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Book-A-Tiger-Gründer Nikita Fahrenholz

Viele Zeichen sprachen dafür, dass das Berliner Putz-Startup Book A Tiger erst vor kurzem eine hohe Finanzierungsrunde abgeschlossen haben musste. Wie Gründerszene berichtete, haben sich neue Investoren an dem Unternehmen beteiligt. Nun bestätigt Gründer Nikita Fahrenholz, dass Book A Tiger erneut mehrere Millionen erhalten und seine gesamte Kapitalausstattung auf 20 Millionen Euro erhöht hat.

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In der neuen Runde haben QD Ventures, das auch an Marley Spoon beteiligt ist, und ein Private-Equity-Fonds investiert. Höhere Summen kamen außerdem von den Altinvestoren Target Global und DN Capital.

Zusätzlich hat das Startup der früheren Lieferheld-Macher Fahrenholz und Claude Ritter einen Mediadeal über zehn Millionen Euro mit German Media Pool abgeschlossen, um sein Geschäft zu bewerben. Im Gründerszene-Interview spricht Nikita Fahrenholz über die aktuelle Runde und erklärt, dass sein Startup bald profitabel werden soll.

Nikita, was bedeutet die neue Finanzierungsrunde für euch?

Wir haben nun genug Geld, um profitabel zu werden und planen, dass es in den nächsten zehn bis zwölf Monaten soweit ist. Die Runde ist nicht ganz abgeschlossen: Ein letzter Deal ist noch nicht final. Das Geld daraus möchten wir für die Expansion in einen neuen Markt im zweiten Quartal dieses Jahres nutzen. Bisher sind wir in vier Ländern aktiv – in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden.

Damit würdet ihr etwa dreieinhalb Jahre nach der Gründung die Gewinnschwelle erreichen. Das ist für die Startup-Welt schnell.

Wir haben immer eine schnelle Profitabilität angestrebt und das kurze Zeit nach unserem Start schon in einem Gründerszene-Interview angekündigt. Unsere Unit Economics sind heute hochprofitabel. Nachdem wir vergangenes Jahr unser Unternehmen umgestellt haben, hat sich die Wiederkehrrate der Kunden um das 2,5-Fache gesteigert. Unsere Neukunden kehren fast zu 100 Prozent zu uns zurück. So eine Rate habe ich noch nie bei einem Startup gesehen.

Die Umstellung war, dass Book A Tiger 2016 all seine Putzkräfte fest angestellt hat. 500 Mitarbeiter sind so dazugekommen. Wie hat sich das Unternehmen dadurch verändert?

Wir mussten alle Bereiche verändern, unsere Personalabteilung zum Beispiel. Nun können wir unsere Putzkräfte auch schulen. Insgesamt sind wir eine ganz andere Art Firma mit mehr als 600 Mitarbeitern und einer deutlich größeren Bilanz geworden. Der gesamte Prozess hat etwa acht Monate gedauert und bei der Umstrukturierung haben wir viel gelernt.

Was waren die Herausforderungen?

Vor allem die Auslastung aller Mitarbeiter. Sind sie nicht ausgelastet, bekommt man Probleme mit der Marge. Also haben wir unseren Algorithmus umprogrammiert, um das Problem zu lösen und alle effizient einzuteilen. Außerdem haben wir unseren Fokus in den letzten anderthalb Jahren sehr auf das B2B-Geschäft, also auf die Dienstleistung für kleine und mittelständische Unternehmen, gelegt. Dort sind wir massiv gewachsen und haben 2016 mehr als 500 Geschäftskunden akquiriert.

Warum habt ihr den Fokus verschoben?

Der Geschäftskundenmarkt ist viel größer als der der privaten Kunden. 20 Milliarden Euro Umsatz werden dort jährlich generiert. Das Umsatzpotential pro Kunde ist höher und der Markt ist leichter zu bedienen. Ein Büro wird nicht krank oder fährt in den Urlaub (lacht). In den vergangenen 14 Monaten haben wir in dem Bereich monatlich 30 Prozent Umsatzwachstum verzeichnet.

Wie beurteilst du heute eure Positionierung gegenüber dem Hauptkonkurrenten Helpling von Rocket Internet?

Wir entfernen uns immer weiter voneinander. Seit anderthalb Jahren arbeiten wir stark an unserem B2B-Bereich, Helpling setzt nach wie vor auf Privatkunden und hat auch seine Reinigungskräfte nicht fest angestellt. Wir haben mittlerweile eine Plattform entwickelt, die beim Gebäudemanagement helfen soll. Darüber können die Verwalter dieser Gebäude in Echtzeit verfolgen, welche Kosten für welche Leistungen anfallen. Und die Services wie eben die Reinigung können sie über die Plattform buchen. Wir haben auch bereits einige Catering- und Getränkeanbieter gelistet. Klienten können mit der Plattform besser planen als mit Stift und Papier. Insgesamt ist der Bereich noch sehr wenig digitalisiert und da sehen wir unsere Chance.

Danke für das Gespräch, Nikita.

Bild: Book A Tiger