Oma Klara

Beim Fotoshooting: Oma-Klara-Gründerin Mona Schütt (rechts) mit der Freiburger Studentin Scarlett, die sich per Facebook auf einen Model-Aufruf gemeldet hatte.

Mona Schütt rettet Bundfaltenhosen und Brautkleider vor der Altkleidersammlung. Die Gründerin entdeckt sie in den Schränken von Seniorinnen – und verkauft sie über ihren Onlineshop Oma Klara an junge Vintage-Fans.

Wenn sie darf, durchstöbert sie dafür schon mal die Dachböden von älteren Damen oder geht gemeinsam mit ihnen ihre alten Sachen durch. Einige Frauen schicken der Gründerin Bilder von ihren Schätzen – auch per WhatsApp – und senden sie ihr anschließend zum Verkauf zu. Die ersten Sachen, die vor etwa eineinhalb Jahren auf ihrer Seite landeten, stammten von der Schwiegeroma.

Noch arbeitet Schütt alleine für Oma Klara. Sie spricht sich mit den Besitzerinnen ab, macht Fotos für die Seite, packt Pakete und bringt sie zur Post. Von den Seniorinnen lässt sich Schütt auch Geschichten zu den einzelnen Stücken erzählen. Die schreibt sie auf – und legt sie den Paketen bei. Je nach Qualität und Zustand eines Teils erhalten die Seniorinnen vom Verkaufserlös eine Beteiligung in Höhe von mindestens 20 Prozent. Verwaltet wird der wachsende Kleider-Fundus von Schütts Arbeitszimmer aus; sie lebt in einem kleinen Städtchen in der Nähe von Freiburg.

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Eine Crowdfunding-Kampagne, die seit März läuft, soll Einiges ändern: Mit den angepeilten 20.000 Euro will sich die Gründerin Unterstützung holen und das Lager von ihrer Privatwohnung in größere Räumlichkeiten umziehen. Denn das Interesse bei den Seniorinnen und die Nachfrage bei den Kundinnen sei hoch: „Teilweise komme ich bei den vielen neuen Kleidungsstücken und den Bestellungen kaum noch hinterher“

Die Damen, die ihre Kleider weitergeben, sind zwischen Mitte 60 und 90 Jahre alt, die Kundinnen zwischen 20 und 30. Mona Schütt selbst ist 33 – und hat eine ungewöhnliche Vorgeschichte: Nach einer Ausbildung zur Verwaltungswirtin wurde Schütt beim Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg, Referat Datenschutz, zur Beamtin auf Lebenszeit ernannt. Schütt erzählt, der Job habe ihr zwar Freude bereitet, irgendwann habe sie aber gemerkt, dass er sie nicht ganz erfüllt.

Beruf und Beamtendasein beim LKA gab sie im Sommer 2013 auf: „Ich habe mir das lange Zeit gut überlegt. Bereut habe ich meine Entscheidung nie.“ Schütt legte einen Vintage-Mode-Blog an und begann Anfang 2014 mit der Arbeit an Oma Klara. Der Shop ging im September 2014 live. Anfangs arbeitete Schütt noch hauptberuflich als Texterin, seit einigen Monaten kümmert sie sich nun in Vollzeit um ihr Startup, das sie bisher aus eigener Tasche finanziert hat.

Mit ihrem kleinen Unternehmen will Monat Schütt einen „Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Textilindustrie“ leisten. Zugute kommt ihr, dass die meisten Seniorinnen ihre Kleidung stets gut gepflegt, sie etwa ordentlich in Folien aufgehängt haben. „Viele Damen erzählen mir, sie hätten nie viel, dafür aber hochwertige Teile gekauft. Damals hat Mode eine ganz andere Wertschätzung erfahren als heute.“


Mona Schütt zeigt ihre Fundstücke auch auf Instagram:

 

Bild: Oma Klara