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Das MyPension-Team um Marketing-Chef Dominik Evertz (zweiter vorne links) und CEO Roger Minderhout (zweiter vorne rechts)

Versicherungen leben von der Unsicherheit. Bei privaten Rentenversicherungen sind es die berechtigten Zweifel darüber, im Alter von der gesetzlichen Vorsorge gut leben zu können. In Zeiten von Mini-Zinsen versprechen Banken und Versicherungen ihren Kunden daher „Chancen“, wenn sie ihnen etwa „fondsgebundene Rentenversicherungen“ empfehlen. Das sind Sparpläne auf Fondsbasis, die auf lange Sicht vergleichsweise hohe Renditen bringen sollen. Und höhere Risiken inne haben.

Eine solche Rentenversicherung bietet seit Oktober auch das Frankfurter Insurtech-Startup MyPension an. Nutzer können hier ihre persönliche Rentenlücke ausrechnen, also bestimmen, wie viel Geld ihnen im Alter fehlen wird. Darauf aufbauend lassen sich monatliche Sparbeträge festlegen. MyPension wirbt bei der ausschließlich online verwalteten Anlage mit Renditen von rund sechs Prozent.

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Die Versicherten können beliebig hohe Beträge einzahlen – und sich diese bei Bedarf auszahlen lassen. In welche Fonds ihre Ersparnisse gelangen, darüber können sie allerdings nicht entscheiden: Zunächst investiert MyPension in sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), die vom US-Anbieter Vanguard verwaltet werden. Im Portfolio kommen so bis zu 3.000 Aktientitel verschiedener Branchen und Länder zusammen, wie Marketing-Chef Dominik Evertz angibt. ETFs folgen der Entwicklung des Marktes, indem sie Aktienindizes wie den DAX nachbilden. Durch den Versicherungsmantel, in den MyPension sein Produkt hüllt, bestehen gegenüber herkömmlichen ETF-Sparplänen Steuervorteile.

Einige Jahre vor Renteneintritt wird das Guthaben der Versicherten in festverzinsliche Wertpapiere umgeschichtet, heißt es vom Startup. Dieser Schritt soll die Ersparnisse vor Schwankungen am Aktienmarkt schützen. Wann genau die Umschichtung erfolgt, liegt nicht in der Hand des Kunden. Mit der vorausgesagten, keinesfalls garantierten Rendite von sechs Prozent geht vor allem ein kurzfristiges Risiko einher, das größer ist als beim Sparbuch: Ausschließen lässt sich ein Wertverlust der Ersparnisse nicht.

Die MyPension-Versicherung kostet zunächst 149 Euro. Hinzu kommt eine jährliche Kontoführungsgebühr von 36 Euro. Wer 30 Jahre lang spart, muss also zusätzlich etwa 1.100 Euro berappen. Außerdem werden jährlich 0,69 Prozent des eingezahlten Vermögens fällig. Der ehemalige Finanzberater Jürgen Nawatzki rechnet auf seinem Blog aus, dass die Kosten der MyPension-Rentenversicherung die Rendite bei einer Laufzeit von 30 Jahren und einem Sparbetrag von 200 Euro monatlich um 0,84 Prozent mindern – ein günstiger Preis im Vergleich zu traditionellen Versicherern.

Roger Minderhout, ehemaliger Goldman-Sachs-Banker, gründete MyPension im Juli 2016. Bislang finanziert Minderhout sein Unternehmen selbst. Da MyPension keine Versicherungslizenz besitzt, arbeitet das Startup mit der Göttinger MyLife Lebensversicherung zusammen. Auch das bereits 2014 gestartete Berliner Renten-Startup Fairr kooperiert mit der MyLife. Fairr hat Riester- und Rürup-Verträge im Angebot. Ebenfalls an einem eigenen Versicherungsprodukt, nämlich einer privaten Krankenversicherung, arbeitet das Münchner Insurtech-Startup Ottonova.

Bild: MyPension