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München, Oktoberfest. Zum Glück ist es erst Mittag, als ich mich mit Bux-Gründer Nick Bortot treffe. Der hält, wie ich, trotzdem schon eine Maß in der Hand. Viel ist nicht mehr drin. Mit der freien Hand greift Bortot gleich nach dem iPhone. „Kennst Du Bux schon?“ Kenne ich, wir haben auf Gründerszene ja auch schon ein paar Mal darüber berichtet. Die Wall Street auf dem Smartphone will Bux sein. Virtuell oder auch ganz real kann man hier auf die Entwicklung von Aktienkursen wetten.

Seit dem Start hierzulande vor knapp einem Jahr ist viel passiert, erzählt Bortot. Mehr als 140.000 registrierte Nutzer habe die App heute in Deutschland und Österreich. Insgesamt seien es rund 680.000. Die Zahl der Nutzer, die mit echtem Geld handeln, liege bei 40.000.

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Wir haben noch nicht genug Bier intus, um in die Vollen zu gehen, und beschließen, virtuelle 100 Euro zu investieren. „Lass uns mal darauf wetten, dass Daimler-Aktien fallen“, sagt Bortot – Tesla mache den Autobauern bestimmt zu schaffen, glaubt er. In der App ist das Geschäft mit wenigen Taps erledigt. Weil Bortot während seines Flugs aus Amsterdam nicht mit dem Service bei Easyjet einverstanden war, setzt er auch auf sinkende Kurse bei der Airline.

Prosit, wir stoßen erst mal mit gewichtigen Oktoberfest-Maßen auf unser Investment an. „Münchener Trader sind übrigens die schlechtesten in ganz Deutschland“, verrät Bortot. Und das, wo in der Bayerischen Hauptstadt doch bekanntlich das alte Geld sitzt. Dass ihre Pendants aus der neuen deutschen Bankenhauptstadt Frankfurt währenddessen die meisten Gewinne erzielen, ist kaum verwunderlich. Danach kommen übrigens die Bux-Anleger in Augsburg und Leipzig.

Kleiner Zwischencheck: Die Maß wird immer leerer. Unser Konto auch, zum Glück geht das aber nicht so schnell. Minus 0,99 Prozent, verrät uns die App. Wir haben uns verschätzt, zumindest bei der kurzfristigen Kursentwicklung. Offenbar ist Tesla doch nicht so gewichtig, wie Bortot angenommen hatte. Es mag auch daran liegen, dass wir uns die Charts, die die App bequem zur Verfügung stellt, nicht mit dem notwendigen Ernst angesehen haben. Besser sieht es bei Bortots Easyjet-Wette aus. Und er bereut ein wenig, dass er nicht mit echtem Geld „gespielt“ habe.

IMG_2383Auf Bux könne man so einige interessante Dinge feststellen, sagt der Gründer. Zum Beispiel, dass Deutsche Trader auf der Plattform generell die risikofreudigsten sind. Die Wetten auf Aktienkurse sind dabei absolute Männerdomäne: „90 Prozent unserer Nutzer sind männlich“, sagt Bortot. Millennials, hier aber vor allem die weiblichen, sehen es sportlich und handeln gerne mit Adidas. Männer aus der „Baby-Boomer“-Generation glauben weiter an die „alte“ Finanzwirtschaft und handeln am liebsten mit Aktien deutscher Banken und Versicherer. Baby-Boomer-Frauen traden währenddessen am liebsten mit deutschen Automarken.

Offenbar auch mit Daimler, denn während die Aktie leicht steigt, geht unsere Wette auf fallende Kurse nicht auf. Etwas später schickt mir Bortot einen Screenshot aus der App. Minus 1,38 Prozent. Na ja, das ist zu verkraften. Bei Easyjet lag Bortot richtig: fast zehn Prozent Plus brachte der gefallene Kurs der Airline-Aktie. Im Festzelt wird währenddessen immer offensichtlicher, dass wir am besten auf steigende Bier-Kurse gesetzt hätten.

Artikelbild: Alex Hofmann / Gründerszene; Screenshot / Bux