Myspace, Facebook, Soundcloud, Tape.tv, soziales Netzwerk, Online-Community, Relaunch, Comeback

Erst die VZ-Netzwerke, dann Jappy und jetzt Myspace (www.myspace.com): Der Relaunch-Druck geht um. Mit dem Erfolg von Facebook geraten die einstigen Giganten unter Zugzwang. Für Myspace ist es nicht die erste Neuausrichtung. Schon 2008 und 2010 reagierte das soziale Musik-Netzwerk mit neuen Konzepten gegen die sinkenden Nutzerzahlen und den aussichtslosen Kampf gegen den Hauptkonkurrenten Facebook. Das neue, klarere Design der Seite soll sich an ein jüngeres Publikum richten und bietet neben den gewohnten Musikinhalten, Streams von Filmen und US-Serien, zahlreiche mobile Apps sowie die Integration anderer Social-Media-Kanäle.

Myspace: Vom Branchenprimus zum Außenseiter

Vor wenigen Jahren war Myspace DAS soziale Netzwerk, wollte man seine Lieblingsmusiker und -bands hören, sehen und kennenlernen. Millionen Künstler und Fans meldeten sich an, tauschten Musik, News und Konzerttermine aus. Dann kam Facebook und entwickelte  sich schnell zum mächtigen Social-Media-Konkurrenten. Die Möglichkeit bei Facebook neue Bekanntschaften zu machen, war bald nicht mehr nur auf Privatpersonen aus dem näheren Umfeld beschränkt, sondern weitete sich auf Berufskontakte, Institutionen und Künstler aus.

2008 hatte Zuckerbergs Milliarden-Projekt, zwei Jahre nach seiner Gründung, Myspace in der Mitgliederzahl überholt. Myspace versuchte sich krampfhaft abzugrenzen und rückte das kreative Schaffen seiner Künstleridentität  in den Vordergrund. CEO Mike Jones baute zudem das multimediale Image mit  Games und Videoinhalten weiter aus. Vergeblich, die Mitgliederzahlen sanken. Den Höhepunkt dieser negativen Phase erreichte Myspace am 24. Oktober 2010, als der Musiker und Blogger Andrew Dubber mit dem „Quit Myspace Day“ zum Löschen des Kontos aufforderte. Die Vernetzung von Musikern fand zu dem Zeitpunkt längst auf anderen Medienkanälen statt. Heute zählt Myspace nach letzten Angaben circa 63 Millionen Mitglieder, im Vergleich dazu hat Facebook 800 Millionen User.

Was Myspace jetzt anders macht

Mit dem Relaunch der Seite, der Ende Oktober und damit fast genau ein Jahr nach dem „Quit Myspace Day“ erfolgte, setzt Myspace auf eine junge Zielgruppe von 13 bis 35-jährigen Usern. Für die Verbreitung von Inhalten werden diese mit virtuellen Anstecknadeln, Badges, belohnt. Zudem kooperiert Myspace mit erfolgreichen Partnern. Die Streams der US-Serien liefert der beliebte US-Streaming-Dienst Hulu (www.hulu.com). Die Inhalte von MTV (www.mtv.com), der Los Angeles Times (www.latimes.com) und Acces Hollywood (www.accesshollywood.com) ergänzen das Angebot der neuen Seite.  Somit konzentriert sich Myspace nun vor allem auf seine Funktion als Entertainment-Plattform und präsentiert sich nicht mehr als Gegenpol, sondern als Ergänzung zu Facebook, Twitter (www.twitter.com) und Co. Das beweist auch die neue App SuperPost. Mit dieser ist es möglich den geposteten Myspace-Status zeitgleich auch bei  anderen sozialen Netzwerken zu aktualisieren. Weitere Apps sollen folgen.

Die Anfänge von Myspace

Myspace wurde 2003 von Thomas Anderson gegründet und entwickelte sich rasant zu einem globalen Unternehmen mit über 200 Millionen Mitgliedern.  Als Anderson die Online-Community 2005 an die News Corporation (www.newscorp.com), den Konzern des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch, für 580 Millionen US-Dollar verkaufte, veränderte sich der Fokus der Seite. Während Anderson mehr auf kleine unbekannte Künstler setzte, band Murdoch große multimediale Inhalte wie kommerzielle Filmprojekte in die Seite ein. Im August 2006 schloss Myspace eine Kooperation mit Google (www.google.de), die sowohl die Google-Suche als auch Google-AdSense in die Seite integrierte. Über 900 Millionen US-Dollar erhielt Myspace in der Zeit von 2007  bis 2010 für diesen Deal.

2011: Ein schwarzes Jahr mit roten Zahlen für Myspace und mit der Wende!?

In diesem Jahr erlebte Myspace weitere Tiefpunkte. Im Januar wurde bekannt, dass Myspace über 500 Mitarbeiter weltweit entlassen musste, der deutsche Standort wurde vollständig geschlossen. Die Mitgliederzahlen sanken um über 20 Millionen Nutzer auf 63 Millionen. Als  die VZ-Netzwerke  im März die Vermarktung von Myspace Deutschland übernahmen, sprach die Internetszene  hämisch von einem „Pakt der Verlierer“.  Im Juni trennte sich dann die News Corporation von der Online-Community. Die neue Besitzerin, die kalifornische Firma Specific Media (www.specificmedia.com),  zahlte laut US-Medien 35 Millionen US-Dollar und lag damit deutlich unter den Erwartungen, die sich auf 100 Millionen US-Dollar beliefen.

Der Relaunch der Seite, in der deutschen Version erst ab Mitte November verfügbar, ist vielleicht die letzte Chance für Myspace sich auf dem digitalen Musikmarkt, der gerade in den letzten Monaten mit den StartupSoundCloud  (www.soundcloud.com) und Tape.tv  (www.tape.tv) mehr Auftrieb bekommen hat,  zu behaupten. Ein weiteres Comeback wird es dann nicht mehr geben.