Bueroklammer

Noch schnell ein paar Büroklammern einkaufen. Es wird alles noch bürokratischer.

Politiker treten oft und gerne bei Startup-Konferenzen auf oder lassen sich mit Gründern ablichten. Ist halt gut für das Image. Man will sich vom jungen, kreativen Image eine Scheibe abschneiden. In Berlin gehört es inzwischen zum guten Ton, dass die Startup-Szene der Stadt vom Senat gehegt und gehätschelt wird. Gerne wird dabei der Abbau der bürokratischen Hürden für junge Unternehmen versprochen. Doch in der Realität sieht es meistens ganz anders aus.

Etwas undurchsichtig

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Zum Beispiel so: Gestern hat sich die große Koalition in Berlin nach heftigen Debatten auf ein Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern geeinigt. Unternehmen ab 200 Beschäftigten sollen künftig verpflichtet werden, „einen individuellen Rechtsanspruch für Arbeitnehmer auf Informationen über ungerechte Bezahlung einzuführen“, hieß es etwas undurchsichtig. Und weiter: Unternehmen ab 500 Beschäftigten sollen verpflichtet werden, „Verfahren zur Herstellung der Entgeltgleichheit einzuführen und darüber auch zu berichten“.

Das neue Gesetz wird rund 4.000 Unternehmen in Deutschland mit insgesamt 6,6 Millionen Beschäftigten betreffen. Darunter auch Startups, die inzwischen über die magische Marke von 200 Mitarbeitern gewachsen sind. Betriebe, die der Tarifbindung unterliegen, sollen von dem Anspruch auf individuelle Auskunft entbunden werden. Doch Tarifbindung kommt bei Startups eher selten vor.

Gut gedacht

Jetzt kann man sich aussuchen, ob man dieses Gesetz für seinen fairen Gedanken loben möchte oder es eher als neues Bürokratiemonster sieht. Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt immer noch rund 20 Prozent weniger als Männer. Das ist ein Skandal und es gibt viel zu tun. Ob so ein Gesetz wirklich ein Schritt zur Lösung sein kann, ist allerdings fraglich. Es wird natürlich Schlupflöcher geben und wer soll eigentlich die Zahlen prüfen? Eine digitale Verwaltung haben wir ja leider nicht in Deutschland.

Am Ende wird sich das Problem der ungleichen Bezahlung nur durch einen Bewusstseinswandel lösen lassen. Die Höhe des Einkommens muss von der Leistung oder Verantwortung abhängen, die ein Mitarbeiter leistet oder übernimmt. Nicht von seinem Geschlecht. Denn was wird eigentlich aus den vielen Frauen, die in kleineren Betrieben arbeiten?

Gegen die Startupkultur

Für größere Startups kommen jetzt weitere bürokratische Hürden dazu. Es wird noch schwerer in Deutschland, agil, flexibel und schnell ein Geschäft richtig groß zu machen. Klar, Politik ist immer auch Abwägung. In diesem Fall hat man sich trotz der vielen anderslautenden Bekundungen gegen die Startup- und Gründerkultur entschieden.

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