Brachte sich mit 14 das Programmieren selbst bei: Airbnb-Mitgründer und -CTO Nathan Blecharczyk

Airbnb ist ein Superlativ, und das gleich mehrfach. Die letzte Bewertung der Unterkünfte-Plattform lag bei 25,5 Milliarden Dollar, insgesamt 2,4 Milliarden Dollar an Funding sind bereits in das Unternehmen geflossen – von Investoren wie Sequoia Capital, Andreessen Horowitz oder Tiger Global. Umsatzzahlen nennt Airbnb nicht, das Wall Street Journal spekuliert, es sollen über 900 Millionen Dollar im Jahr 2015 gewesen sein.

80 Millionen Gäste haben die Plattform bislang benutzt. Weil die Gastgeber ihre Wohnungen mit Fremden teilen – etwas, das es vor Airbnb in dieser Form nicht gab. 2,2 Milliarden Dollar sollen ihre Buchungen im vergangenen Jahr wert gewesen sein, Tendenz steigend. Für viele sind „Airbnbs“ – mehr als zwei Millionen Listings gibt es auf der Plattform, 75.000 davon in Deutschland – als Reiseunterkünfte nicht mehr wegzudenken.

Allerdings wurde Airbnb nicht in jeder Stadt willkommen geheißen. Anders als zum Beispiel Hamburg wehrte sich Berlin gegen die Plattform und ihre deutschen Pendants wie Wimdu oder 9flats. Grund: Wohnungsnotstand – und die Vermutung, dass viele Berliner leerstehende Wohnungen lieber regelmäßig über Airbnb Touristen zur Verfügung stellen, als sie langfristig zu vermieten. Ab dem 1. Mai soll das nur noch mit Lizenz möglich sein, Verstöße werden mit bis zu 100.000 Euro geahndet – und Nachbarn sollen auch noch Airbnb-Anbieter ohne Erlaubnis verpetzen.

Im Interview verrät Airbnb-Mitgründer Nathan Blecharczyk, wie alles anfing, wie das Unternehmen mit Zweifeln am Geschäftsmodell umgeht und wie er den hektischen Alltag eines Gründers in den Griff bekommt.

Nate, Du hast Airbnb als CTO mitgegründet. Wie bist Du zum Techie geworden?

Mein Vater war Elektroingenieur. Als ich eines Tages mal krank zuhause war, habe ich eines seiner Bücher aus dem Regal genommen. Das hat mein Interesse am Programmieren geweckt. Es begann als Hobby, ich habe mir alles selbst beigebracht und alles online gepostet. Mit 14 habe ich dann einen Anruf bekommen von jemandem, der meine Sachen im Internet gesehen hatte und mir 1.000 Dollar geben wollte, wenn ich ihm etwas programmiere. Als ich das meinem Vater erzählt habe, hat er erst mal schräg geguckt. 

Hast Du es trotzdem gemacht?

Ja, ich wollte das unbedingt, und wenn es nur für den Spaß gewesen wäre. Am Ende hat er den Betrag dann aber auch bezahlt. Und er hat mich anderen vorgestellt, die ähnliche Aufträge zu vergeben hatten. Während der Highschool habe ich weiter programmiert und fast eine Million Dollar damit gemacht. Wichtiger als das Geld war aber die Selbstsicherheit als Entrepreneur, die das in mir erzeugt hat – zu wissen, dass man sich neue Sachen beibringen und daraus ein Geschäft machen kann. Es war schon prägend, das alles mit 20 schon erlebt zu haben.

Geht Dein Lebenslauf so ungewöhnlich weiter?

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College, Universität (Harvard, Anm. der Red.), Job bei einem sehr stabilen Unternehmen – danach wurde es erst mal ziemlich normal. Nach ein paar Monaten habe ich dann aber gekündigt und bin an die Westküste gezogen, um Startup-Luft zu schnuppern. Da habe ich zunächst einmal alles gelernt, was man nicht machen sollte. Es hat alles nicht so funktioniert, wie die Gründer sich das vorgestellt hatten. Und wie ich mir das vorgestellt hatte. Aber das war eine unglaublich wertvolle Lektion, aus Fehlern zu lernen.

Wie bist Du dann letztlich zum Tech-Gründer geworden?

Als ich an die Westküste zog, brauchte ich eine Wohnung. Also habe ich mich auf Craigslist umgesehen und so meinen späteren Mitgründer Joe Gebbia kennengelernt, wir wurden dann Mitbewohner. Brian Chesky traf ich über Joe. Als im Sommer 2007 die Miete für die Wohnung heftig angehoben wurde, zog ich aus. Joe und Brian wollten bleiben, hatten aber kein Geld, weil sie keinen festen Job hatten. Da kam ihnen die Idee: Man könnte das frei gewordene Zimmer ja kurzfristig untervermieten. Und weil während einer wichtigen Design-Konferenz alle Hotels ausgebucht waren, übernachteten drei Designer in der Wohnung – das brachte ihnen 1.000 Dollar.

Das war dann wohl der Startschuss für Airbnb.

Basierend auf dieser einzigen Erfahrung haben wir drei uns ein paar Monate zusammengesetzt und beschlossen, das auch für andere Menschen möglich zu machen: Eine Übernachtung in einer Wohnung zu finden sollte so einfach sein wie ein Hotelzimmer zu buchen. Anfang 2008 wuchsen wir dann zu einem richtigen Team zusammen.

Jetzt, acht Jahre später, ist Airbnb eine der größten Startup-Erfolgsgeschichten des Silicon Valley. Was sind die wichtigsten persönlichen Erfahrungen aus dieser Zeit?

Zum ersten, wie wichtig es ist, als Team zusammenzuhalten. Das erste Jahr war sehr stressig. Kein VC wollte uns Geld geben und wir hatten ja alle keine Jobs mehr, also auch kein Einkommen. Und San Francisco ist echt teuer. Das schlug schon sehr aufs Gemüt. Wir hatten alle möglichen Sachen am Laufen und ich bin sogar kurzfristig nach Boston zurückgezogen. Es hat nicht viel gefehlt und das Team wäre auseinandergefallen.

Ende 2008 haben wir dann beschlossen, dass wir noch einmal 110 Prozent geben zu wollen, bevor wir aufgeben können. Zum Glück wurden wir in den Y Combinator aufgenommen und in den elf Wochen des Programms wollten wir noch mal richtig ranklotzen. Wenn wir dann immer noch kein zufriedenstellendes Ergebnis schaffen würden, hätten wir ruhigen Gewissens aufgeben können. Das war eine unglaublich wichtige Entscheidung.

Gegenwind in Berlin und zwei gute Gründer-Tipps – hier geht’s zum zweiten Teil des Interviews…

Und zum zweiten?

Rauszugehen und unsere Community persönlich zu treffen: Wir sind nach New York geflogen und haben mit einer professionellen Kamera selbst Fotos von den Wohnungen geschossen. Wir haben alle Gastgeber getroffen und ihnen das Airbnb-Konzept erklärt – auch, wie man die Webseite und den Dienst benutzt. Wir haben Feedback eingesammelt, ihnen geholfen, die Preise zu setzen und die Beschreibungen zu formulieren. Am Ende hatten wir 40 wirklich gute Unterkünfte in New York. Danach ging es mit dem Business endlich bergauf. Und es hat letztendlich auch dazu geführt, dass Sequoia Capital investiert hat.

Hattet Ihr auch einmal Zweifel, ob das Airbnb-Modell überhaupt funktionieren kann?

2011 gab es große Fragezeichen hinsichtlich des Vertrauens in das Geschäftsmodell. Zum ersten Mal hatte es einen großen Zwischenfall gegeben, wo ein Apartment komplett demoliert wurde. Das war kurz nach unserer nächsten Finanzierungsrunde und Airbnb hatte eine Milliardenbewertung. Das heißt: Wir standen sehr im Rampenlicht. Und wir mussten uns eine Menge sehr skeptischer Fragen stellen lassen. Für uns war das ein echter Moment der Wahrheit und wir mussten zeigen, dass unsere Vertrauens- und Sicherheitsmechanismen gut genug würden, solche Vorfälle zukünftig zu verhindern. Wir mussten aus einer Schwäche eine Kernkompetenz machen.       WEITERLESEN…

Bild: Airbnb

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