Die OptioPay-Gründer Oliver Oster und Marcus Börner (v.l.)

Als sie sich kennengelernt haben, waren Marcus Börner und Oliver Oster gerade einmal zwölf Jahre alt. Im hessischen Hofheim am Taunus sind sie groß geworden, einer Kleinstadt zwischen Wiesbaden und Frankfurt. Heute – 18 Jahre später – merkt man den Gründern ihre jahrelange Freundschaft an. Vertraut sitzen sie im Restaurant, in dem wir uns treffen, nebeneinander, witzeln herum und können den Gedanken des anderen zu Ende denken. Die beiden 30-Jährigen leben sogar in demselben Wohnhaus im Süden Berlins. „Wenn ich morgens aufstehe, kann ich zu Oliver herüber rufen, dass er aus den Federn kommen soll“, sagt Börner, lacht und haut seinem Freund kräftig auf die Schulter.

Nach der Schulzeit trennten sich die Wege der beiden erst einmal für einige Zeit. Marcus Börner gründete bereits mit 17 Jahren ReBuy, einen Berliner Re-Commerce-Händler, über den gebrauchte Waren verkauft werden. ReBuy arbeitet seit einiger Zeit profitabel und setzte 2015 etwa 70 Millionen Euro um – eine Erfolgsgeschichte. Nach zehn Jahren in der Geschäftsführung verließ Marcus Börner die Firma im Jahr 2013, reiste um die Welt und trieb sich ein wenig in der Berliner Gründerszene umher.

Anzeige
Oliver Oster blieb die meiste Zeit in Hessen. Er studierte Jura in Mainz und arbeitete später als Anwalt in Frankfurt. Doch digitale Startups zogen ihn immer wieder an. Bei dem Rocket-Venture Wimdu machte er noch während des Studiums ein Praktikum, später startete er neben seinem Referendariat die Feedback Fabrik, ein Unternehmen, das digitale Lösungen schaffen wollte, um Kunden-Feedback auszuwerten.

„Es war Zeit für etwas Neues“

Als Marcus Börner ihm dann aber von seiner neuen Idee erzählte, war Oster überzeugt. Er schmiss seinen Job, zog nach Berlin – „es war Zeit für etwas Neues“, sagt er heute. Anfang 2015 gründeten sie OptioPay, mittlerweile hat das Startup über 40 Mitarbeiter. Jetzt soll das Unternehmen den nächsten Schub bekommen und weiter wachsen. Dafür erhalten Börner und Oster sieben Millionen Euro in ihrer Serie A. Die Wandelanleihe kommt von den Investoren DvH Ventures, der Nord LB, dem Main Incubator der Commerzbank, Berlin Ventures, Auden und dem Family Office Elkstone Capital.

OptioPay entwickelt eine Plattform, über die Unternehmen Geld auszahlen können – auf besondere Weise. Ein Beispiel: Eine Versicherung zahlt einem Kunden 500 Euro, weil dessen Fahrrad gestohlen wurde. Über die OptioPay-Plattform kann die Versicherung dem Kunden verschiedene Möglichkeiten für die Zahlung anbieten: Das Geld kann direkt aufs Konto überwiesen werden – oder aber der Kunde wählt einen Gutschein, beispielsweise eines Fahrradladens und erhält dafür 550 Euro bei dem Laden gutgeschrieben. Kunden können ihre Auszahlung auch aufteilen und sich einen Teil des Geldes aufs Konto überweisen lassen, während von dem Rest der Summe ein Gutschein beansprucht wird.

Das Geschäft, das den Gutschein ausstellt, gewinnt einen neuen Kunden, der Kunde bekommt mehr Geld und OptioPay verdient an dem Umsatz, den es für die andere Firma generiert hat. Auch die Fahrradversicherung verdient durch ein Revenue-Share-Modell hinzu.

Unternehmen könnten mit der Plattform außerdem versuchen, Kunden zu halten. Ist beispielsweise der Kunde eines E-Commerce-Shops unzufrieden und schickt bestellte Waren zurück, kann der Shop die Auszahlung als Gutschein mit einem höheren Wert für den eigenen Laden anbieten, um den Kunden zu einer neuen Bestellung zu bewegen.

Unter dem Radar die Szene begeistert

Die Provisionen, die OptioPay von den Gutschein-Unternehmen erhält, sind unterschiedlich und hängen von den jeweiligen Verhandlung ab. Auch die Aufschläge, die die Unternehmen bei ihren Coupons gewähren, variieren. Bisher kooperiert OptioPay bei den Gutscheinen mit zahlreichen Startups oder Firmen wie Zalando, dem Juwelier Christ und der Hotelkette Best Western.

Anzeige
Da zahlreiche Partnerfirmen bereits international arbeiten, hoffen die Gründer, mit den neuen Millionen zügig expandieren zu können. Zunächst können sie sich vorstellen, ihre Plattform nach UK, Polen, Österreich und in die Niederlande zu bringen. Irgendwann sei auch der US-amerikanische Markt denkbar, sagt Marcus Börner. Am wichtigsten sei es jetzt, den Fokus nicht zu verlieren.

Einen Konkurrenten, der sich ihnen in den Weg stellen könnte, sehen Börner und Oster nicht. Sie glauben, dass es ihr Produkt da draußen noch nicht gibt. Bei einer Recherche konnte Gründerszene keine vergleichbare Plattform entdecken. Auch in Berlin hört man schon seit längerem immer wieder, wie Szeneleute von der neuen Idee der Gründer schwärmen. Um keinen Wettbewerb früh auf den Plan zu rufen, haben die Gründer ein Jahr still vor sich hin gearbeitet und ihre White-Label-Plattform entwickelt, bis sie im Dezember 2015 live gegangen sind. Mit der Finanzierung und ihrem Wissen wollen sie potentieller Konkurrenz schon jetzt einen großen Schritt voraus sein.

Bild: OptioPay