Eine abzusehende Fusion von Gleichgesinnten

Wenn es schon fußballerisch derzeit nur wenig Anlass zur Freude gibt, so darf sich Hamburg dieser Tage dafür doch über einen Exit freuen: Das Mobile-Ad-Netzwerk Apprupt wandert unter das Dach von Opera, welches den meisten Nutzern wohl insbesondere durch seinen Browser bekannt sein dürfte, den das Unternehmen aus Oslo vermehrt auch auf mobilen Endgeräten positioniert hat. Im Falle von Apprupt ist es aber Opera Mediaworks, das den Anbieter aus Hamburg übernimmt, eine Mobile-Advertising-Plattform unter dem Dach der Opera-Gruppe.

Deutschland sei ein wichtiger und schnell wachsender Markt für Mobile-Advertising, so der CEO von Opera Mediaworks, Mahi de Silva. „Mit der Integration von Apprupt in unsere Plattform können wir unsere Reichweite in diesem wichtigen Gebiet vergrößern.“

Wie viel Geld für die Transaktion geflossen ist und ob es wirklich zu einer Zahlung gekommen ist oder ob das Apprupt-Team in Aktien des börsennotierten Opera bezahlt wurde, ist nicht bekannt. Schon seit längerem soll Apprupt aber zum Verkauf gestanden haben. Angesichts der gescheiterten Internationalisierung von Apprupt, den angeblich nach wie vor existenten Verlusten und dem sich zusehends konsolidierenden Wettbewerb, dürfte die Exit-Summe eher überschaubar ausgefallen sein.

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Nichtsdestotrotz hat der 2008 gegründete Mobilvermarkter die DACH-Region mit einem kostenintensiven und komplexen Geschäftsansatz erschlossen: Nach eigenen Angaben erreicht Apprupt 22 Millionen Mobilnutzer und geriet damit auf das Radar gleich mehrerer Akteure der Szene. Glaubt man dem Flurfunk der Branche, soll auch Apprupts direkter Wettbewerber Madvertise lange über einen Kauf nachgedacht haben. Im Gespräch soll ein Zusammenschluss von Madvertise, Apprupt und Interactive Media, dem Vermarkter der Deutschen Telekom, gewesen sein, die auch über T-Venture an Apprupt beteiligt ist.

Hätte der gemeinsame Deal so stattgefunden, wäre wohl der deutsche Marktführer für Premiumvermarktung im Mobilsegment entstanden. So aber wurde der sogar schon zugesagte Zusammenschluss mit dem Chefwechsel bei der Telekom wieder abgeblasen. Stattdessen darf sich an der Alster über einen Verkauf in einem komplizierten Segment gefreut werden, das nun von einer größeren Brücke aus erschlossen wird.

Denn Apprupt dockt an einen artverwandten, ungleich größeren Wettbewerber an: Opera bringt es mit seinen eigenen Webseiten und Applikationen auf eine Reichweite von 270 Millionen Nutzer, zu denen sich noch einmal 425 Millionen auf Seiten der Publishing-Partner von Opera gesellen. Und mit dieser Reichweite fährt das Unternehmen aus Norwegen durchaus stolze Umsätze ein: Mit 89,6 Millionen US-Dollar im letzten Quartal 2013 steigerte sich Opera noch einmal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (60,7 Millionen Dollar) und realisierte für ganz 2013 insgesamt 300,1 Millionen Dollar Umsatz und ein angepasstes EBITDA von 86,6 Millionen.

Zum Vergleich: Das ebenfalls börsennotierte Millennial Media – welches unter den weltweit fünf größten Akteuren im Markt rangiert – brachte es im letzten Quartal 2013 auf 109,5 Millionen Dollar Umsatz. Dennoch geben die Umsätze der Norweger zahlreichen Kennern der Branche Rätsel auf, können diese sich doch nicht erklären, woher Opera seine Umsätze im Vermarktungsgeschäft bezieht. Am wahrscheinlichsten erscheint es daher, dass Opera womöglich seine Browserreichweite anhand einer Toolbar oder ähnlicher Konstrukte zu einem Ad-Netzwerk ausbaut und monetarisiert.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von andyket

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