In Hamburg umstritten, aber Pinterest-Gründer Evan Sharp findet die Elbphilharmonie „sehr beeindruckend“.

„Wer nicht Mobile first denkt, lebt einfach nicht auf dieser Welt“, ruft Gary Vaynerchuk, Gründer, Investor, Autor, Weinhändler und Social-Media-Experte aus den USA, ins Publikum. Er steht auf der aufwändig beleuchteten Bühne im Hamburger Stage Theater. Vaynerchuk ist ein großartiger Sprecher. Seine Stimme ist laut, er redet unglaublich schnell und haut einen einen Scherz nach dem anderen raus – gnadenlos und direkt. Den Wachmacher-Kaffee an der Bar kann man sich danach sparen. Wer Vaynerchuk („Ein Nachname wie eine Nussschokolade“) bisher noch nicht kannte – und das sind vermutlich mehr als die Hälfte der Zuschauer – wird ihn nicht mehr vergessen. Vaynerchuk, der auch bei Uber investiert ist, lästert in seinem Vortrag über Newsletter und E-Mail-Marketing, lobt aber Instagram als wichtiges Marketing-Tool. Außerdem sei er ein riesiger Fan von Twitter, weil viele Leute ihm kurze Tweets schicken anstatt lange Mails zu schreiben.

 

Vaynerchuk ist der erste Speaker bei der Konferenz der Online Marketing Rockstars am Freitag im kühlen, regnerischen Hamburg. Der Plan der Organisatoren, mit Vaynerchuk möglichst viele Gäste gleich zu Beginn der Konferenz mit der Fähre auf die andere Elbseite zu locken, hat funktioniert. Um 9 Uhr ist der Saal des Stage Theaters, in dem achtmal pro Woche das Musical „Der König der Löwen“ aufgeführt wird, gut gefüllt. Rund 2000 Gäste passen rein. Wer es sich in den roten Sesseln erst einmal gemütlich gemacht hat, steht so schnell nicht mehr auf. Wieso auch? Nach Vaynerchuk spricht Thales Teixeira, Professor an der Harvard Business School, über Viralmarketing und Moviepilot-Gründer Tobias Bauckhage über den gigantischen Erfolg des Filmportals in den USA. Läuft.

 

Naja, und dann geht plötzlich das Licht aus. Stromausfall? Kann nicht sein, oder? Der Hausmeister steht schon auf der Bühne und macht das Licht wieder an: Unter dem Kostüm steckt Rapper Das Bo, der mit seinem Hit „’Türlich, ‚Türlich“ die Menge anheizt. Danach ist die Stimmung gut und es gibt erst mal Käffchen.

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Der zweite Teil des Vormittags enttäuscht etwas: Pinterest-Gründer Evan Sharp wurde im Vorfeld als Star-Gast angepriesen, er kann dann aber nicht viel Neues berichten. Er weiß offenbar selber nicht so richtig, wohin die Reise seiner Firma in Zukunft geht. Auch lustige Anekdoten oder lockere Sprüche fallen ihm nicht ein. Stattdessen sagt er Sätze wie diese: „Facebook kümmert sich um das, was schon passiert ist. Pinterest zeigt in die Zukunft.“ Mehrmals betont er, dass Pinterest „definitiv kein soziales Netzwerk“ sei. Er nutze lieber das Wort „Visual Bookmarking Tool“. Auch über mögliche Monetarisierungsmodelle will er kaum etwas sagen. Die Promoted Pins, die das Unternehmen gerade in den USA testet, liefen bisher „sehr gut“. Zu einem geplanten Buy-Button will es lieber garnichts sagen.

Die New Yorker Unternehmerin Liz Eswein, die als „most influential person on Instagram“ beworben wird, ist mit interessanten Informationen ebenfalls zurückhaltend. Für ihre Instagram-Regeln wie „Postet regelmäßig“ oder „Haltet Kontakt mit der Community“ braucht niemand eine Konferenz zu besuchen. Zum Lunch gibt es erst mal Hotdogs und Sandwich.

 

Der Nachmittag im Saal wird etwas ruhiger, dafür geht das Networking im Foyer erst richtig los. Feieralarm und Vorfreude für die Afterparty kommt dann bei dem Überraschungs-Auftritt von Deichkind auf. Die Hamburger Electropunk-Band heizt die Menge mit Songs wie „Arbeit nervt“, den typischen Neon-Blick-Konstümen, einer riesigen Hüpfburg und viel Konfetti ein. Hunderte Handys werden hochgehalten – das ist ja immer ein gutes Zeichen.

Einige Eindrucke von der Konferenz:

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Gary Vaynerchuk riet allen Zuschauern zu Mobile First und einem aktiven Instagram-Account. Der Social-Media-Experte ist auch bei Uber investiert.

Bild: Gründerszene / Hannah Loeffler