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Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind eine Diabetes Service Company mit Sitz im bezaubernden Wien und einer Tochtergesellschaft in San Francisco. Mit unseren Apps, dem mySugr Companion und mySugr Junior (www.mysugr.com) bieten wir mobile Health-Lösungen an, welche die Therapie von Diabetikern vereinfachen.

Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Unsere Vision ist es, die Diabetes-Therapie in etwas Positives zu verwandeln und den Alltag mit dem ungebetenen Begleiter Diabetes zu erleichtern.

Viel zu oft wird auf negative Motivation und Angstmacherei in der Behandlung gesetzt. Das führt dann zu einer allein negativen Sicht auf die Krankheit. Vielen von uns Diabetikern fehlt es einfach an Durchhaltevermögen, positivem Feedback und Motivation. Wir wollen mit unseren Produkten, dem mySugr Companion und dem mySugr Junior, dem entgegen wirken und Diabetikern etwas Spaß und Freude an der Therapie vermitteln.

Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Unser Gründerteam besteht aus vier Personen. Mir, Frank Westermann und Fredrik Debong (wir sind beide Diabetiker), sowie Gerald Stangl und Michael Forisch.

Ich war vor mySugr Leiter des Produktmanagements bei moreTV Broadcasting, Gerald war selbstständiger Communication Designer, Michael Projektleiter bei Skill3D und Fredrik hat neben seinem Studium Start-Europe, den Vorgänger von Pioneers.io aufgebaut.

Zur initialen Idee für mySugr kam es, weil ich mit meiner Diabetes-Einstellung nicht zufrieden war. Ich wusste, dass ich meine Einstellung verbessern kann, wenn ich mich irgendwie dazu motiviere die Therapiedaten aufzuschreiben. Denn ohne Daten fehlt einem die Grundlage zur Therapie-Optimierung.

Über Gerald, mit dem ich schon seit ein paar Jahren zusammen gearbeitet habe, habe ich Fredrik kennengelernt. Er ist nicht nur auch Diabetiker, sondern hatte auch die perfekte Lösung für die mangelnde Motivation: die Gamification der Therapie.

Michael kam als fehlendes Mosaiksteinchen zum Team und somit waren wir komplett.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist Euer USP und was macht Ihr anders als alle anderen?

Medizinischen Innovationen, wie neue Medikamente oder Operations- und Behandlungsmethoden wurden traditionell von Ärzten oder der Pharmaindustrie entwickelt und in den Markt eingeführt. Mobile Health ist die erste medizinische Innovation, die vom Patienten getrieben in den Markt kommt. Der Patient lädt sich selbst seine App runter, nutzt sie, geht mit den Daten zum Arzt und dreht somit die Innovationsschleife um.

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Unser Team besteht zum großen Teil selbst aus Diabetikern und damit genau den Menschen, die Mobile Health Anwendungen benutzen und die Innovation treiben. Als Nutzer und Diabetiker merkt man unseren Produkten an, dass sie selbst von Diabetikern entwickelt wurden. Wir haben einen eigenen Blick auf die Therapie und lassen diese persönlichen Erfahrungen stark in die Produktentwicklung einfließen.

Als eine der wenigen Apps nehmen wir außerdem die medizinisch-regulatorischen Anforderungen sehr ernst. Wir sind in Europa als Medizinprodukt der Risikoklasse 1 klassifiziert, in den USA bei der FDA registriert und als Unternehmen ISO13485 zertifiziert. Das ermöglicht es uns Therapiedaten zu interpretieren oder zum Beispiel in Zukunft direkt mit Blutzuckermessgeräten kommunizieren zu können.

Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Wir sind eine Diabetes Service Company und bauen unser Service-Portfolio permanent aus. Im Moment vermarkten wir als erstes Produkt die mySugr Companion App in einer gratis Version und einer Companion Pro Version für 39 Euro pro Jahr.

Darüber hinaus ermöglichen wir es Unternehmen unseren Usern die Nutzung der App zu sponsern. In Österreich ist das zum Beispiel Sanofi, mit denen wir die sogenannten Sanofi Health-Challenges ins Leben gerufen haben. Wenn unsere Nutzer die Sanofi Health Challenge gewinnen, bekommen sie von Sanofi die Nutzung des Companion Pro gesponsert.

Unser Potential ist leider erschreckend groß. Es gibt allein in Deutschland knapp sechs Millionen Diabetiker (weltweit 366 Millionen) und Untersuchungen zeigen, dass bis zu 20 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben in Deutschland für die Behandlung von Diabetes und Ihrer Folgeerkrankungen ausgegeben werden.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert Ihr Euch?

Wir finanzieren uns aus unseren Umsätzen und durch die Unterstützung unserer Investoren, dem Super-Angel Johann Hansmann und der Österreichischen Förderbank AWS.

Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Die Sache mit dem Büro hat sich bereits geklärt. Unsere Truppe ist in den letzten Monaten stark gewachsen und unsere Ecke im Co-Workingspace Sektor5, dem besten Wiener Startup Brutkasten, ist für uns mittlerweile viel zu klein geworden.

Im September ziehen wir daher mit unseren Freunden und Entwicklungspartnern von 9Yards in ein größeres Büro.

Was wir immer suchen sind motivierte, tech-savy Diabetiker (Typ1 oder Typ2), die Lust auf eine neue berufliche Herausforderung oder ein Praktikum haben.

Die Sache mit dem Geld ist für junge Unternehmen natürlich ein Dauerbrenner, auch wenn wir im Moment nicht aktiv nach neuem Geld suchen.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Es gibt ja irgendwie immer die üblichen Verdächtigen, aber nach zwei Jahren als Unternehmer muss ich sagen, dass ich jeden bewundere, der ein Unternehmen erfolgreich aufgebaut hat. Egal ob ein Internet Startup oder eine Pommesbuden-Kette. Es ist immer eine krasse Herausforderung.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Ich würde gerne noch einmal  Lars Hinrichs treffen, um Danke zu sagen. Vor knapp zwei Jahren haben wir auf dem Pioneers Festival gepitcht und den Startup-Challenge-Preis abgeräumt. Das war für uns so etwas wie die Initialzündung. Jedenfalls war Lars damals in der Jury und hat mir danach gesagt, dass er das Konzept genial findet. Gerade in der Anfangsphase war es wichtig, von einem so erfolgreichen Unternehmer solch eine Bestätigung zu bekommen.

Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

Wir haben im Moment 55.000 User von denen wir über 35.000 in den letzten beiden Monaten gewonnen haben. In den nächsten Monaten werden wir neue Apps und Services launchen und die Wachstumsraten hoffentlich weiter steigern. Mein Ziel ist es, in einem Jahr über 500.000 User zu haben.

Darüber hinaus wollen wir unser Wachstum in den USA verstärken. Wir haben vor vier Monaten unsere Tochtergesellschaft in San Francisco gegründet und haben die Apps dort im Juli sehr erfolgreich gelauncht. Die USA werden im nächsten Jahr sicherlich einer unser Wachstumsschwerpunkt.

Bild: mySugr