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Die Journi-Gründer Christian Papauschek, Bianca Busetti und Andreas Röttl (von links)

Die Idee zu ihrem heutigen Unternehmen haben Bianca Busetti, Christian Papauschek und Andreas Röttl einem Fehlschlag zu verdanken. 2013 starteten sie eine Plattform, über die Urlauber persönliche Reiseführer schreiben und verkaufen konnten. Doch das Projekt scheiterte, es fanden sich zu wenige Autoren. Viele User hatten die Web-Lösung nicht als Verkaufskanal, sondern ganz eigennützig als privaten Reise-Blog genutzt. „Da wussten wir, was wir anders machen mussten: mobil und persönlicher werden“, erzählt Mitgründer Röttl. „In einem Pivot haben wir das umgesetzt. Rückblickend die beste Idee überhaupt.“

Ergebnis der Neuausrichtung war die Reisetagebuch-App Journi. Nutzer können darüber Timelines, sogenannte Journis, für ihre Urlaube anlegen und mit Bildern sowie Landkarten-Standorten füttern. Die daraus entstehenden Mini-Blogs sind entweder nur für den Reisenden selbst, ausgewählte Freunde oder öffentlich sichtbar. Ähnlich wie bei Instagram kann man anderen Nutzern folgen.

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Zehn Wochen nach dem Start im Juni 2014 zählten die Gründer bereits 10.000 registrierte Nutzer – und durften ihre Idee bei einem Trip ins Silicon Valley sogar vor Airbnb- und Facebook-Vertretern vorstellen. Das Feedback sei positiv gewesen, berichtet Röttl. Eine Finanzierung kam trotzdem nicht zustande: „Uns gab es ja damals noch nicht lange. Da wollte keiner die Katze im Sack kaufen“, sagt er. Für die Gründer ging es deshalb zurück nach Österreich, wo sie sich dazu entschlossen, das Projekt trotz der fehlenden finanziellen Unterstützung am Leben zu halten. Über andere Jobs finanzierten sie Journi zunächst quer: Busetti bei MySugr, Papauschek und Röttl bei der Tech-Plattform Pioneers.io.

Weil die Nutzerzahlen konstant nach oben gingen, stiegen die drei im vergangenen Mai wieder voll bei Journi ein. Dann klappte es auch mit der Finanzierung: Erst durch die Förderungsbank Austria Wirtschaftsservice, etwas später investierten auch der in der österreichischen Szene bekannte Business Angel Johann „Hansi“ Hansmann, die Shpock-Gründer Katharina Klausberger und Armin Strbac sowie der Inkubator Startup300. Insgesamt sammelte Journi dadurch Geld im höheren sechsstelligen Bereich ein.

Erste Einnahmen im neuen Jahr

Angebote wie FindPenguins, bekannt aus der dritten Staffel der „Höhle der Löwen“, und Traveloca bieten zwar ähnliche Features wie Journi, auch sie positionieren sich als digitalen Reisetagebuch-Anbieter. Röttl sieht das Alleinstellungsmerkmal seiner App aber vor allem im Design: „Wir sind sehr perfektionistisch, bei uns muss alles bis ins letzte Pixel passen. Das haben wir aus unserer Zeit in den USA mitgenommen. Außerdem glauben wir, dass unsere User Experience sehr intuitiv ist.“

Zur langfristigen Finanzierung ihres Unternehmens wollen die Journi-Gründer ihren nach eigenen Angaben 120.000 Nutzern ab Anfang 2017 kostenpflichtige Zusatzfunktionen anbieten. Über Schnittstellen zu iCloud oder Dropbox sollen dann beispielsweise Bilder in voller Auflösung bei Journi speicherbar sein. Zudem sollen Nutzer Wetter- oder Fluginformationen zur eigenen Timeline hinzufügen sowie Sticker vergeben können. Als zweite Umsatzquelle sei zudem geplant, gedruckte Fotobücher der eigenen Reiseblogs zu verkaufen, erzählt Röttl. Ab wann das möglich sein wird, steht allerdings noch nicht fest.

So sieht die Journi-App auf iOS und Android aus:

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Artikelbild: Alexander Wieselthaler; Bild unten: Journi