eine Änderung im Geschäftsmodell, hat Montredo bereits hinter sich. Ursprünglich war das Unternehmen als Onlineshop sowohl für gebrauchte als auch neue Luxusuhren gestartet. „Dann hat sich allerdings gezeigt, dass der Verkauf von ungetragenen Uhren für uns viel profitabler ist“, sagt Budiman. Viel Aufwand – alles muss vom Uhrmacher inspiziert und bewertet werden – bei geringeren Margen, das habe das Gebrauchtgeschäft unattraktiv gemacht. Auch hier wird deutlich, dass Budiman es ernst meint mit Effizienz und Effektivität. Also machte das Montredo-Team einen Cut und nahm sämtliche gebrauchte Uhren aus dem Sortiment, zumindest erst einmal. Mit der deutlichen Fokussierung habe sich Montredo dann vom Kölner Hauptwettbewerber Chronext abgesetzt.

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Kapital sei heute zum Glück kein Problem mehr, und auch mit dem Geschäftsmodell zeigt sich Budiman zufrieden. Montredo arbeitet mit offiziellen Konzessionären zusammen – immer häufiger aber auch direkt mit den Herstellern. So kann das Startup pro verkaufter Uhr noch mehr Geld verdienen, weil es auf Zwischenhändler verzichtet, die ebenfalls einen Teil der Marge einbehalten würden. Gab es bei einigen Startups im Uhren-Segment mitunter Zweifel, ob die von ihnen angebotenen Chronografen sogenannte Grauware sind, also Produkte, die eigentlich nicht für den deutschen Markt zugelassen sind und für die keine Garantie greifen würde, versichert Budiman: „Alle Uhren in unserem Angebot sind offiziell für den EU-Markt bestimmt.“

Für das kommende Jahr hat er sich und seiner Firma ein klares Ziel gesetzt: Montredo soll profitabel werden. „Wenn nichts Großes dazwischenkommt, schaffen wir das auch“, ist er sich sicher. Erst einmal soll nun die Marke bekannter gemacht werden. Dazu dreht das Startup zusammen mit den Uhrenherstellern Werbe-Videos. „Es geht also um Content-Marketing“, erklärt Budiman.

Einen achtstelligen Umsatz will Montredo in diesem Jahr mit seinem digitalen Geschäftsmodell erwirtschaften – Ladengeschäfte oder andere Offline-Aktivitäten sind derzeit nicht geplant. Um das Umsatzziel zu erreichen, hat das Startup international expandiert. Nach den Kernmärkten Deutschland, Großbritannien und Frankreich sowie Österreich und der Schweiz startete es vor Kurzem in den Niederlanden, Schweden und Dänemark.

Die zuvor geplante Expansion nach Asien liegt allerdings erst einmal auf Eis. „Wir haben das getestet, aber die Kennzahlen haben sich nicht so entwickelt wie geplant“, erklärt der Unternehmer. Allerdings ist die Webseite bereits übersetzt, ein Bezahl-Anbieter wurde eingebunden und Kooperationspartner hat das Startup auch schon gefunden. Vielleicht will es also den Markt zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal ins Auge fassen. „Aber das steht in den Sternen,“ sagt Budiman. Und muss beim Blick an die Planetariums-Kuppel dann selbst über die Wortwahl lachen.

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Bilder: Chris Marxen / Gründerszene