myswooop laden

In Bremen versucht sich MySwooop an einer neuen Art von An- und Verkauf

Bei den Worten „An- und Verkauf“ kommen einem Bilder von verstaubten Läden in den Kopf, die in versteckten Seitenstraßen das Geschirr von Großmutter verkaufen. Ganz anders will MySwooop sein. Die Läden von Gründer Jan-Lucca Sielski erinnern eher an eine schicke Boutique. Die Ankaufspreise ermittelt ein Algorithmus und neben den Offlineläden gibt es einen Onlineshop.

Sielski ist 26 Jahre alt und gründete MySwooop 2011 gemeinsam mit Benjamin und Simon Gabriel. Er studierte an der Gründer-Uni WHU und machte 2014 seinen Abschluss. Danach arbeitete er einige Monate parallel zu MySwooop für Rocket Internet und kümmerte sich primär um die Geschäftsentwicklung des Liefer-Startups Foodpanda.

Jan-Lucca, An- und Verkauf, das ist normalerweise der kleine Laden um die Ecke. Was macht ihr anders?

Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht, wir wollen den An- und Verkauf salonfähig machen. Das ganze sollte eine Erfahrung sein, als wäre man in einem schicken Online-Markt. Wir setzen daher auf weniger Produkte und mehr Struktur. Der Kunde soll in den Laden kommen und uns als Kette, als großes Unternehmen wahrnehmen.

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Wie fing alles an?

2011 habe ich gemeinsam mit meinen beiden Partnern das erste stationäre Ladengeschäft in Bremen-Nord eröffnet und parallel eine Online-Plattform gestartet. Wir dachten, dass es einen großen Bedarf dafür gibt, Gebrauchtes schnell und unkompliziert zu verkaufen.

2014 habt ihr euch mit dem Großhandelsunternehmen Melchers zusammengeschlossen. Was hat sich seitdem verändert?

Als wir zu Melchers gekommen sind, waren wir sechs Leute. Jetzt sind wir fast 50. Wir haben zwei weitere Ladengeschäfte eröffnet und konnten unseren Umsatz deutlich steigern. 2014 hatten wir einen sechsstelligen Umsatz, 2015 sind wir in den Millionenbereich gekommen und dieses Jahr haben wir den Umsatz verdoppelt.

Warum habt ihr nicht direkt eine Online-Plattform gestartet? Das ist deutlich leichter als ein stationäres Geschäft.

Grundsätzlich ja, aber die Notwendigkeit haben wir im stationären Handel gesehen. Man kann online natürlich bereits zum Festpreis Produkte verkaufen, aber stationär geht es noch schneller.

Euren Kunden ist der Aufwand zu groß, ihre Produkte bei Ebay und Amazon selbst einzustellen?

Genau, bei unseren Kunden steht der Aufwand im Vordergrund. Er kommt in den Store, trinkt einen Kaffee, während wir seine Produkte analysieren und er im Anschluss Bargeld ausgezahlt bekommt.

Ihr verkauft die Produkte in euren Läden und über eure Webseite. Welche Kanäle bedient ihr noch?

Wir verkaufen auch über Ebay und Amazon. Und wir haben einen großen B2B-Bereich aufgebaut, mit dem wir Retouren und B-Waren von Firmenkunden verkaufen. Der Bereich wird immer größer. Vielleicht gliedern wir ihn in Zukunft aus. Wir fokussieren uns aber auf den An- und Verkauf und wollen besonders online stärker werden.

Funktioniert der Online-Handel bei euch anders als der stationäre?

Wir haben unser Angebot online gerade auf Verbraucherelektronik wie Smartphones,Tablets, Laptops oder Konsolen beschränkt. Damit generieren wir den meisten Umsatz. Bei anderen, oftmals größeren Artikeln wie etwa Werkzeugen oder großen Hi-Fi-Anlagen, kann man häufig schwieriger einen validen Verkaufswert ermitteln. Das ist im Laden mit einem Mitarbeiter leichter.

Ihr setzt bei der Preissetzung auf eine Preisbewertungssoftware. Was genau ist das?

Das ist unser Algorithmus, der in Echtzeit verschiedene Datenquellen aus dem Internet auswertet und dadurch unsere Ankaufspreise definiert. Damit können wir online und auch in unseren Läden automatisiert den Preis nennen, den wir auszahlen. Unseren Kunden bieten wir gebrauchte Produkte dadurch mit Preisersparnissen von bis zu 70 Prozent gegenüber dem Neupreis an.

Bilder: MySwooop