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Die OKem-Macherinnen Lisa Maria Mino (links) und Charlotte Marxen

Mit ihrer Netz-Bekanntschaft erlebte Lisa Maria Mino eine böse Überraschung. Über ein Dating-Portal lernte die heute 23-Jährige einen Mann kennen, der ihr erst beim 3. Date gestand, bereits eine Freundin zu haben. Ihrer Kommilitonin Charlotte Marxen, so erzählt es Mino heute, habe sie kurz darauf in einer Bar in Berlin Mitte von der missglückten Romanze erzählt. Die beiden kamen zu dem Schluss, dass es keine Seite gab, auf der man den Beziehungsstatus einer Person bei spärlicher Informationslage auf Facebook und ohne langwierige Google-Recherche checken konnte. Eine Marktlücke, befanden sie.

Zusammen mit drei anderen Studenten und einem Programmierer konzipierten Mino und Marxen Anfang 2016 eine App, die das Problem lösen sollte. Seit Oktober ist OKem nun im Apple App Store verfügbar. Nutzer melden sich dort per Facebook-Login an und tippen eine Handynummer ein, zum Beispiel die einer Club-Bekanntschaft. Daraufhin werden sie aufgefordert anzugeben, in welcher Beziehung sie zum Besitzer dieser Nummer stehen (Interesse, Flirt, Date oder Beziehung).

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Eine Übersicht zeigt anschließend, wie viele Nutzer zu welchem Zeitpunkt berichteten, mit ebendieser Person geflirtet zu haben – oder sogar mit ihr zusammen zu sein. Ob diese Angaben stimmen, lässt sich jedoch nicht nachvollziehen. So kann es durchaus sein, dass Nutzer jede Menge Flirts beschwören, wo gar keine waren, um dem Besitzer der Nummer das Dating-Leben zu erschweren.

Wer will, kann zusätzlich ein „Okay“ vergeben. Unklar ist, wann diese ziemlich diffuse Wertung angebracht ist. Das Feature erinnert an das Menschen-Bewertungssystem Peeple, das „Yelp für Menschen“, das im vergangenen Jahr für heftige Kritik sorgte. Dort können User andere Personen bewerten, sofern sie deren Handynummer haben. Mino dazu: „Bis auf das ‚Okay‘ wollen wir Menschen nicht bewerten, niemanden diffamieren. Es geht lediglich darum, den Beziehungsstatus anderer Personen offenzulegen.“ Um ihr Einverständnis werden die heimlich Beurteilten jedenfalls weder bei Peeple noch bei OKem gebeten.

Masse ist überlebenswichtig

Kurz nach dem offiziellen Start der App im Oktober sprach Mitgründerin Marxen gegenüber Gründerszene noch von 700 Einträgen in der App und einer wöchentlich wachsenden Nutzerbasis von 100 Prozent. Aktuelle Zahlen wollen die Gründerinnen nun nicht mehr preisgeben. Allerdings habe die App in den letzten zwei Wochen ein Wachstum von über 1.000 Prozent verzeichnet.

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Die Treffer-Übersicht in der App.

Klar ist: Die Gründer haben mit einem klassischen Plattform-Problem zu kämpfen. Erst wenn genügend Nutzer eine Verbindung zu denselben Personen eingestellt haben, kann die App einen Mehrwert bieten. Um diese kritische Masse an Nutzern zu erreichen, sollen Sportteams, Freundes- und Kollegenkreise, die die App bereits nutzen, nach Angaben von OKem nun schrittweise neue Nutzer werben. Das ist auch dringend nötig, schließlich dürfte OKem insbesondere in Clubs und Bars spannend sein. Eben überall dort, wo sich Leute typischerweise nicht kennen. Bis das Konzept tatsächlich aufgeht, könnte es also noch eine Weile dauern.

Das OKem-Team besteht aus sechs Leuten, alle sind Mitgründer und halten Anteile am Unternehmen. Geld wirft die kostenlose App bislang nicht ab. Und in Zukunft? Mino will dazu nicht viel sagen, außer, dass es bereits klare Vorstellungen von einem Bezahl-Modell gebe. Wenn es nach den Erfinderinnen geht, soll OKem zu einer wichtigen Quelle werden, um Informationen über Personen zu erhalten – zum Beispiel unter den Nutzern von Dating-Seiten. „Wenn man erfahren will, wie jemand in Sachen Beziehung tickt, wollen wir der nächste logische Schritt nach der Google-Suche werden“, sagt Mino. Wenn das nicht klappen sollte, bleibt allen Misstrauischen noch eine altmodische, aber zielführende Alternative: einfach persönlich nachfragen.

Passend dazu haben wir Anfang dieses Jahres 29 ungewöhnliche Dating-Seiten entdeckt – für Gluten-Allergiker, Rothaarige und Bacon-Fans:

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Cougar Life hat nach eigenen Angaben schon über 8,6 Millionen registrierte Mitglieder. Die Webseite wirbt: „Triff Geschiedene, alleinerziehende Mütter und sexy Singles, die einen jungen Hengst suchen.“

Facebook-Bild: Getty Images/Dan Kitwood

Bild: OKem