Die MyCouchbox-Gründer Clemens Walter und Sarah Haide

Couchbox: Gute Kontakte zu Milka und Katjes

Ein Abo-Box-Modell, das funktioniert: MyCouchbox, ein Abonnement für Süßigkeiten, Chips und andere Snacks, gestartet im Januar 2014 von Sarah Haide und Clemens Walter. Dabei arbeitet das Startup aus Stuttgart low budget: ohne Investorengelder und ausschließlich mit freien Mitarbeitern und Praktikanten. Einer der Gründe für den Erfolg: Immer mehr Hersteller entdecken das Konzept als alternativen Marketing-Kanal. 120 Marken steuern mittlerweile Produkte zur Couchbox bei. Im Interview erklären Haide und Walter, wie sie soweit kamen und wie lange sie am Bootstrapping festhalten wollen.

Startup-Konzepte werden ja gern miteinander verglichen. Seid ihr also die Glossybox für Süßigkeiten?

Walter: Ja und nein. Wir haben beide eine treue Community und Glossybox hat natürlich ein hochwertiges Lifestyle-Produkt. Dafür haben wir vielleicht die breitere Zielgruppe, weil die meisten Menschen nun einmal gerne Süßigkeiten und Snacks essen.
Haide: Unter unseren Kunden sind zum Beispiel auch Studenten, die Geld sparen wollen oder Omas, die ihren Enkelkindern eine Freude machen wollen.
Walter: Aber wir haben eine gute Beziehung zu Glossybox. Die bekommen ab und zu eine Box von uns und wir bekommen eine Glossybox für unsere weiblichen Mitarbeiter.

Euch gibt es jetzt seit einem Jahr. Lief bisher alles nach Plan?

Walter: Unsere Erwartungen wurden total übertroffen. Wir haben ja bisher alles selbstfinanziert und wollten erst einmal schauen, wie es läuft. Ursprünglich wollten wir bis Weihnachten eine vierstellige Kundenzahl erreichen, aber schon bei der WM im Juni haben wir das erste Mal 1.000 Boxen verschickt.

Und wie viele Boxen verschickt Ihr heute?

Haide: Rund 2.000 Boxen im Monat.

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Man kann bei Euch auch Boxen nur einmal, ohne Abo, bestellen. Wie viele Eurer Kunden sind Abonnenten?

Haide: Das schwankt natürlich, gerade um Weihnachten herum hatten wir viele Einmal-Bestellungen als Geschenk. Normalerweise sind aber 60 Prozent unserer Kunden Abonnenten – viele Kunden, die erst nur einmal bestellen, werden oft zu Abonnenten.

In Euren Boxen sind Snacks und Süßigkeiten von Milka, Katjes oder Funny-frisch. Bekommt Ihr die von den Firmen kostenlos?

Walter: Anders als beispielsweise Kosmetikartikel sind Süßwaren sehr stark massenorientiert, das heißt, es werden große Mengen in sehr kurzer Zeit hergestellt. Deswegen haben wir tatsächlich das Glück, dass wir die Produkte zu sehr, sehr guten Konditionen bekommen. Alleine Chio-Chips bringt im Jahr bis zu 15 neue Sorten auf den Markt, die sie ja auch irgendwie vermarkten müssen. Das hilft uns natürlich.

Nochmal: Bekommt Ihr die Produkte größtenteils umsonst?

Walter: Ja. Der Vorteil liegt auch auf der Hand: Die Firmen machen Marketing für ihr Produkt, weil es so garantiert in den vier Wänden des Kunden landet und dort überzeugen kann. Wir müssen einfach aufpassen, dass wir den Wünschen mancher Hersteller gerecht werden, nicht zu viel nach außen zu kommunizieren.

Wie hoch ist Eure Marge bei jeder Box?

Walter: Gerade liegt unsere Marge um die 45 Prozent. Weil sich aber unsere Fixkosten ständig verändern, schwankt auch auch die Marge stetig.
Haide: Das heißt, wir verdienen ca. 4,50 Euro pro Box. Das Geld brauchen wir auch, um wachsen zu können. Schließlich wollen wir den alten Opel Corsa dann auch mal gegen ein größeres Gerät eintauschen.

Arbeitet Ihr also profitabel?

Walter: Ja, seit August. Wir wollten uns immer selbst finanzieren können, deswegen ist so eine hohe Marge enorm wichtig für unser Modell.
Haide: Wir finden es echt super, dass wir uns selbst tragen. Aber wir müssen jeden Euro umdrehen und natürlich wäre es einfacher, wenn wir viel Geld von Investoren hätten. Schließlich zahlen wir uns selbst auch erst einmal kein Gehalt aus.

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Habt Ihr schon versucht, Geld von Investoren zu bekommen?

Walter: Natürlich haben wir schon mit Investoren gesprochen. Aber ich glaube, dass wir es auch so schaffen können. Max Wittrock, der Gründer von MyMuesli, hat mir immer gesagt, dass es auch ohne Investorengeld klappen kann. MyMuesli ist schließlich auch komplett eigenfinanziert – auch wenn zwischendurch Team Europe als Investor an Bord war.

Haide: Das Angenehme ist: Wir müssen kein Geld einsammeln und stehen deswegen nicht so stark unter Druck. Aber natürlich kann man mit Investorengeld schneller wachsen. Ende letzten Jahres kamen Investoren auf uns zu – vielleicht nehmen wir noch dieses Jahr Kapital auf. Wir sind gespannt.

Auf Eurer Seite steht, dass Ihr expandieren wollt. Geht das überhaupt ohne VC-Geld?

Walter: Da haben wir einfach mal laut gedacht, weil die Kunden sich das schon oft gewünscht haben. Gerade aus Österreich bekommen wir viele Zuschriften. Wir sollten das mal auf der Seite aktualisieren.
Haide: Aber erst einmal wollen wir in Deutschland eine starke Marke aufbauen. Dann erst werden wir uns mit der Expansion beschäftigen.

Ihr müsst gute Kontakte zu großen Süßigkeiten-Unternehmen haben. Wie baut man die auf?

Walter: Anfangs dachten wir, dass wir die Werkverkäufe der Unternehmen abklappern müssen. Aber dann haben wir mit fleißiger Vertriebsarbeit bei den Firmen angerufen und uns vorgestellt – da hatten wir noch keine Website oder ein Logo. Und einige haben dann tatsächlich zugesagt (lacht).
Haide: Langsam haben wir uns dann ein gutes Netzwerk aufgebaut. Viele der Unternehmen sind auch froh, dass ihnen jemand bei alternativen Marketing-Wegen hilft, nachdem sich die Kaufgewohnheiten zugunsten von Food-E-Commerce verändert haben.

Wie geht es in den nächsten Monaten weiter?

Haide: Wir erleben eine andere Art von Wachstum. Während wir 2014 sehr exponentiell gewachsen sind, geht es nun um den soliden Aufbau der eigenen Firma. Sprich: Wir wollen die Kunden- und Lieferantendaten besser dokumentieren, kosteneffizienter Mitarbeiter suchen und einstellen und natürlich weitere Monetarisierungskanäle finden.
Walter: Ich bin dankbar, dass durch harte Vertriebsarbeit in 2014 schon heute feststeht, welche Produkte in diesem Jahr in der Box landen. MyCouchbox etabliert sich also in einer (noch) traditionsreichen Branche als neues Marketing-Tool. Aber ganz ehrlich: In einem Bootstrapping-Startup kommt sowieso vieles anders als geplant…

Vielen Dank für das Gespräch, Sarah und Clemens.

 

Sarah Haide ist auch Teil unserer Bildergalerie mit Gründerinnen in Deutschland. 

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Tanja Bogumil (links) und Linh Nguyen leiten das Berliner Startup Kisura. Nach dem Vorbild der Männereinkleider Modomoto und Outfittery beraten die Kisura-Stylistinnen Kundinnen in Mode- und Stilfragen und senden ihnen eine auf sie abgestimmte Kleiderauswahl mit Kaufoption nach Hause.