CAMBRIDGE, MA - OCTOBER 10: Harvard Professor Oliver Hart during a press conference at Harvard announcing his shared Nobel Prize in Economics with MIT Professor Bengt Holmstrom on October 10, 2016 in Cambridge, Massachusetts. Hart and Holmstrom won the prize for their work on contract theory. (Photo by Scott Eisen/Getty Images)

Oliver Hart am Montag auf einer Pressekonferenz der Harvard University

Seit Montag ist klar: Der diesjährige Wirtschaftsnobelpreis geht an die Wissenschaftler Oliver Hart und Bengt Holmström. Die beiden Ökonomen haben sich als Vertragstheoretiker profiliert. Das klingt trocken, ist es auch. Trotzdem birgt insbesondere die Arbeit von Oliver Hart wertvolle Erkenntnisse für Gründer von innovativen und kapitalintensiven Startups.

Hart, der seit 1993 an der Harvard University lehrt, hat vor allem zu sogenannten unvollständigen Verträgen geforscht. Damit ist gemeint, dass die vertragsschließenden Parteien eigentlich nie sämtliche Szenarien oder Bedingungen voraussehen können, für die sie im Vertrag Vorkehrungen und Vereinbarungen treffen müssten.

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In seiner Arbeit beschäftigt sich Hart damit, wie dann der beste „rudimentäre“ Vertrag aussehen könnte. Sein Vorschlag: Anstatt alle möglichen Eventualitäten zu beschreiben (was ohnehin nicht gelingen kann), sollte der Vertrag bestimmen, wer bei Uneinigkeit der Vertragsparteien das Entscheidungsrecht besitzt.

Eine wichtige Anwendung seiner Theorie bezieht sich auf das Verhältnis von Venture-Capital-Investoren und Startup-Gründern. „Wenn Du ein Entrepreneur mit einer großen Idee bist, aber kein Geld hast, dann suchst du einen Investor und Ihr setzt einen Vertrag auf“, erklärte Hart der Harvard Gazette. „Ihr teilt den Cash-Flow auf, das Eigenkapital und so weiter. Der wichtigste Teil ist aber Verteilung der Kontrollrechte.“

In Veröffentlichungen wie dem Aufsatz „Financial Contracting“ (2001 erschienen im Journal of Economic Literature) argumentiert Hart, dass ein effizienter rudimentärer Vertrag zwischen Gründer und Investor so aussehen sollte: So lange die Performance des Unternehmens zufriedenstellend ist, sollte der Gründer das Recht haben, die meisten Entscheidungen zu treffen; geht es dem Unternehmen aber schlechter, sollten Entscheidungsrechte auf den Investor übergehen. Ein Prinzip, das Startups und Investoren in der Realität durchaus umsetzen.

Hart warnt aber auch: Es gebe Fälle, in denen Gründer sich mehr darauf fokussierten, wie viel Geld sie von einem Investor bekämen als darauf, wie viel Kontrollrechte ihnen zustünden. Die würden dann auf den VC übergehen. In solchen Fällen könnte ein Gründer sogar von den Investoren aus der Firma geworfen werden. „Manchmal dürften Gründer es bereuen, dass sie so gierig waren“, so Hart. „Ihnen wird dann klar, dass sie mehr Wert auf die Kontrollrechte hätten legen sollen.“

Bild: Getty Images / Scott Eisen