Schaufenster für Berlin

Mit der großen Politik und den kleinen, innovativen Firmen ist das so eine Sache. Insbesondere Berlins Politiker wissen, dass es eine Menge Potential in der Stadt gibt. Aber man kommt offenbar noch nicht so richtig miteinander ins Geschäft. Cornelia Yzer, Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, will das unbedingt ändern. Ein kleiner Baustein ihrer Bemühungen ist die neue Internetplattform berlin-innovation.de. Sie soll eine Art Online-Showroom für innovative Firmen in der Haupstadt werden und Politik und innovative Wirtschaft enger miteinander verzahnen.

In Berlin werden im Jahr städtische Aufträge im Wert von vier bis fünf Milliarden Euro vergeben. Oft ist das billigste Angebot für die verantwortlichen Vergabestellen auch das beste Angebot. Nur selten trauen sich die verantwortlichen Beamten, neue, junge und innovative Firmen für Hauptstadt-Projekte ins Boot zu holen. Das soll sich jetzt ändern. Firmen können sich auf der neuen Website präsentieren. Kostenlos. Nicht nur der Öffentlichkeit, sondern gerade auch den Vergabestellen, die sie dann bei der Erteilung von Aufträgen berücksichtigen sollen. Yzer: „Der Faktor Innovation muss in Zukunft in Berlin viel stärker berücksichtigt werden.“

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Die Firmen müssen sich selbstständig für die Registrierung auf der neuen Plattform anmelden. Eine Jury der Technologiestiftung Berlin wird dann überprüfen, ob Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen den Ansprüchen gerecht werden. Entscheidend für die Aufnahme ist, ob die Firmen einen Berlin-Bezug haben und ob es sich bei ihrem Angebot tatsächlich um eine Innovation handelt. Wie Letzteres bemessen werden soll, wird nicht verraten.

Am Starttag finden sich 20 Unternehmen auf der Website. Das ist noch sehr überschaubar. Die Angebote reichen von energieeffizienter Beleuchtung über Softwarelösungen für die Verwaltung großer Wohnungsbestände bis zu intelligentem Fuhrparkmanagement. Es sollen möglichst schnell mehr werden. Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung, die die Website initiiert und entwickelt hat: „Berlin weiß oft gar nicht, was es alles weiß. Dabei kann die Stadt für ihre weitere Modernisierung auf exzellente Lösungen aus der Stadt zurückgreifen. Die neue Website soll einen Überblick über das Wissen der Stadt geben.“

Für die Beamten in den Vergabestellen, die über den Einsatz der Milliarden entscheiden, kann diese neue Website tatsächlich eine wertvolle Hilfe sein. Sie gibt ihnen die nötige Sicherheit und das Vertrauen, auch mal neue, junge Unternehmen für städtische Projekte einzusetzen. Und nicht immer nur die auf den ersten Blick günstigsten Angebote zu berücksichtigen. Die billigste Lösung ist leider nur in den seltensten Fällen auch die wirtschaftlichste und klügste Lösung. Außerdem können sie sich die Beamten nicht in allen Spezialgebieten auskennen. Für die Öffentlichkeit kommt berlin-innovation.de eher etwas statisch und bürokratisch daher. Eine elegante Visitenkarte für die Referenzstadt Berlin ist sie noch nicht.

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Immerhin: Der Aufbau des Internetangebots hat nur ein paar Wochen gedauert. Die meisten staatlichen Projekte brauchen deutlich länger. Und Yzer und Zimmer sprechen von einer „Betaversion“, die sich noch entwickeln soll. Das muss sie auch. Die Chancen dafür stehen allerdings gut. Denn jedes zweite Berliner Unternehmen plant laut Senat, noch in diesem Jahr eine Innovation auf den Markt zu bringen. Hoffentlich erzählt ihnen jemand von dieser neuen Technologieplattform. Es könnte sich durchaus lohnen. Für die Stadt – und für die innovativen Unternehmen.

Bild: berlin-innovation.de (Screenshot)