Man using tablet pc and looking astonished.

Ein Beitrag von Isabella von Hobe, Branding-Spezialistin beim Webdesign-Netzwerk ACB.

Amazon, eBay, Tesa, Ford, Microsoft und YouTube – diese Markennamen kennt man. Was haben sie gemeinsam? Sie folgen alle einem bestimmten Muster, um die Namen möglichst einprägsam und zugleich nachvollziehbar und stimmig mit dem Produkt zu gestalten.

Anhand der genannten Beispiele lassen sich die verschiedenen Muster gut darstellen:

  • Wörter kombinieren: YouTube
    Meistens steht die Kombination aus zwei Hauptwörtern sinnbildhaft für das Projekt (WordPress). Aber auch frei zusammengesetzte Kombinationen sind denkbar (Firefox).
  • Basisnamen: Amazon
    Ein alltägliches Wort wird zum Firmennamen. Die Domainsuche als auch die Suchmaschinenoptimierung kann mit einem Basisnamen jedoch schwer fallen.
  • Wörter verschachteln: Microsoft
    Hier handelt es sich auch um eine Wortkombination, allerdings wurde mindestens ein Begriff gekürzt. Aus den beiden überlappenden Begriffen ist ein neues Wort entstanden. Besonders bei Blogs ist diese Strategie beliebt.
  • Verkürzungen: eBay
    Hier findet eine Spielerei mit den Buchstaben statt. Einer wird geändert, einer kommt dazu oder wird weggelassen.
  • Wortneuschöpfungen: Tesa
    Ein Kunstname wie Tesa haftet im Gedächtnis, auch wenn er an sich keine Bedeutung hat.
  • Personennamen: Ford
    Henry Ford gründete die Autofabrik in Detroit Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Nutzen des eigenen Namens mag zunächst unkreativ wirken. Ist es aber nicht, wenn man auf die eigene Person als einen Mittelpunkt der eigenen Marke hinweisen möchte.

Tipps für einen durchdachten Namen:

Selbstfindung

Diese Fragen sollten beantwortet und festgehalten werden:

  • Was ist das Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens?
  • Welchen Nutzen hat der Kunde konkret vom Produkt?
  • Sollen Emotionen geweckt werden und wenn ja, welche?
  • Welche Vision verfolgt das Unternehmen?

Brainstorming

Welche Worte beschreiben das Startup oder das Produkt? Für das Brainstorming kann etwa Online-Tools wie Mindmeister genutzt werden, weitere Tools findet Ihr am Ende des Artikels. Es sollten alle Begriffe festgehalten werden, die die Fragen aus dem ersten Schritt auf den Punkt bringen.

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Ein Brainstorming findet besser in der Gruppe als alleine statt. Jeder Impuls kann dafür gewinnbringend sein. Zum Schluss sollte die Auswahl eingegrenzt und eine Liste mit Favoriten festgehalten werden.

Verfügbarkeit prüfen

Nun folgen zwei Verfügbarkeitschecks: Ist der Name noch als Domain verfügbar? Bei einem Doman-Anbieter ist diese Information abrufbar. Und: Ist der Name schon als Marke angemeldet? Hilfreich ist es in jedem Fall auch, die Namensideen zu googlen.

Langfristige Ziele mitdenken

Wenn das Unternehmen perspektivisch wachsen wird, eignet sich unter Umständen ein Phantasiename, der inhaltlich nicht zu sehr eingrenzt. Soll das Produkt auch auf den ausländischen Markt kommen? Dann könnte ein englischer Name von Anfang an Mittel der Wahl sein.

Überprüfen der Favoriten

Diese Aspekte sollten geprüft werden:

  • Ist der Name einzigartig? Oder ähnelt er dem eines Mitbewerbers?
  • Hat der Name wirklich Bezug zur Marke und zum Produkt?
  • Ist der Name ausdrucksstark, macht neugierig und wirkt für die Zielgruppe anziehend?
  • Versteht man den Namen auch, wenn man kein Fachwissen besitzt?
  • Ist der Name einprägsam und nicht zu lang?
  • Ist der Name minimalistisch und hört sich gut an, wenn er ausgesprochen wird?

Feedback einholen

Die engere Auswahl sollte unbedingt auch von Unbeteiligten begutachtet werden. Hierfür sind diese Fragen hilfreich:

  • Was sind die ersten Assoziationen, die der Name weckt?
  • Wie wird der Name verstanden? Kommen dabei Missverständnisse auf?

Unter Umständen kann es auch Sinn ergeben, eine Online-Umfrage zu organisieren.

Ruhen lassen

Wenn nun der absolute Favorit feststeht, sollte man einige Nächte darüber schlafen. Wenn er nach mehreren Gesprächen und zeitlichem Abstand dem Team weiterhin gefällt, ist der Name gut gewählt. Nun muss nur noch die Domain registriert werden und der Name kann genutzt werden.

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Wichtig ist: Man sollte sich nicht unter Druck setzen. Den Namen des Startups wird man anschließend wahrscheinlich tausende Male aussprechen und schreiben – er sollte daher mit Bedacht gewählt werden. Allerdings darf man auch nicht in die Falle tappen, sich durch die Namensfindung zu sehr aufhalten zu lassen und das Projekt monatelang zu verschieben – hier helfen klare Ziele und Zeitpläne.

Der Startup-Name soll Produkt und Vision kommunizieren und für andere griffig sein. Aber auch einem selbst soll er in fünf Jahren noch gefallen und zu den langfristigen Unternehmenszielen passen.

Diese Tools helfen beim Kombinieren und Weiterdenken der im Brainstorming gefundenen Begriffe:

Namerobot

Ein sehr umfangreiches Tool, das in voller Nutzung kostenpflichtig ist (ab 29 Dollar pro Woche). Es führt den User in Einzelschritten und mithilfe kreativer Ideen durch den Prozess.

Nameboy.com

Der Nameboy wird mit Schlagwörtern gefüttert und erstellt selbstständig Wortkombination aus zwei Worten. Gleichzeitig zeigt er an, welche Domains für die Ergebnisse noch verfügbar sind.

Visuwords

Eine bildliche Darstellung von Wortkombinationen. Es dient der Inspiration und ist leider nur auf Englisch verfügbar.

AnswerThePublic

Das Tool gibt relevante Google-Suchanfragen zu den Vorgabewörten heraus. Es besticht durch eine schicke Oberfläche und dient der Analyse von Sparteninteresse.

Tineye

Eine Bildersuchmaschine, die Bilder mit einer vorher eingestellten Farbkombination herausgibt. Sie ist dann sinnvoll, wenn das Corporate Design schon steht, aber der Name und das Logo beispielsweise noch nicht.

Wordoid

Bei diesem Tool wird ein Basisbegriff eingegeben, worauf dann ein Neologismus generiert wird.

The Name Inspector

The Name Inspector bietet allgemeine und umfassende Informationen rund um das Thema Markennamen.

Bild: Gettyimages/Guido Mieth