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Die Moodpath-Gründer Felix Frauendorf und Mark Goering (von links)

Die therapeutische Versorgung für depressive Menschen ist deprimierend. Therapieplätze sind rar, durchschnittlich drei Monate müssen Patienten auf einen warten. Seit Jahren ist das Problem bekannt und seit Jahren steigen die Suizid-Zahlen. Durchschnittliche alle 52 Minuten stirbt ein Mensch in Deutschland – einfach weil er es will.

Die iOS-App Moodpath soll nun helfen, Depressionen schon vor einem Arztbesuch zu erkennen. Zusammen mit der Freien Universität Berlin haben die Gründer Felix Frauendorf und der Psychologe Mark Goering in einer Studie ein Verfahren entwickelt, um Symptome zu identifizieren und von kurzzeitigen Stimmungstiefs abzugrenzen. „Denn gerade diese Unterscheidung fällt vielen Betroffenen schwer“, sagt Frauendorf. Moodpath soll Nutzern deswegen helfen einzuschätzen, ob sie wirklich einen Arzt aufsuchen müssen.

Lädt ein User die App herunter, fragt Moodpath 14 Tage lang immer wieder nach dessen Stimmung und anderen Indikatoren. Das alles erfolgt anonym. Ein Login über Facebook oder E-Mail ist nicht nötig. Nach zwei Wochen liefert Moodpath einen Bericht, ob Depressions-Symptome vorliegen. Diese Daten kann der User auf Wunsch an einen Arzt oder Psychotherapeuten weiterleiten. Künftig soll die App auch Selbsthilfemodule anbieten. Erst hierfür wollen die Macher monatlich zwischen zwei und fünf Euro verlangen. Der Rest der Anwendung soll kostenlos bleiben.

Moodpath ist mit seinem Angebot auf dem App-Markt nicht alleine. Bereits seit zwei Jahren bietet das Startup Arya ein ähnliches Produkt an. Die Arya-App versucht ihre Nutzer zu positiven Alltagserlebnissen zu verführen. Daneben sammelt das Programm Daten und schickt diese auf Wunsch an den behandelnden Therapeuten. Ganz neu auf dem Markt ist hingegen die Enke-App. Seit Montag kann die Software heruntergeladen werden. Benannt ist die App nach dem Fußballtorwart Robert Enke, der sich 2009 das Leben nahm und dessen Tod bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte. Mit der App können Betroffene in einer schweren Krise über einen SOS-Knopf schnell Hilfe rufen. Eine angeschlossene Beratungshotline ist rund um die Uhr besetzt.

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Therapien versprechen alle diese Apps jedoch bewusst nicht. „Wir ersetzen nicht den Arzt oder den Psychotherapeuten“, sagt Moodpath-Gründer Felix Frauendorf. Nur diese dürften den Patienten auch behandeln. Zusätzlich zu der Früherkennung soll die Moodpath-App mit den erhobenen Daten auch beim tatsächlichen Arztbesuch helfen. „Menschen erinnern sich nur verzerrt an Stimmungen von vor zwei, drei Tagen“, sagt der Gründer. „Insbesondere depressive Menschen haben meist nur negative Erlebnisse im Gedächtnis.“ Mit der App können Therapeuten jedoch die wirklichen Stimmungslagen ihrer Patienten in der Vergangenheit nachprüfen.

Und die Gründer haben noch weitere Pläne: Bis Ende des Jahres werde ein neues Programm fertig sein, das Ärzten helfe, ihre alltäglichen administrativen Pflichten schneller zu erledigen, erzählen sie. „Der Markt schreit regelrecht nach Disruption“, sagt Frauendorf. Psychotherapeuten würden rund ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit administrativen Arbeiten verbrauchen. „Die Programme, die derzeit genutzt werden, sehen aber alle aus wie Windows 95“, so der Unternehmer.

Bild: Mindrise