Ottonova Eingang

Hinter diesem Tor sitzt Ottonova.

Schon die Adresse lässt erahnen, dass Ottonova kein gewöhnliches Startup ist. Leopoldstraße 8, direkt neben dem Siegestor. Um die Ecke liegt der Englische Garten. Nobler geht’s in München kaum. Das große Gebäude teilt sich das Startup, das – so viel ist bekannt – 2017 mit einer digitalen privaten Krankenversicherung starten will, beispielsweise mit der renommierten Kanzlei Hengeler & Müller.

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Durch ein schmiedeeisernes Tor geht es für Ottonova-Besucher dann in den Keller, der für Büroräume ausgebaut wurde. Geschäftsführer Roman Rittweger sitzt alleine in einem verglasten Zimmer. Fester Händedruck, hellblaues Hemd, angegrautes Haar. Schon zu Beginn des Gesprächs warnt der 52-Jährige, dass er noch nicht viel über sein Unternehmen erzählen könne. Einige Medien haben schon ein paar Sätze über Ottonova geschrieben. So ist beispielsweise bekannt, dass der Name an den deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck erinnern soll, der bereits 1883 eine Krankenversicherung einführte. Eine Webseite hat das Startup auch schon. Das war’s.

Er wolle nicht, dass die Konkurrenz zu früh von den Plänen erfährt, erklärt Rittweger die Geheimniskrämerei. Die Konkurrenz, das sind im Fall von Ottonova private Krankenversicherungen in Deutschland, gerne abgekürzt mit PKV. „Keine dieser Versicherungen verkauft sich bisher online“, sagt Rittweger. „Wir wollen ein paar besondere Ideen umsetzen und die erste sein, der das gelingt.“ Ottonova soll über ein App funktionieren, mit wenigen Klicks können die Kunden Verträge abschließen. Mehr Details will Rittweger zu den Anwendungen von Ottonova nicht verraten. Vorbild ist das mit rund drei Milliarden US-Dollar bewertete Startup Oscar aus New York, das eine digitale Krankenkasse für die Generation Y anbietet.

Die potentiellen Kunden? Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Berater

Der Lebenslauf des Gründers liest sich wie der eines Überfliegers: Erst Medizinstudium in München, dann Jobs bei AT Kearney und McKinsey. Zusätzlich ein MBA an der französischen Kaderschmiede INSEAD. Sein erstes Startup namens Almeda bietet ein „Gesundheitstelefon“ an. Es folgten Jahre als Berater für die Gesundheitsindustrie. Mit einer neuen privaten Versicherung will Rittweger jetzt etwas Großes aufbauen.

Ottonova Roman Rittweger

Gründer Roman Rittweger

„Nur eine neue private Krankenversicherung, die sich durch ihr Angebot, ihre Organisation und mit ihren Systemen auf die Digital Natives einstellt, kann die Möglichkeiten der digitalen Revolution für das Gesundheitswesen vollständig nutzen“, sagt Rittweger.

Die Zielkundschaft von Ottonova sieht der Gründer in jungen Menschen, die genauso ehrgeizig sind wie er – und etwas Geld für eine Privatversicherung oder zumindest eine private Zusatzversicherung haben. Junge Anwälte, Wirtschaftsprüfer oder Berater nennt er als Beispiele. „Jedes Jahr entscheiden sich bisher schon mehr als zweihunderttausend Menschen neu für eine private Krankenversicherung. Die meisten davon sind zwischen 25 und 45 Jahren alt“, so Rittweger. Ottonova solle mit User Experience punkten – „wie wir sie in anderen Lebensbereichen schon gewöhnt sind“.

Millionen als Startkapital

Dass Ottonova nicht nur die Schnapsidee eines visionären Gründers ist, beweist das erste Investment. Mit einer millionenschweren Finanzierung von Holtzbrinck Ventures – die genaue Summe verrät Rittweger nicht – bemüht sich Ottonova aktuell um die Zulassung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Ohne diese Zulassung darf Ottonova als Versicherung nicht existieren und Verträge abschließen. „Die Bafin passt auf, dass Versicherungen nicht in finanzielle Schieflage geraten“, erläutert Rittweger. „Deswegen verlangt sie für die Zulassung von uns nicht nur sehr hohe Eigenmittel, sondern auch ein gutes Risikomanagement, laufende Systeme und ein Team, das alle Funktionen abdeckt.“ Auch wegen der hohen Kriterien der Bafin sei in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten keine neue Versicherung mehr gegründet worden, vermutet Rittweger.

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Das von der Bafin vorgegebene Team besteht bei Ottonova aus 25 Mitarbeiter, drei arbeiten von Berlin aus, der Rest in München. Unter ihnen sind Entwickler, die das System aufbauen, und Mathematiker, die den idealen Tarif für die Versicherten errechnen. Bis Ende des Jahres soll das Startup 50 Angestellte haben, berichtet Rittweger. „Richtig los geht es aber erst, wenn wir die Bafin-Zulassung haben.“ Im ersten Halbjahr von 2017 wird es so weit sein, hofft der Gründer. Ende des Jahres müsse er zuerst eine weitere Finanzierungsrunde für sein Startup abschließen.

Auch wenn viele Details noch geheim sind, machen die Schilderungen von Rittweger klar: Schon der Aufbau einer Versicherung verlangt von dem Gründer Geduld und Risikofreude ab. „Man muss sich sehr gut in der Gesundheitsbranche auskennen“, sagt er. „Eine Versicherung kann nicht von einem Team von 23-Jährigen aufgebaut werden, die gerade die Universität verlassen haben.“

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Bild: Hannah Loeffler / Gründerszene