Börse Frankfurt

Zu wenige Börsenkandidaten?

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte ihn genau so gefordert wie sein Amtsvorgänger Philipp Rösler (FDP). In der Startup-Szene hatte er viel Anklang gefunden – wenn auch nicht bei allen. Und doch soll der neue „Neue Markt“ so bald nicht Realität werden. Wie das Wall Street Journal zuerst schrieb, hat die Deutsche Börse dem Vorhaben eine Absage erteilt.

Stattdessen arbeite man an einer „vorbörslichen“ Internet-Plattform zum Austausch von Startups und Investoren, sagte der zuständige Börsenvorstand Andreas Preuß heute. Diese „richtet sich primär an Investoren und Unternehmen und soll als internetbasierte Informations- und Platzierungsplattform mit ,online-‚ und ,offline-Komponenten‘ eine für Investoren sichtbare IPO-Pipeline aufbauen“, heißt es in einem Redemanuskript, das Gründerszene vorliegt. Der Start der neuen Plattform wird für das zweite Quartal 2015 in Aussicht gestellt.

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Beim Frankfurter Handelsplatzbetreiber ist man offenbar der Meinung, die Schaffung eines neuen Börsensegments allein löse das bestehende Finanzierungsproblem nicht. Diesem zugrunde liege eine strukturelle Schwäche: Es gebe zu wenige institutionelle Investoren, die sich auf das Hightech-Segment fokussierten.

„Die Finanzierungssituation deutscher Wachstumsunternehmen lässt sich in fünf Worten zusammenfassen: Es gibt zu wenig Wagniskapital“, so Preuß. Und weiter: „Es fehlt an Kapital in der späteren Wachstumsphase, gerade dann, wenn Unternehmen für ein schnelles Wachstum einen größeren Kapitalbedarf haben – und der beginnt bereits in einer Größenordnung ab 20 Millionen Euro. Dadurch besteht die Gefahr, dass nach einer erfolgreichen Gründung die weitere Unternehmensentwicklung nicht angemessen unterstützt wird.“

Die Austausch-Plattform für Gründer und Investoren ist also ein Testballon, um das wirkliche Interesse an einem „Neuen Markt 2.0“ auszuloten. Wie Gründerszene von einem Insider erfuhr, sei man bei der Börse vor allem noch nicht überzeugt, ob auch wirklich eine kritische Masse an Startups tatsächlich den Gang an die Börse wagen wird.

Bild: © panthermedia.net / Juergen Schonnop