Der Regierende trinkt Kaffee, Dr. Thomas Letz aus der Senatskanzlei begrüßt die Gäste.

Der Regierende Bürgermeister bittet zum Frühstück – und alle sind gekommen. Die Startup-Szene Berlins hat sich im Roten Rathaus versammelt und muss sich von Michael Müller (SPD) fragen lassen: „Was leistet ihr für unsere Stadt?“ In ihrer „Agenda für ein optimiertes Gründungsumfeld“ hat die politische Führung Berlins Maßnahmen zur Unterstützung der Startup-Szene zusammengetragen. Doch dafür will die Hauptstadt jetzt auch etwas zurückbekommen. Müller: „Die Zeit des Welpenschutzes für Startups ist vorbei.“ Er erhofft sich von den jungen Unternehmen neue Ausbildungsplätze.

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Doch zunächst geht es um die Strategie des Senats, Berlin als Standort für Startups noch attraktiver zu machen. Dafür wurde die sogenannte Startup Unit ins Leben gerufen, die Akteure der Startup-Szene zusammenführen soll und als Anlaufstelle für Ideen, Fragen und Vorschläge dienen soll. „Vieles wurde erreicht“, lobt Müller die Bemühungen seiner Stadt in Zusammenarbeit mit der Unit. Fünf Bereiche stehen dabei besonders im Fokus und sollen mit weiteren Projekten ausgebaut werden.

  1. Die Anwerbung von noch mehr klugen Köpfen. National und international.
  2. Mehr Kapital  als Grundlage für weitere Investitionen und Wachstum.
  3. Verbesserung der Infrastruktur für mehr Raum für innovative Produkte.
  4. Bessere Betreuung und Vernetzung durch Begleitung von Projekten.
  5. Internationalisierung durch bessere Standortmarketing und Willkommenskultur.

Berlin platzt aus allen Nähten

Berlin wächst jedes Jahr in der Größe einer deutschen Kleinstadt. Da wird langsam der Platz knapp. Aus den Flughäfen Tempelhof und Tegel sollen deswegen Startup-Quartiere werden. Irgendwann einmal. Über den genauen Zeitplan ist jedenfalls noch nicht entschieden. In Tempelhof sind zur Zeit Flüchtlinge untergebracht. Tegel muss weiter als Flughafen funktionieren – bis der BER einsatzbereit ist. Es kann also noch dauern. Bis dahin wäre noch genug Zeit, endlich die versprochenen Hotspots für kostenfreies WLAN einzurichten, die es eigentlich längst geben soll.

In der Frage von Verwaltungssoftware bittet der Regierende Bürgermeister die Startups nach einer Tasse Kaffee um Hilfe. Hier sei das Knowhow der Digitalszene gefordert. Dezentral in den Bezirken oder zentral aus dem Rathaus? Das ist hier die Frage. Eine einfache Antwort scheint es nicht zu geben. Aber man will sich dazu mit Startups austauschen. Die Einführung des digitalen Polizeifunks hat gezeigt, dass Hilfe in diesem Bereich dringend nötig ist. Häufig stecken die Freunde und Helfer ausgerechnet in den Brennpunkten der Stadt im Funkloch.

Startups sind ein Gewinnerthema

Die Startup-Szene ist für Berlin ein wichtiges Asset. Und so kurz vor dem Wahlkampf lässt der politische Streit um dieses Thema nicht auf sich warten. Denn die für die Digitalwirtschaft zuständigen Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) war zum Roundtable offenbar nicht eingeladen – und ist entsprechend angesäuert: „Es ist kein Einzelfall, dass sich der Regierende Bürgermeister im beginnenden Wahlkampf auf die Gewinnerthemen setzt“, sagte Yzer. Sie findet es laut Tagesspiegel „bedenklich, dass ein Termin zum wichtigen Thema Startup-Unit ohne das federführende Ressort läuft“.

Die Idee zum Startup-Roundtable im Rathaus stammt übrigens ursprünglich von Klaus Wowereit. Der hatte immer schon eine gute Nase für Gewinnerthemen, die keines allzu großen persönlichen Einsatzes bedürfen.

Bild: Frank Schmiechen / Gründerszene