Ab dem 1. Januar 2015 sind insbesondere elektronische Leistungen an Privatkunden im EU-Ausland nicht mehr in Deutschland, sondern im Land des Kunden zu besteuern. Von dieser Regelung betroffen sind alle elektronischen Dienstleistungen wie z. B.

  • Bereitstellung von Websites, Webhosting, Fernwartung von Programmen und Ausrüstungen;
  • Bereitstellung von Software (u. a. Apps) und deren Aktualisierung;
  • Bereitstellung von Bildern, Texten und Informationen sowie Bereitstellung von Datenbanken;
  • Bereitstellung von Musik, Filmen und Spielen, einschließlich Glücksspielen und Lotterien sowie von Sendungen und Veranstaltungen aus den Bereichen Politik, Kultur, Kunst, Sport, Wissenschaft und Unterhaltung;
  • Erbringung von Fernunterrichtsleistungen.

Daneben gelten diese Neuregelungen auch für Telekommunikationsdienstleistungen sowie Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen.

Durch die Neuregelungen im Umsatzsteuerrecht zum 1. Januar 2015 kann sich im Extremfall eine Verpflichtung zur umsatzsteuerlichen Registrierung allen EU-Mitgliedstaaten ergeben. Da jedoch gleichzeitig mit dieser Neuregelung der sogenannte „Mini-One-Stop-Shop“ bzw. die „kleine einzige Anlaufstelle“ eingeführt wird, haben alle inländischen Unternehmer die Möglichkeit, die betreffenden Umsätze über das Bundeszentralamt für Steuern in Deutschland zu erklären. Hierdurch erübrigt sich eine umsatzsteuerliche Registrierung im EU-Ausland, sofern die Unternehmer keine vom Anwendungsbereich der Mini-One-Stop-Shop-Regelung ausgenommenen Umsätze ausführen (z. B. Versandhandelsumsätze etc.). Die Anmeldung zur Teilnahme am Mini-One-Stop-Shop-Verfahren kann dabei schon seit dem 1. Oktober 2014 erfolgen. Im Falle der Teilnahme hat der Unternehmer seine hierfür abzugebenden Umsatzsteuererklärungen bis zum 20. Tag nach Ablauf des jeweiligen Besteuerungszeitraumes an das Bundeszentralamt für Steuern zu übermitteln. Besteuerungszeitraum ist das Quartal, so dass am 20. April, 20. Juli, 20. Oktober und 20. Januar Meldungen einzureichen sind. Die entsprechenden Umsatzsteuerzahlungen (auch die ausländische Umsatzsteuer) sind an das Bundeszentralamt für Steuern ebenfalls zu diesen Terminen zu leisten.

Erfüllt der teilnehmende Unternehmer die sich aus der Mini-One-Stop-Shop-Regelung ergebenden Pflichten wiederholt nicht oder nicht rechtzeitig, so hat das Bundeszentralamt für Steuern die Möglichkeit, ihn aus diesem Verfahren auszuschließen. In diesem Fall lebt die Pflicht des Unternehmers, sich im Ausland für Umsatzsteuerzwecke registrieren lassen zu müssen, wieder auf.

Den betroffenen Unternehmen wird daher empfohlen, noch in den verbleibenden drei Monaten des Jahres 2014 Maßnahmen zu ergreifen, um sich auf das Inkrafttreten der Neuregelungen zum 1. Januar 2015 vorzubereiten. Neben den oben aufgezeigten Pflichten besteht u. a. jedoch auch die Notwendigkeit, bestimmte Dokumentationen zum Nachweis der Ansässigkeit der Kunden im Ausland bereitzuhalten, die ausländischen Mehrwertsteuersätze im Buchhaltungsprogramm einzupflegen, Rechnungslayouts anzupassen sowie ggf. aufgrund der unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze Preisanpassungen vorzunehmen.

Für weitere Informationen steht Ihnen Herr Beuche von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft via E-Mail oder telefonisch unter (030) 2068-4490 gern zur Verfügung.

 

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