Niuws: Handverlesen

Das Internet. Unendliche Weiten. Wir stoßen inzwischen täglich in Informationsmengen vor, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Wer soll das alles lesen? Und wer soll das alles aufnehmen? Es ist natürlich ein großes Missverständnis, dass alles, was veröffentlicht wird, auch konsumiert werden muss. Nur, wer sorgt dafür, dass uns die wirklich relevanten Informationen erreichen?

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Facebook oder Twitter zum Beispiel. Wer seine Freunde oder Follower mit Bedacht wählt, kann sich später an einem hochrelevanten, personalisierten Stream erfreuen. Doch das macht natürlich Arbeit. Der ehemalige Leiter Digitale Medien der Schweizer Tageszeitung NZZ, Peter Hogenkamp, will uns jetzt mit der App Niuws diese Filter-Arbeit abnehmen: „Niuws soll ein bisschen sein wie Twitter ohne das nervige Drumherum.“ Einen wunderschönen Firmensitz hat sich das Projekt auch ausgesucht: Lugano in der Schweiz.

15 Experten kuratieren das Netz, wählen Nachrichten, Analysen und Diskussionsbeiträge für ihr spezielles Themengebiet aus. Dabei hilft ihnen ein schlauer Algorithmus, der sich bereits in der ebenfalls von Hogenkamp verantworteten App Newscron bewährt hat. Das sind zum Beispiel Inhaltsschwerpunkte wie „Zukunft der Arbeit“, „Netzwirtschaft“ oder „Business Gadgets“. Diesen Themen kann man in der App folgen und verpasst somit keine wichtige Information mehr, die sich irgendwo in den Weiten des Netzes heruzmtreibt. So jedenfalls das Versprechen der Macher. Bezahlt werden die Kuratoren allerdings nicht.

Im Ressort „Medienwandel“ finden sich zum Beispiel Links zu Artikeln der Branchenwebsite Meedia, zur FAZ oder der Welt. Angezeigt werden lediglich die Überschrift, der Anfang des Artikels und ein kleines Foto. Nach dem Klick wird die Originalquelle innerhalb der App angezeigt. Geld soll mit Werbekanälen verdient werden.

CEO Hogenkamp sagt über seine App: „Ich hatte mein Leben lang immer das Gefühl, dass andere Leute über die meisten Dinge besser Bescheid wissen als ich. Mit Niuws kann ich ihnen quasi über die Schulter schauen, woher sie dieses Wissen nehmen.“ Das Kuratieren und Aggegieren von Informationen und Artikeln aus dem Internet ist zweifellos ein Trend in der Medienbranche. Bleibt zu hoffen, dass am Ende auch noch genügend originäre Quellen übrig bleiben, wenn ganz viele Journalisten anfangen, bereits bestehendes Material zu aggegrieren, sichten und sortieren.

Die App gibt es für iOS und Android.

Foto: Screenshot niuws/Website