Möbel-Module: In Hamburg eröffnete Mycs zusammen mit dem Heimausstatter Urbanara seinen zweiten Showroom nach Berlin.

Möbel nach Maß kommen längst nicht mehr nur vom Schreiner. Mit ein paar Klicks können Kunden bei Anbietern wie DeinSchrank.de oder Pickawood ein Bücherregal für die Dachschräge bestellen. Dazu stellen die Dienste in der Regel einen Online-Konfigurator bereit.

Das tut auch das Berliner Startup Mycs. Komplett freie Wahl bei Maßen und Farben haben die Kunden hier allerdings nicht: Esstische gibt es beispielsweise nur in vier verschiedenen Längen. Der Grund: Die Möbel lassen sich online nach dem Lego-Prinzip aus festen Modulen zusammenstellen. Mitgründer Kachun To meint, mit Maßanfertigungen aus dem Netz könne ein Großteil der Kunden ohnehin nichts anfangen. Planung und Gestaltung seien zu aufwendig: „Wenn man jeden Zentimeter und Winkel genau wählen kann und muss, dann ist das ein Informations-Overkill für den Kunden“, sagt er.

Mycs

Christoph Jung und Kachun To

Im Vergleich zu Unikat-Bestellungen erlaube das Modul-Prinzip niedrigere Preise und kürzere Lieferzeiten. Seine Bausteine lässt Mycs in großer Stückzahl vorfertigen. Gelagert werden die Einzelteile derzeit in Berlin, in Zukunft in einem Lager in Polen. Aus Kostengründen.

Kachun To gründete Mycs 2014 gemeinsam mit Christoph Jung, Mitte 2015 ging der Shop online. Die beiden hatten sich in ihrer gemeinsamen Zeit als Berater bei McKinsey kennengelernt. Jung gründete nach seiner Beraterzeit den Möbelshop Massivkonzept und verkaufte ihn vier Jahre später an Fab. To zog in Japan für Rocket den Zalando-Klon Locondo als Mitgründer hoch.

Bei der Seed-Finanzierung im September 2014 sammelte Mycs einen insgesamt siebenstelligen Betrag ein – unter anderem von eDarling-Gründer Lukas Brosseder und Robert Maier, Gründer von Ladenzeile. Im vergangenen November erhielt das Unternehmen außerdem eine Million Euro Fördergelder von der IBB.

Im zweiten Geschäftsquartal nach dem Start erzielte das Startup eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von einer Million Euro. Zum Vergleich: Laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfung Ernst & Young aus dem Jahr 2014 liegt der durchschnittliche Umsatz eines Startups pro Jahr bei 1,4 Millionen Euro. In den ersten sechs Monaten am Markt habe Mycs über 1.000 Kunden beliefert. „Der durchschnittliche Warenkorb-Wert lag bei rund 1.000 Euro,” lässt sich Geschäftsführer Jung zitieren. Schwarze Zahlen schreibe man noch nicht, damit haben die Gründer es aber auch nicht eilig. Sie sagen, Wachstum sei ihnen erstmal wichtiger als der schnelle Break-Even.

Bild: Mycs