Fördermittel-öffentlich-Startups

Ein Beitrag von Ruth Cremer, CEO der EUworx UG, die sich auf die Beantragung öffentlicher Fördermittel für Startups spezialisiert hat.

Ein Dschungel von Fördermitteln

Gelder aus öffentlichen Fördertöpfen erscheinen den meisten Startups zunächst sehr attraktiv, besonders, wenn es sich um Zuschüsse handelt. Diese Gelder muss das Unternehmen nämlich weder zurückzahlen, noch müssen Unternehmensanteile dafür abgegeben werden.

Doch begibt man sich auf die Suche, merkt man schnell, dass sich ein wahrer Dschungel auftut, ganz zu schweigen von den oft umständlichen Antragsverfahren und Zulassungsbeschränkungen, die Startups kategorisch ausschließen.

Viele geben an dieser Stelle den Versuch fast schon wieder auf, denn die entsprechenden Internetseiten sind oft unübersichtlich und machen den Erfolg nicht gerade leicht. Dabei gibt es auch für Startups Möglichkeiten, in den Genuss öffentlicher Fördermittel zu kommen, auch wenn längst nicht alle Fördertöpfe geeignet sind.

EU-Gelder, nationale Töpfe oder regionale Mittel?

Die Europäische Kommission hat sich mit dem neuen Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020 die Förderung von kleinen und mittelständischen Unternehmen noch einmal stärker auf die Fahne geschrieben. Ein vor allem Startups immer wieder angepriesener Fördertopf ist das SME-Instrument, das jedoch nicht speziell für Startups konzipiert wurde, sondern „nur“ Startups als Bewerber akzeptiert. Die Bürokratie und der Aufwand, hier einen Antrag einzureichen, sind im Vergleich zu vielen anderen Fördertöpfen sehr überschaubar, auch wenn viele Berater, die kostenpflichtige Workshops füllen wollen, natürlich das Gegenteil behaupten.

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Allerdings ist die Förderquote aufgrund des enormen Ansturms bisher recht gering ausgefallen (von 2667 Anträgen wurden nur 155 gefördert). Eine Alternative könnte auch die Teilnahme an einem Konsortialprojekt sein, im Allgemeinen Horizont 2020 oder einem anderen Programm (zum Beispiel Creative Europe, Erasmus+). Hier arbeiten und forschen mehrere Firmen im Verbund und meist muss nur die koordinierende Firma genaueren finanziellen Prüfungen standhalten.

Eine Fülle von Programmen bieten auch deutsche Förderprojekte, beispielsweise des Bundesforschungsministeriums oder des Bundeswirtschaftsministeriums. Ein erster Anlaufpunkt kann auch die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sein. Doch Vorsicht: Manche Daten sind nicht besonders aktuell. Klingt ein Programm von der groben Beschreibung her gut, sollte man möglichst schnell den entsprechenden Links folgen, um mehr Informationen zu bekommen. Ein guter Rat ist in jedem Fall die schnelle telefonische Kontaktaufnahme zur entsprechenden Stelle, um abzuklären, ob Startups überhaupt teilnahmeberechtigt sind.

Schließlich gibt es noch zahlreiche Programme auf regionaler Ebene, oft co-finanziert durch EU-Mittel (zum Beispiel ESF und EFRE). Allerdings sind diese für Startups oft eher ungeeignet, da die jeweiligen Projekte meist vorfinanziert werden müssen und die Förderquote oft nur bei zirka 50 Prozent liegt. Auch hier gilt: Ein Anruf erspart langwieriges Wühlen in den Ausschreibungsdokumenten.

Kaum hat man den passenden Topf gefunden, tauchen die nächsten Probleme auf. Was muss beachtet werden, um einen formal richtigen Antrag einzureichen? Wie geht man am besten an die Erstellung des Antragstextes heran?

Die Passung steht am Anfang

Die erste Frage, die man sich stellen sollte, ist die, ob die Ausschreibung wirklich zu dem Projekt und der eigenen Firma passt. In den allermeisten Fällen kann man nur Förderungen für ein Projekt beantragen, das noch nicht begonnen worden ist. Gelder zur Anfangsfinanzierung einer Firma oder deren Wachstum sind eher die Ausnahme (und oft eher Kredite).

Der Ausschreibungstext kann weiterhin eine Vielzahl von Bedingungen an den Antragsteller enthalten: Manchmal gibt es bestimmte Kriterien für den Antragsteller (im SME-Instrument sind zum Beispiel nur kleine und mittlere Unternehmen nach EU-Definition zugelassen, keine Vereine oder ähnliche Institutionen), manchmal Vorschriften, wie Ergebnisse dargestellt werden müssen, etwa in einer Live-Demonstration, und vieles mehr.

Daher gilt: Auch wenn es ein wenig Zeit kostet, sollte man sich immer zuerst den kompletten Text der Ausschreibung aufmerksam durchlesen und die dort aufgeführten Ziele des Programms und die Voraussetzungen mit den eigenen abgleichen.

Die Antragserstellung und ihre Tücken

Auch die Anforderungen an einen entsprechenden Antrag sind immer unterschiedlich: Manchmal muss ein ganzer Berg von Dokumenten beigebracht werden, manchmal füllt man nur ein paar Formulare online aus und lädt ein Dokument hoch. Hier sollte man sich beim Durcharbeiten der Ausschreibung eine Checkliste machen, was alles getan werden muss, denn auch Kleinigkeiten können schlussendlich über den Erfolg und die sogar die formale Zulassung entscheiden.

Auch das Schreiben des Antragstextes ist keineswegs einfach: Oft gibt es ein Seitenlimit. Zehn Seiten können sehr knapp werden, wenn man die Idee anschaulich präsentieren, die Marktsituation und die daraus entstehenden Chancen verdeutlichen und das Business Model skizzieren muss. Bewerter mögen grundsätzlich keine unnötig langen Texte, auch wenn man mehr Platz hat. Daher muss auf den Punkt formuliert und Grafiken extrem effizient verwendet werden.

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Eine gute Struktur ist das A und O. Denn auch wenn ein Template eine grobe Struktur vorgibt, lässt sie sich meist nicht einfach „abarbeiten“. Oft erscheinen viele Punkte redundant und man muss genau abgrenzen, welche Aspekte man in welchem Bereich verarbeitet, um zwar die inhaltlich vorgegebenen Punkte ausreichend zu adressieren, aber auch Wiederholungen zu vermeiden und das eventuelle Seitenlimit nicht zu überschreiten. Generell gilt: Immer mit mehreren an einem Antrag arbeiten, zumindest aber die Struktur und die einzelnen Inhalte gemeinsam besprechen.

Den fertigen Antrag sollte man auf jeden Fall noch einmal durchlesen, um sicherzugehen, dass dies immer noch das Projekt ist, das man tatsächlich durchführen will. Denn ist der Vertrag mit dem Fördermittelgeber erst einmal unterschrieben, ist man auch verpflichtet, die im Antrag versprochen Arbeiten auszuführen und die Dokumentation dafür zu erbringen.

Oft hilft es auch, den kompletten Antragstext am Ende einer Person vorzulegen, die nicht in die Projektentwicklung und Antragserstellung involviert war und Feedback dazu geben kann, ob ein Außenstehender die Projektidee und die Argumentation im Antrag überhaupt versteht.

Fazit

Egal ob im Alleingang oder mit einem Berater: Man sollte sich immer genau überlegen, was man machen will und sichergehen, dass die eigenen Vorstellungen auch wirklich zu denen des Fördermittelgebers passen. Und vielleicht sollte man sich nicht immer allzu schnell abschrecken lassen, schließlich sind auch bei der Investorensuche gute Vorbereitung mit entsprechendem Zeitaufwand und ein langer Atem gefragt.

Bild: © panthermedia.net / JCB Prod