Alex Mackenzie Torres von Moovit

Der Kampf um die letzte Meile wird gerade weltweit ausgefochten. Carsharing, Ridesharing, Uber, MyTaxi und viele andere kämpfen um den Kunden und darum, wie er die letzten Meter bis zu seinem Zuhause zurücklegt. Dann ist da aber auch noch der öffentliche Nahverkehr. Während der ÖPNV in Europa oft gut bis sehr gut ausgebaut ist, sieht es auf anderen Kontinenten schlechter aus. Millionenstädte in Indien und Afrika wachsen rasant, Investitionen in das Nahverkehrsnetz sind aber selten. Dort, wo das Geld fehlt, springen Minibusse ein, meist privat organisiert. Da gibt es zwar einen Fahrplan, aber den kennen auch nur Eingeweihte.

Um die Vermessung der weltweiten Nahverkehrssysteme kümmern sich zur Zeit einige Unternehmen, darunter ist das Berliner Unternehmen Ally, Citymapper aus London – und das israelische Startup Moovit, das seit kurzem auch in Deutschland aktiv ist. Mit 25 Millionen Nutzern weltweit ist Moovit Marktführer, das Unternehmen hat in der letzten Finanzierungsrunde rund 50 Millionen Dollar eingesammelt, ein Teil davon kam von BMW i Ventures.

Alex Mackenzie Torres, Vice President Product Marketing von Moovit, spricht im Interview über die Entwicklung des Marktes und erklärt, wie Moovit vorgeht.

Alex, Ihr seid in Europa gerade auf Expansionskurs. Kann man den ÖPNV zum Beispiel in Berlin noch besser machen?

Der Nahverkehr in Berlin ist schon gut, aber mit Daten kann man den Service verbessern. Zum Beispiel die Steuerung der Zeiten verfeinern, in denen Züge und Busse ausgelastet sind. Das geht hervorragend mit Moovit, da wir eine aktive Community aus Anwendern haben. Die senden uns via App alle nötigen Daten, mit denen man zum Beispiel Heatmaps für eine Stadt erstellen kann. So kann man sehen, wo die Engpässe liegen. Und diese Daten stellen wir dann den Betreibern zur Verfügung.

Wie groß ist der Anteil an den gesammelten Daten, die die User beisteuern?

Das hängt von den Städten ab. In Europa und Nordamerika ist die Datenlage bei den ÖPNVs gut, in Südamerika und Afrika nicht. Da bekommt man höchstens ein paar Basisdaten, der Rest kommt dann von den Usern. Wir haben ein Tool für unsere User eingerichtet, mit dem sie ihre Stadt vermessen können. Sie können Fahrtrouten, Stationen und Fahrtzeiten messen und direkt an uns senden. Das ist sehr spannend, denn mittlerweile gibt es sogar Projekte von Moovit-Usern im Iran.

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Wie werden die Daten überprüft?

Wir haben verschiedene Qualitätsstufen eingeführt. Einerseits für die Daten, andererseits aber auch bei den Usern. Dazu gibt es sogenannte Super-User, die die Daten noch einmal prüfen. Aber wir haben da selten mit falschen Daten zu tun, die User wollen ja, dass ihre Stadt im Moovit-Netzwerk auftaucht. Je genauer Fahrtrouten und Abfahrtszeiten gemessen werden, desto besser.

Wie verdient man damit Geld? Indem man die Daten verkauft?

Wir denken weder über den Verkauf der Daten nach noch möchten wir das Unternehmen als Ganzes verkaufen. Wir haben uns auch nach der Serie-C-Finanzierung mit rund 50 Millionen Dollar vorgenommen, weiter zu wachsen. Also mehr User und mehr Städte hinzuzufügen. Gleichzeitig experimentieren wir mit neuen Geschäftsmodellen. Mobile Ticketing ist sicher eines, aber das ist eine komplexe Angelegenheit, weil jeder Verkehrsverbund sein eigenes System hat. Die Integration von Taxi- und Carsharing-Anbietern ist schon weit fortgeschritten. Ebenfalls spannend ist das Thema Werbung im Hyperlocal-Bereich.

Aber die gesammelten Daten sind für andere Unternehmen sicher interessant. Immerhin kann man sehen, wo und wann welche Nutzer welche Transportsysteme nutzen und dies auch noch weltweit.

Mag sein, aber die Daten kommen von Usern und unsere Einstellung hierzu ist, dass sie auch den Usern gehören. Anonymisierte Heatmaps sind etwas anderes, die mit unserer Community gesammelten Daten bleiben bei uns.

Moovit stammt ursprünglich aus Israel, ist aber vor einiger Zeit nach San Francisco umgezogen. Warum der Standortwechsel?

Das hat zwei einfache Gründe. In Israel kann man die Ideen entwickeln, aber das Geld sitzt in den USA und hier vor allem im Silicon Valley. Und zweitens bekommt man im Valley auch viel schneller mit, was auf dem Markt vor sich geht. Es entwickeln sich schneller neue Geschäftsideen und die Möglichkeiten, diese mit neuen Partnern umzusetzen.

Bild: Moovit