gabriel hacker jam

Gabriel Hacker arbeitete zuvor für den Candy-Crush-Entwickler, jetzt baut er eine Musik-App

Viele Startups machen eher mit Eigen-PR als mit ihrem Produkt von sich reden. Bei Music Maker Jam aus Berlin ist es genau andersherum. Kaum jemand kennt die Macher hinter der Musik-App. Und auch die App selbst ist zumindest hierzulande noch weitestgehend unbekannt. Dabei nutzen bereits Millionen von Menschen das Programm, mit dem Smartphone-User in wenigen Minuten ganze Songs kreieren und sie mit ihrer Community oder über Plattformen wie SoundCloud, Facebook oder YouTube teilen können.

Dass Music Maker Jam in Deutschland unter dem Radar agiert, liegt unter anderem daran, dass die meisten App-Nutzer aus den USA kommen. Aber auch daran, dass erst seit etwa einem Jahr ein professionelles Management-Team daran arbeitet. Einer dieser beiden Manager ist Gabriel Hacker, er leitete zuvor das Deutschland-Geschäft des Candy-Crush-Entwicklers King.com. Jetzt ist er als CPO hauptverantwortlich für das Produkt. Für PR, Marketing und Fundraising ist Rory Kenny als CEO an Bord, er war zuvor für das Business-Development der Mobile-Sparte bei Tripadvisor zuständig. In den USA sucht Jam gerade nach Investoren.

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Millionen Nutzer und Millionenumsatz

Ursprünglich wurde die App von der deutschen Firmenschmiede Magix als Tech-Projekt gestartet, 2013 ausgegründet, auf Consulting-Basis weiterentwickelt und wird jetzt durch das neue Management professionell betrieben. Seitdem ist das Wachstum der App beachtlich, beispielsweise verzehnfachte sich die Zahl der registrierten Nutzer innerhalb eines Jahres von 500.000 auf heute über fünf Millionen. Eine Registrierung in der App ist übrigens nicht Pflicht, die kummulierten Downloads für Android, iOS und Windows liegen mit etwa 25 Millionen deshalb deutlich darüber.

„Es gab nicht die eine Maßnahme, durch die plötzlich alle KPIs durch die Decke gingen“, kommentiert Hacker das schnelle Wachstum. Zum einen lege das Startup Wert auf die Nutzererfahrung: Die App soll einfach sein, funktionieren, performant sein und das machen, was der Nutzer erwarte. Das scheint aufzugehen, in den letzten Wochen erreichte Jam in Googles Playstore eine Nutzerbewertung von 4,7 von 5 Punkten. Die Nutzer der App seien meist männlich und zwischen 18 und 24 Jahre alt.

Daneben lege Jam Wert auf seine Inhalte, so Hacker, und arbeitet dafür mit eigenen Recording-Studios und Musik-Produzenten. Diese erstellen die Soundloops, die die Nutzer in der App zu vollständigen Tracks zusammenmischen. Zudem arbeitet Jam seit einem halben Jahr auch mit internationalen Künstlern zusammen, aus den Genres Metal bis Pop.

Geld verdienen die Berliner derzeit über den Verkauf von sogenannten Style-Packs, das sind Pakete von Loops, die Nutzer für die Erstellung ihrer Songs benötigen. Zwei Pakete gibt es in der App kostenlos. Zum Erwerb weiterer Pakete wird die virtuelle Währung Beatcoins genutzt, an die Nutzer über echtes Geld oder über Interaktionen in der App gelangen. Durch sein Freemium-Modell konnte das Startup 2016 einen siebenstelligen Umsatz generieren.

Vision: Instagram für Musik

Derzeit wächst die Musik-App mit etwa 500.000 Nutzern im Monat. Aber die Vision der Berliner ist deutlich größer: Sie wollen mit einer zweiten App zu einer Art Instagram für Musik werden, also einer sozialen Musik-Plattform, auf der Künstler und Fans zusammen kommen. Einen rudimentären Community-Ansatz besitzt Jam schon jetzt, beispielsweise können Nutzer Profile erstellen oder ihre Songs mit der Community teilen oder von dieser bewerten lassen. Aber die zweite App, die voraussichtlich innerhalb der nächsten zwölf Monate erscheint, soll mehr bieten.

„Unsere Vision ist, die Lücke zu schließen, die Myspace hinterlassen hat“, so Hacker. Es sei aber noch zu früh, um konkret darüber zu reden, wie diese Plattform einmal aussehen wird. Ein paar Beispiele gibt Hacker trotzdem: So soll es beispielsweise auch Musikvideos geben, Wettbewerbe und Kollaborationen zwischen Künstlern und Fans.

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Um die zweite App groß zu machen, soll die bis dahin aufgebaute Community von Jam helfen. „Wir müssen einen Weg finden, so wie es Facebook mit dem Messenger geschafft hat, dass wir unser eigenes Ökosystem aufbauen. Wo wir die Nutzer halten können und die Traction von Jam auf die neue App übertragen“, so Hacker.

Die App soll dann auch eine breitere Zielgruppe ansprechen. „Es geht nicht nur um Leute, die Musik machen, sondern auch um die, die Musik konsumieren wollen, die man nicht jeden Tag im Radio hört.“ Und Hacker weiter: „Vielleicht suchen die großen Labels in fünf Jahren bei uns nach Talenten. Vielleicht kommt der nächste Gangnam Style bei uns.“

Wir sind gespannt, ob dieses Berliner Startup, das derzeit 21 Mitarbeiter beschäftigt, das nächste große Influencer-Netzwerk neben YouTube und Instagram bauen kann.

Bild: Georg Räth