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Der neue Nestpick-Geschäftsführer Ömer Kücükdere

Nestpick ist zurück: Das Rocket-Venture präsentiert sich seit einigen Tagen mit neuem Geschäftsmodell, Logo und Auftritt. Überraschend ist an dem überdachten Konzept allerdings wenig: Nestpick ist jetzt eine Suchmaschine für Wohnungsanzeigen. Dabei sammelt das Startup die Inserate verschiedener Anbieter und aggregiert sie auf seiner Webseite.

Ursprünglich wollte das Unternehmen, das Ende 2014 von Rocket Internet mehrheitlich übernommen wurde, Mieter und Vermieter auf seiner Plattform zusammenbringen. Gerade Studenten und Expats sollte es leicht gemacht werden, eine Wohnung in einer Großstadt aus dem Ausland heraus mieten zu können, ganz ohne Besichtigung. Nestpick wollte die Wohnungen für die Mieter prüfen, doch das funktionierte nicht immer. Das Startup wuchs zu schnell, es gab große Qualitätsprobleme mit dem Service. Das ging so weit, dass die Gründer ausscheiden mussten.

Wie Gründer Fabian Dudek in einem späteren Medium-Post schreibt, habe er nicht genug Zeit darauf verwendet, zu prüfen, ob die Werte und die Vision seines Startups zu denen des Investors Rocket Internet passen würden. „Die Antwort auf beides war ein klares Nein.“

Mit den Kautionen im Rückstand

Nach seinem Abgang gingen die Probleme allerdings weiter: Nestpick geriet in monatelangen Zahlungsrückstand und leitete von Mietern gezahlte Kautionen in Höhe von Tausenden Euro nicht fristgerecht an die Vermieter weiter. Das Unternehmen war für die Betroffenen lange Zeit kaum erreichbar. Diese Schwierigkeiten sollen nun behoben sein, heißt es von Rocket Internet. Alle offenen Zahlungen seien geleistet worden, die Kautionen seien nun nicht mehr Teil des neuen Geschäfts.

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Nestpick hatte unter hohem Druck gestanden, einen neuen Weg zu finden, um Geld zu verdienen – denn laut Expertenmeinung war das bisherige Geschäftsmodell illegal. Das Startup hatte für die Vermittlung der Wohnungen Geld von den Mietern genommen. Seit dem Sommer 2015 ist das allerdings verboten.

Alle Hoffnung wird nun also auf das neue Modell gesetzt. Doch kann das erfolgreich sein? Nestpick will daran verdienen, dass es Nutzer auf Portale mit Wohnungsanzeigen weiterleitet und dafür Geld von den Portalen erhält. Die Beträge aber, die für solche Leads fließen, sind gering. Hohen Umsatz kann das Startup also nur über eine Masse an Traffic erzielen. Das muss sich das Unternehmen erst einmal erarbeiten.

Als Aggregator tritt das Startup jetzt auch in Konkurrenz zu großen Anzeigenportalen wie Immobilienscout24, Immonet oder WG-Gesucht.de. Nestpick selbst ist dabei noch klein: Das Startup hatte über das vergangene halbe Jahr im Schnitt monatlich etwa 41.600 Visits, Immobilienscout mehr als 30 Millionen. Das zeigt eine Schätzung von SimilarWeb.

Nicht alle Investoren glauben an den Erfolg des Startups

Auf die Nachfrage, welchen Mehrwert das Startup gegenüber Angeboten wie Immobilienscout haben soll, heißt es von Rocket: „Der Fokus liegt ganz klar auf möblierten Wohnungen, Zielgruppe sind Expats und Studenten.“ Der neue Geschäftsführer Ömer Kücükdere habe selbst bei seinem Umzug nach Berlin im August 2016 erlebt, wie schwierig die Suche insbesondere nach möblierten Wohnungen sei. Nestpick ist derzeit mit 17 europäischen Städten online und hat nach eigenen Angaben 40.000 Anzeigen für Wohnungen und möblierte Zimmer gelistet.

Nicht nur der harte Wettbewerb ist eine Herausforderung für das Startup. Ein weiteres Problem ist, dass mittlerweile nicht mehr alle Investoren an Nestpick glauben. Der VC Mangrove war im vergangenen November in einer 13-Millionen-Dollar-Runde bei Nestpick eingestiegen. CEO Mark Tluszcz sagte nun vor Kurzem, er bereue es, sich mit Rocket Internet eingelassen zu haben. Das Überleben von Nestpick sei alles andere als gesichert. „An dem Tag des Investments freust du dich darüber“, so Tluszcz. „Aber innerhalb eines Jahres fragst du dich, was du dir dabei gedacht hast.“

Es kommt äußerst selten vor, dass sich Gesellschafter öffentlich negativ über eine Beteiligung äußern. Rocket Internet will Tluszczs Äußerungen auf Nachfrage nicht kommentieren. Nur so viel: „Die Entscheidung für das neue Geschäftsmodell wurde von allen Investoren gemeinsam getroffen.“

Rocket schreibt 8,5 Millionen auf Nestpick ab

Doch auch Rocket selbst musste eingestehen, dass Nestpick längst nicht mehr so wertvoll ist wie einst erhofft. Im ersten Halbjahr 2016 schrieb Rocket 8,5 Millionen Euro auf den Wert des Unternehmens ab. Das beeinflusste gemeinsam mit einigen weiteren Abschreibungen das Ergebnis der Holding negativ, wie der Börsenprospekt zeigt.

Nach der Millionenrunde im November 2015 hielt Rocket 70 Prozent an Nestpick. Damals bewertete die Firmenfabrik ihren Anteil mit rund zehn Millionen Euro.

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Dass der Nestpick-Pivot ein großer Wurf werden kann, muss der neue Geschäftsführer nun beweisen. Rocket Internet käme das sicherlich gelegen. Bisher agierte die Firmenfabrik auf dem Wohnungsmarkt glücklos: Der mit 90 Millionen Dollar finanzierte Airbnb-Klon Wimdu trennte sich zuletzt von zahlreichen Mitarbeitern, bevor er mit dem Konkurrenten 9flats fusionierte. Und das Makler-Startup Vendomo wurde in diesem Jahr kurz nach dem Start wieder eingestellt.

Zumindest Gründer Fabian Dudek scheint das Nestpick-Abenteuer nun hinter sich gelassen zu haben. Nach Gründerszene-Informationen arbeitet er bereits an einigen neuen Ideen – zum Beispiel einem besseren LinkedIn, aus welchem Nutzer mehr Wert aus ihren Verbindungen ziehen sollen können. Es werde etwas Neues geben, sagt er auf Nachfrage, mehr möchte er allerdings noch nicht verraten. Die Investoren wird er dieses Mal sicherlich vorsichtiger auswählen.

Bild: Nestpick