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Wer hat’s erfunden?

Einen regelrechten Kleinkrieg führen zwei Umzugsstartups in Berlin: mit gezielt gestreuten Gerüchten und öffentlichen Spitzen. Der Konflikt zwischen Movinga und Movago – das jetzt Move24 heißt – schwelt bereits seit dem Sommer 2015 vor sich hin. Eine Recherche von Gründerszene zeigt nun, dass die beiden Startups ihren Copycat-Streit auch vor Gericht gebracht haben. Mehr als ein Jahr lang hat sich das Landgericht Hamburg mit Fragen zu den beiden ursprünglichen Marken – Movinga und Movago – auseinandergesetzt.

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Ausgangspunkt war eine Klage von Movinga. Geschäftsführer Finn Hänsel vertritt die Meinung, dass sich der Konkurrent mit der Marke „Movago“ zu stark an dem Namen „Movinga“ orientiert habe. „Durch den ähnlichen Namen kam es zu Verwechslungen bei Kunden, was für jedermann vorhersehbar gewesen sein dürfte“, so Hänsel gegenüber Gründerszene.

Die Richter sehen das ähnlich: Mitte April hat das Hamburger Gericht ein Urteil gefällt, das in wenigen Tagen rechtskräftig wird. Die Movinga-Anwälte fassen die Entscheidung gegenüber Gründerszene so zusammen: „Die Beklagten [Move24] wurden verurteilt auf Unterlassung der Benutzung des Kennzeichens „MOVAGO“ (Bild- und Wortmarke in jeglicher Form)“. Eine Begründung des Gerichts laute: „Die Zeichen ,Movinga‘ und ,Movago‘ seien optisch und phonetisch ähnlich insbesondere wegen des identischen Wortanfangs, derselben Silbenzahl und der ähnlichen Wortmelodie.“

Bereits im Frühjahr 2016 hatten sich Movago in Move24 umbenannt, allerdings angekündigt, eine Mehrmarken-Strategie zu verfolgen. Die Seite von Movago bestand in den Monaten nach der Umbenennung parallel zu Move24, mittlerweile leitet der Link auf die Move24-Seite weiter.

Wird das Urteil rechtskräftig, darf Move24 die Marke „Movago“ nicht mehr verwenden – und muss weitere Folgen fürchten. „Wegen der Verletzungshandlung haben wir einen Anspruch auf Schadensersatz und eine Entschädigung für alle Einnahmen, die unter dem Namen Movago gemacht wurden“, sagt Movinga-Geschäftsführer Hänsel. Außerdem müsse Move24 seine Umsätze offen legen, damit der Anspruch festgelegt werden könne. Ein harter Schritt für Unternehmen, die sich in einem so engen Wettkampf befinden.

„Unser Konkurrent hat mit der Marke Movago Millionen-Umsätze gemacht“

Von welcher Schadenersatz- und Entschädigungssumme Move24 ausgeht, lässt das Unternehmen auf Nachfrage offen. Geschäftsführer Anton Rummel bezeichnet das Urteil aber als „geschäftlich irrelevant“. Er teilt per Mail mit: „Für Move24 ist es das Wichtigste, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Hier stecken wir unsere Energie rein. Nicht in Themen am Rande.“ Weiterhin schreibt er, dass der gesamte Traffic, den die Movago-Webseite verzeichnet habe, „verschwindend gering gemessen am gesamten Traffic von Move24“ sei. Soll heißen: Darüber wurde wenig Umsatz erzielt.

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Zu einem ganz anderen Schluss kommt Finn Hänsel von Movinga: „Unser Konkurrent hat mit der Marke Movago Millionen-Umsätze gemacht, die ohne diesen Namen so nicht erzielt worden wären.“ Man habe außerdem die Möglichkeit, das Urteil vorläufig vollstrecken zu lassen: wenn Movinga 200.000 Euro bei Gericht hinterlege, gibt Hänsel an. Derzeit prüfe man diesen Schritt.

Wie hart es Move24 finanziell treffen wird, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Rummel betont: „Geschäftlich sind das Urteil und seine Auswirkungen für Move24 unbedeutend.“ Das Startup teilt mit, dass es sich vorbehält, Berufung einzulegen. Erst Anfang Mai hatte das Unternehmen eine Wachstumsfinanzierung über 13 Millionen Euro bekannt geben. Geld, das sicherlich nicht für Entschädigungszahlen eingeplant ist.

Montage: Gründerszene