NSA Silicon Valley

Die größte Gefahr für das Silicon Valley? Die NSA.

Wir verlassen uns tagtäglich auf Gmail und Facebook, auf die Ortungsdienste unserer Smartphones, auf viele unterschiedliche Cloud-Dienste. Sie bringen uns Komfort, den wir immer häufiger auf Weisen nutzen, die wir uns vor wenigen Jahren noch nicht vorstellen konnten.

Viele der Dienste sind in den USA beheimatet, das Silicon Valley darf sich zurecht als Geburtsstätte vieler der Innovationen sehen – oder zumindest wurden dort Wege gefunden, sie massentauglich vermarktbar zu machen. In den vergangenen Monaten hat sich allerdings eine Gefahr auf den Plan gebracht, die sich in diesem Ausmaß ebenfalls kaum einer hätte träumen lassen: die Abhörprogramme des US-Geheimdienstes NSA.

Die könnten langfristig dem Silicon Valley massiv schaden, argumentiert nun Michael Dearing, ein US-amerikanischer VC. Das Valley lebe zum großen Teil von der Sympathie der Nutzer: „We’ll build a bunch of things. Try our work; keep what you love, dump what you don’t love. We’ll learn from it and build on the stuff that you like best.“ Das sei das Versprechen.

Wie viel wussten die Anbieter – und wer spielte mit?

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Der „Patriotismus der NSA“ höhle die Tech-Szene an der US-amerikanischen Westküste aus, weil er „der Integrität der Produkte, der kreativen Freiheit talentierter Menschen und dem Vertrauen der Nutzer“ schade. Letztere weichen dann, so steht es deutlich zwischen den Zeilen, auf die Produkte internationaler Anbieter aus – die nicht dem Generalverdacht der Kollaboration mit dem „Feind“ unterliegen.

Zwar weiß niemand genau, wie viele Unternehmen es zugelassen haben, dass NSA-Hintertüren in Produkte eingebaut wurden. Dass es passiert ist, darf aber als gesichert angenommen werden. Hinzu kommt das, was die NSA selbst abgehört und entschlüsselt hat. Da hilft es dem Image der US-Tech-Branche nur wenig, wenn Apple etwa die NSA als „bösartige Hacker“ bezeichnet. Oder wenn die US-Regierung empfehle – wie Dearing in seinem Blogeintrag hervorhebt – dass die US-Regierung keinesfalls gemeinhin verfügbare kommerzielle Software zerrütten, unterminieren, schwächen oder verwundbar machen solle. So stand es in einem Report von Obamas Review Group on Intelligence vor wenigen Wochen geschrieben. „Es ist für mich unglaublich, dass so etwas überhaupt gesagt werden muss“, schreibt der VC.

Chance für deutsche Startups?

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Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich auch, dass internationale Unternehmen sogar Vorteile aus der NSA-Affäre schöpfen könnten. Mit Telegram etwa hat gerade ein Messenger-Dienst 200.000 US-Dollar für den Hacker ausgelobt, der das Sicherheits-System des Anbieters knacken kann – natürlich auch vor dem Hintergrund des damit einhergehenden Marketing-Effekts. Das Hannover Startup Tutanota will Mails vor der NSA sicher verschlüsseln. Licobo aus Mannheim bietet ein nach eigenen Angaben auch vor den US-Geheimdiensten sicheres Online-Adressbuch an. Die Liste geht weiter.

Sicherheit – insbesondere vor den US-Geheimdiensten – aber auch eine versicherte und glaubhafte Unabhängigkeit von den Einflüssen der lokalen Behörden könnte für internationale Startup-Hotspots schnell zum Alleinstellungsmerkmal werden. Und für die Anbieter zum Verkaufsargument.

Ob die Programme der „Patrioten der NSA“ für das Silicon Valley wirklich tötlich sind, wie Dearing es in seinem Blogeintrag schreibt, sei einmal dahingestellt. Auch der Messaging-Dienst Whatsapp hat sich bereits mehrfach Datenschutz-Bedenken gegenüber gesehen, sichtbaren Schaden hat er nicht daran getragen. Wenig einwenden lässt sich derweil gegen sein Fazit: Die Aktionen der NSA seien aus Tech-Sicht „100% inakzeptabel“.

Bild: © panthermedia.net Robert Bauer-Faro