Navvis

Das NavVis-Gründerteam: Robert Huitl, Sebastian Hilsenbeck, Georg Schroth und Felix Reinshagen (von links)

Das Münchner Startup NavVis bietet eine Art Google Street View für Innenräume und beschäftigt in Deutschland 85 Mitarbeiter. Jetzt eröffnet das 2013 gegründete Unternehmen seine erste ausländische Niederlassung: in New York. US-Chef wird der ehemalige Facebook-Mitarbeiter und Harvard-Absolvent Evan McPhee. „Wir haben nach jemanden mit einem breit angelegten Profil gesucht, der auch einen naturwissenschaftlichen Background mitbringt“, sagt Mitgründer Felix Reinshagen zu Gründerszene. McPhee hat angewandte Mathematik studiert.

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Evan McPhee leitet fortan das US-amerikanische Büro.

Zu Beginn werden sich drei Mitarbeiter um den Service und Vertrieb in den USA kümmern, bis Ende des Jahres sollen es fünf bis zehn Angestellte werden, heißt es.

„Wir haben gemerkt, dass für amerikanische Kunden eine persönliche Präsenz wichtig ist“, führt Reinshagen als Grund an. Ein Drittel des Umsatzes werde neben Europa und Asien in den USA erwirtschaftet. Details zur Umsatzhöhe möchte er jedoch nicht verraten. Nur so viel: Seit 2015 sollen die Umsätze jeden Monat um etwa 20 Prozent gestiegen sein.

Seit vergangenem Jahr ist der Google-Developer Don Dodge als Business Angel bei NavVis mit an Bord. VC Target Partners hatte sich darüber hinaus mit 7,5 Millionen Euro an dem Münchner Unternehmen beteiligt. „Wir brauchen aktuell nicht unbedingt eine weitere Finanzierungsrunde“, sagt Reinshagen. Erst im kommenden Jahr werde unter Umständen über eine weitere Runde nachgedacht.

Weltweit sollen 75 Kunden NavVis nutzen, darunter Siemens, die Allianz und der Flughafen München, sagt Reinshagen. Aktiv sei das Startup bereits in 17 Ländern – Europa, China, USA, Saudi-Arabien und Dubai gehören dazu.

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So sieht die App-Navigationshilfe durch die Uni aus.

Zur Orientierung in Gebäuden

Um sich in der Stadt zurecht zu finden, ist Google Maps und Street View oft die beste Wahl. Doch sobald man den Fuß ins Krankenhaus, ein Unigebäude oder eine Flughafenhalle setzt, war es das mit der Navigationshilfe. NavVis digitalisiert darum die Räumlichkeiten mithilfe eines Kamera- und Sensorenturms. Der sogenannten Trolley wird dafür durch das Interieur geschoben und nimmt ein 3D-Scanning vor, woraus beispielsweise Online-Rundgänge erstellt werden.

Ein Anwendungsfall: Ein Student der TU München kann sich mit der NavVis-App und über die Smartphone-Kamera durch die Uni navigieren lassen. Wie bei Pokemon Go sieht er die gesamte Umgebung, doch statt der Monster befinden sich Pfeile auf dem Boden, die den Weg zum gesuchten Hörsaal anzeigen. Das funktioniert auch ohne Bluetooth oder WLAN. Die App vergleicht dazu das Kartenmaterial mit den Kameradaten.

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Auch Messe-Rundgänge seien in Planung, so der Gründer. In New York sollen nun berühmte Bauwerke, darunter ganze Wolkenkratzer, kartografiert werden. Auch Industriekunden nutzten die Kartografie, etwa zur Risiko- oder Reinigungseinschätzung von Büroflächen, so Reinshagen.

Über die Kosten pro Scan und die anschließende Datenverarbeitung möchte sich Reinshagen nicht konkret äußern. Dies hänge stark von der Fläche und der gewünschten Datenverarbeitung ab. Zur Kartografierung wird der Trolley verkauft oder verliehen. In Asien arbeite man viel mit Dienstleistern zusammen, die den Kameraturm an Kunden verleihen.

In Deutschland hat NavVis bisher keinen direkten Wettbewerber, der standortbezogene Dienste in Innenräumen von der Hardware bis zur Datenverarbeitung abdeckt. Lediglich Google hat eine vergleichbare Indoor-Kartierungssoftware zu bieten.

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Bild: NavVis