Las Vegas Motionlift Jon Mills

Star-Investor Mark Cuban und das Betrüger-Startup

Diese Geschichte klingt wie eine Mischung aus „Fear and Loathing in Las Vegas“ und „Hangover“, also eigentlich nach einem geilen Trip. Privatjets, Drogen, Halbwahrheiten, Privatkonzerte – Gründer Jon Mills hat es ziemlich krachen lassen, glaubt man US-Medienberichten. Das Problem: Er verprasste nicht sein eigenes Geld, sondern das seiner Freunde und Investoren. Und die sind nun ziemlich stinkig.

Dabei sah Mills‘ Startup nach einer ziemlich sicheren Wette aus: Motionloft hatte ein Tool entwickelt, mit dem Geschäfts- oder Immobilienbesitzer den Verkehrsfluss von Fußgängern und Autos in ihrer Nachbarschaft tracken und analysieren können. Wichtige Handelsketten wie CVS gehörten bereits zu den Kunden.

Und: Das Startup aus San Francisco hatte Mark Cuban als Investor. Cuban ist ein 55-jähriger Selfmade-Milliardär, er besitzt den NBA-Club Dallas Mavericks und tritt in der Reality-Show Shark Tank auf, wo er als Juror über Geschäftsideen den Daumen hebt oder senkt. Sein Twitter-Profilfoto zeigt ihn im Privatjet mit Zigarre, Basecap und dem NBA-Siegerpokal, den er 2011 mit den Mavericks holte.

Als Motionloft-Gründer Jon Mills im Frühjahr 2013 auf einige Bekannte zugeht und ihnen von der Möglichkeit erzählt, sich an dem Startup zu beteiligen, sagen eine Reihe von Freunden zu. Laut TechCrunch nimmt Mills Schecks in Höhe von mehreren hunderttausend Dollar entgegen. Und als er kurze Zeit später von einem bald anstehenden Verkauf des Startups berichtet, glauben Mills‘ Bekannte, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

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„Ihr seid jetzt alle Millionäre“

Zwar bekommen die meisten Neuinvestoren nie einen Beleg dafür, dass sie tatsächlich an der Firma beteiligt sind. Aber bald würde ja es Geld regnen. Einem Bekannten, der in dem Bericht den Decknamen Matthew trägt, habe Mills gesagt: „Das Unternehmen wurde verkauft, ihr seid jetzt alle Millionäre.“

Um den vermeintlichen Exit zu feiern, lädt Mills seine Freunde nach Las Vegas ein. In die Wüstenstadt geht es per Privatjet, Mills übernachtet in einer Penthouse-Suite im Luxushotel Palms, seine Entourage muss sich allerdings selbst um ihre Zimmer kümmern. Im MGM Grand gibt es ein dekandentes Abendessen, die Rechnung: fast 20.000 Dollar. Mills taucht spät auf an dem Abend, und verlässt das Restaurant früh – ein Freund muss die Rechnung übernehmen. Weitere 100.000 Dollar gehen für ein Privatkonzert von R’n’B-Sänger Miguel für Mills‘ Freundin drauf.

Jon Mills soll den Auftritt nie bezahlt haben. Auch für die Flüge mit dem Learjet – drei Hin- und vier Rückflüge – zahlte er nicht. Die Chartergesellschaft Private Flite hat Mills offenbar um insgesamt fast 200.000 Dollar betrogen. Private-Flite-CEO Justin Sullivan platzt der Kragen. Er stellt die Seite jonmillsfraud.com ins Netz. Dort wird Mills als „Jetset-Gauner“ bezeichnet. Sullivan schreibt: „Ich bitte die Behörden dringend, diesen Finanzterroristen aufzuhalten. Das einzige, was ihn stoppen wird, ist eine Gefängniszelle.“

Stripperinnen, Privatkonzerte, Drogentrips

Statt Motionloft zu finanzieren, bezahlte Mills mit dem Geld seiner Bekannten seine eigene Verschwendungssucht. ValleyWag berichtet von einem Drogentrip nach Coachella, wohin Mills Stripperinnen einfliegen ließ. Für den Geburtstag seiner Freundin engagierte er den Rapper Mickey Avalon.

Kurz nach dem Vegas-Trip verschwindet Mills von der Motionloft-Teamseite. Star-Investor Mark Cuban übernimmt das Ruder, versucht zu retten, was zu retten. „Das Unternehmen ist bankrott“, schreibt er Ende November in einer E-Mail. „Ich musste gestern mit meiner Kreditkarte dafür sorgen, dass sie nicht aus ihren Büros fliegen. Ich versuche herauszufinden, wie ich sie im Geschäft halten kann.“

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Für Jon Mills‘ Freunde und die anderen Geschädigten ist es da schon zu spät. Ihr Geld ist weg.

Kurz nach Weihnachten engagiert Mills den kalifornischen Promi-Anwalt Marty Singer, zu dessen Mandanten schon Charlie Sheen und Scarlett Johansson gezählt haben. Er wird auch der „Pitbull-Anwalt“ genannt.

Über Singer verbreitet Jon Mills ein Statement: „Das Geld der Investoren wurde gänzlich auf Firmenkonten einbezahlt und für Unternehmensausgaben verwendet. Ich habe den Investoren nie erzählt, dass die Firma verkauft werden würde. […] Ich habe das letzte Mal in der letzten Novemberwoche für Motionloft gearbeitet.“

Bild: PantherMedia, Frank Zapf