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Nestpick-Gründer und -Geschäftsführer Fabian Dudek

Das Geschäft von Nestpick läuft alles andere als gut. Erst vergangene Woche berichtete Gründerszene über die chaotischen Zustände bei Rockets Wohnungsportal: Es zeigte sich das Bild eines überforderten Managements, das sein Startup mit zweifelhaften Methoden groß machen wollte – und dabei viele Fehler beging.

Nun wird klar: Die Lage des Unternehmens ist noch schwieriger als bislang bekannt. Nestpick soll kürzlich weitere Mitarbeiter entlassen haben. Das erfuhr Gründerszene aus mehreren unabhängigen Quellen. Nur noch um die 20 Mitarbeiter seien übrig, heißt es von den Insidern.

Seit fast einem Jahr durchläuft das Startup nun eine massive Schrumpfkur – zu Hochzeiten hatten noch mehr als 140 Mitarbeiter für das Wohnungsportal gearbeitet. Bei einer Entlassungswelle im Juni 2015 wurde das Team erstmals halbiert. Im Februar gab Nestpick dann an, noch etwa 50 Angestellte zu beschäftigen. Seitdem sollen bis zu 30 weitere Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben.

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Im Zuge der Kürzungen sollen auch wichtige Führungskräfte gegangen sein. Gerade vom teilweise neu besetzten Management-Team hatte sich Nestpick-Gründer Fabian Dudek kürzlich noch mehr Ruhe im Unternehmen erhofft, wie er gegenüber Gründerszene im Februar erklärte. Beispielsweise habe die neue CMO Tass Gunthelaka das Startup aber nach nur etwa drei Monaten wieder verlassen, berichtet ein Insider.

Auch das Wohnungsangebot von Nestpick soll weiter reduziert worden sein. Wie aus Unterlagen hervorgeht, die Gründerszene vorliegen, fokussiert sich Nestpick jetzt ausschließlich auf den Berliner Markt, alle ausländischen Städte verschwinden aus dem Angebot. Anfang März entfernte das Wohnungsportal, das Vermieter und Mieter zusammenbringen will, bereits 30 von seinen 35 von seiner Webseite und bot nur noch Wohnungen in den fünf Metropolen London, Rotterdam, Barcelona, Paris und Berlin an.

Ein Produkt, das zum Markt passt – nach 1,5 Jahren

In den internen Unterlagen heißt es weiter, dass man sich nun darauf konzentrieren wolle, einen Product-Market-Fit zu erreichen – etwas, was man bereits in den ersten Monaten nach der Gründung hätte tun sollen, schreiben die Geschäftsführer Fabian Dudek und Patricia Moubarak in einer Nachricht an ihre Mitarbeiter.

Auf Nachfrage von Gründerszene äußert sich Nestpick nicht zu den neuen Entwicklungen. Auch die Investoren – Rocket Internet, Mangrove, Enern und Target Global – schweigen zu dem unbequemen Thema, Anfragen von Gründerszene blieben unbeantwortet. Von Insidern heißt es, die Investoren seien unglücklich mit dem Business. Erst vor einem halben Jahr hatten die Geldgeber mehr als elf Millionen Euro in das Startup gesteckt.

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Der Druck auf die Rocket-Ventures ist immens: Sie müssen Wachstum zeigen, um jeden Preis. Am Fall von Nestpick wird deutlich, was das mit einem Startup machen kann.

Aus dem Unternehmensumfeld von Nestpick heißt es, das Startup habe durchaus noch genügend Kapital, um auch ohne neues Funding einige Zeit durchzuhalten. Wohl um weiteres Geld zu sparen, soll die Firma nun von der schicken Adresse auf der Berliner Straße Unter den Linden in ein kleineres Büro ziehen.

Ist dies ein Neuanfang für Nestpick, eine Chance? Mit Berlin hat das Startup in jedem Fall einen rechtlich problematischen Markt gewählt. Umsätze macht die Firma maßgeblich über eine Servicegebühr, die Mieter an Nestpick für die Wohnungsvermittlung zahlen. Diese widerspricht laut Expertenmeinung allerdings einem neuen Gesetz – dem Bestellerprinzip. Demnach muss derjenige den Makler zahlen, der ihn beauftragt – im Fall von Nestpick vermutlich also der Vermieter, der seine Wohnung online stellt und über Nestpick Mieter sucht. Ein von Gründerszene befragter Immobilienrechtsanwalt hält die Gebühr entsprechend für „illegal“ und „zum Scheitern verurteilt“.

Bild: Nestpick