OMC Online Marketing Conference Randolf Jorberg Marcus Tandler

Dass SEO, SEM, Affiliate Marketing, Retargeting & Co. mehr als nur ein Hype sind, wurde auf der Online Marketing Conference mehr als deutlich. Um so wichtiger ist es also gerade für junge Internet-Unternehmen, auch die Feinheiten der Disziplin zu verstehen. Denn mit Lösungen von der Stange, sind sich die Fachleute einig, wird es immer schwerer, im Wettstreit um die Marktanteile zu bestehen.

Online Marketing: Individuell und gern vernachlässigt

Es war die erste Lektion des Tages und stammte von Pascal Fantou (www.cogito-ergo.eu), aber sie war trotz ihrer vermeintlichen Banalität eine wichtige Botschaft: keine Standardeinstellungen zu nutzen. Was zunächst offensichtlich klingen mag, fand in unterschiedlichsten Worten Wiederhall bei vielen Vorträgen auf der Online Marketing Conference (www.omc.de) in Köln und verdeutlicht, wo noch Nachbesserungsbedarf bei den Unternehmen besteht. Von SEO und SEM über Affiliate Marketing, Remarketing und Retargeting bis zu aktiven Markenbildung und internationaler Expansion wurde schnell klar, dass es standardisierte Einzellösungen zwar geben mag, ihre Wirkung aber weit weg vom Bestmöglichen liegt – zu unterschiedlich sind die Angebote, die Kunden und die weiteren Marketing Strategien. Es fällt nicht schwer den Experten und Teilnehmern der Konferenz zu glauben, dass diese Einsicht zwar meist vorhanden ist, im hektischen Geschäftsalltag allerdings schnell in Hintergrund geraten kann.

Als fast logische Konsequenz, dabei waren sich die von OMClub-Initiator Randolf Jorberg (www.omclub.de) ausgewählten Fachleute an Bord der MS Rheinenergie naturgemäß sicher, sollte jedes Online-Unternehmen über kurz oder lang einen eigenen SEO beschäftigen – und sei es nur, um Informationen „von außen“ aufzunehmen. Selten dürfte sich in Gründerteams bereits ein erfahrener SEO befinden. „Make and buy“ also, denn ohne Agenturen wird es meist nicht gehen, auch wenn einer Vielzahl der Anbieter kein gutes Image anhaftet.

Wachsen kann man auch mit „no-follow“-Links

Naturgemäß basieren SEO & Co. zu großen Teilen auf den Algorithmen der Suchmaschinenbetreiber – im Wesentlichen also Google, besonders hierzulande. 500 Updates pro Jahr sorgen dafür, dass die Disziplin weiterhin spannend bleibt. Aber wohin entwickelt sich die mittlerweile fast selbst lernende Such-Maschinerie? Weg von von außen steuerbaren Kriterien, meint zumindest „Mediadonis“ und TDP-Partner Marcus Tandler (www.tandlerdoerjepartner.com). Die gründlichere Analyse des (Nutzer-)Traffics selbst dürfte also künftig mehr im Vordergrund stehen – mit dem eigenen Chrome-Browser, den Toolbars für Konkurrenzprodukte und insbesondere Google+ wurden bekanntlich längst die entsprechenden technischen Grundlagen geschaffen.

Für den Suchmaschinengiganten wird das auch zukünftig erhebliche Anpassungen bedeuten. Mit der Auswertung der Seitentexte hat das US-Unternehmen bereits viele Jahre Erfahrung gesammelt. User Experience beziehungsweise -Intent und „Social“-Aspekte sind demgegenüber vergleichsweise neu. Wer hier an Google+ denkt, liegt richtig: Viel wichtiger als der Aufbau eines Facebook-Konkurrenten dürfte für Google die Beobachtung der Nutzer und die Auswertung der Relevanz einzelner Seiten für die G+-Nutzer sein. Beim Thema Links derweil werde sich (mehr oder weniger) nichts mehr tun, war auf der OMC an vielen Stellen zu hören.

SEO und SEM sind wichtig, aber nicht alles

Natürlich existiert Online Marketing auch außerhalb der Suchmaschinen. Auch international etwa, so erklärte Luis Hanemann aus einzigartiger Rocket-Internet-Sicht, kommt es auf die Details an. Entsprechend der Notwendigkeit, SEO und SEM Maßnahmen hausintern anzupassen, muss auch internationales Marketing auf die lokalen Eigenarten abgestimmt werden. Der Samwer-Inkubator selbst überlässt zum Beispiel „weiche“ (also im Wesentlichen soziale) Kanäle gänzlich den Töchtern, beschäftigt gleichzeitig aber eine eigene Taskforce, die durch die Lande zieht und die Portfoliounternehmen berät – bis hin zur Personalauswahl.

Dass neben Crowdsourcing-Möglichkeiten, dem Ausnutzen des Wettbewerbsrechts als Instrument im Kampf um Marktanteile – sprich: Abmahnungen – und Retargeting-Strategien auf der OMC insbesondere die Verknüpfung von Online- und Offline-Marketing auf der Agenda stand, zeigt deutlich, dass auch traditionellere Kanäle weiterhin ihre Berechtigung haben. Gut aufeinander abgestimmt, zeigten die Speaker auf, lässt sich auch diese „tracken“ und durchaus erfolgreich einsetzen. Auch hier gilt: Individuelle Anpassung ist alles, und die Möglichkeiten sind vielfältig. Um so wichtiger ist es, die Praktiken im Online Marketing immer wieder zu hinterfragen und zu verfeinern. Auch im nächsten Jahr wird die OMC in Köln wieder stattfinden – interessante Themen, da darf man sich sicher sein, wird es mehr als genug geben.