Gründerin der Muttermilch Börse: Tanja Müller

„Ohne Gegenargumente würde es keine Diskussion geben.“

Unter Tränen musste Tanja Müller über 100 Flaschen, gefüllt mit ihrer Muttermilch, in den Ausguss schütten. Nachdem die zweifache Mutter bei ihrem ersten Kind nur wenig Milch abpumpen konnte, produzierte sie nach der Geburt ihres zweiten Kindes 2011 viel zu viel davon. Doch sie fand niemand, dem sie ihre überschüssige Milch geben konnte.

So schildert Tanja Müller die Geschichte, die sie dazu bewegte, zwei Jahre später eine Plattform zu gründen: Muttermilch-Börse (www.muttermilch-boerse.de), ein Portal, auf dem Mütter ihre Milch tauschen und verkaufen können. Am 28. Januar ging die Seite online – und hat seither zu heftigen Diskussionen geführt. Kritiker halten das Konzept für gemeingefährlich.

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So warnt der Bundesverband für Kinder- und Jugendärzte davor, Muttermilch über Börsen oder soziale Netzwerke im Internet zu beziehen. „Spenderinnen können Medikamente oder Drogen nehmen, ansteckende Krankheiten wie Aids oder Hepatitis haben. Keine Mutter kann kontrollieren, ob die fremde Muttermilch für das eigene Kind unbedenklich ist“, lässt sich Verbandspräsident Wolfram Hartmann zitieren.

Auch Christoph Bührer von der Berliner Charité äußert gegenüber Gründerszene Bedenken: „Muttermilch kann man genauso spenden wie Blut – aber man kann mit Muttermilch auch gefährliche Krankheiten übertragen, wie etwa Hepatitis B, die bei Neugeborenen häufig in eine tödliche Leberzirrhose übergeht, oder HIV/Aids. Deshalb muss die Spenderin unbedingt getestet werden – wie ein Blutspender auch.“

Gründerin Tanja Müller fühlt sich von den vielen Reaktionen überfordert – gleichzeitig sei sie froh, dass eine Diskussion stattfindet. „Klar, das Thema ist umstritten“, gibt die gelernte Hotelfachfrau zu. Sie versichert: Jede Mutter, die ihre Milch über die Börse anbietet, muss das Alter ihres Kindes angeben und ihre Postleitzahl. Medizinische Angaben zu Drogenkonsum und Krankheiten wie Hepatitis, Syphilis oder HIV sind allerdings freiwillig. Auf ihrer Seite schildert Müller deswegen ausführlich, worauf die Mütter beim Kauf der Milch über ihr Portal achten sollen. Sie empfiehlt, Verkäuferinnen in der Nähe persönlich zu treffen und die Milch vorab im niedersächsischen Institut für Milchuntersuchung testen zu lassen. Dennoch: „Eine Garantie gibt es nie.“

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Auch in einigen deutschen Kinderkliniken – etwa in den Universitätskliniken in Leipzig, Berlin oder München – gibt es Muttermilchbanken. „Dort werden die Frauen dann wie Blutspender untersucht. Diese Milch ist sicher und kann kleinen Frühgeborenen gegeben werden“, erklärt Kinderarzt Christoph Bührer. „Über das Internet vertriebenene Muttermilch birgt hingegen nicht kalkulierbare Gefahren für das Kind, das die Milch bekommt, und letztlich damit auch für den Betreiber der Internetseite.“

Auch wenn einige Ärzte davor warnen, Muttermilch privat zu verkaufen oder zu tauschen, glaubt Tanja Müller an ihre Idee: „Ich habe viel positives Feedback von Hebammen, Müttern und auch Ärzten bekommen.“ Für mögliche Gesundheitsrisiken will die Gründerin jedoch keine Verantwortung übernehmen – ihre Plattform, auf der ein Inserat für drei Monate 4,99 Euro kostet, würde ausschließlich den Kontakt zwischen den Müttern herstellen. „Welche Mutter tatsächlich wie viel Milch von wem kauft, bekomme ich nicht mehr mit.“

Bild: Muttermilch Börse