Parity-CEO Jutta Steiner will das Problem beim nächsten Ethereum-Hardfork lösen

„Das war sehr unglücklich“, sagt Jutta Steiner, CEO des Wallet-Anbieter Parity, auf der Techcrunch Disrupt in Berlin. „Wirklich sehr unglücklich“, fügt sie noch hinzu, um zu zeigen, wie leid es ihr tut. Denn Parity hat aus Versehen Hunderte Millionen US-Dollar seiner Kunden eingefroren – und kann daran nichts ändern. Anfang November musste der Londoner Wallet-Anbieter zugeben, die Kontrolle über 500.000 Ether im Wert von aktuell 240 Millionen Dollar verloren zu haben. Weil ein User dank eines Programmierfehlers Zugriff auf Teile des Quellcodes erhielt und – nach Unternehmensangaben – aus Versehen löschte, sind seitdem viele Konten eingefroren. Ihre Besitzer können ihre Ether also nicht mehr verschicken.

Kryptowährung Ethereum: User löscht Sicherheitscode: 300 Millionen Dollar in Ether eingefroren

User löscht Sicherheitscode: 300 Millionen Dollar in Ether eingefroren

Der Wallet-Service Parity kämpft mit technischen Problemen: Ein User soll Teile des Codes gelöscht haben. Ether in Millionenhöhe können nun nicht mehr genutzt werden.

„Wir hatten noch nicht herausgekriegt, wie wir mit Bugs umgehen müssen“, sagt Jutta Steiner über die Panne. Denn pikanterweise war der Fehler, der zum Millionen-Verlust bei Parity führte, schon lange bekannt. Der Bug sei von Parity allerdings nicht als „kritisch“ eingestuft worden, so Steiner: „Es klang eher nach einem Nice-to-have-Upgrade.“

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Lösung via Ether-Hardfork?

Auf der Konferenz gibt man sich auf Nachfrage trotzdem betont unbesorgt. Man sei noch auf einem „sehr frühen Stand“ der Technologie. Sie sei aber zuversichtlich, dass das Problem beim nächsten, geplanten Hardfork von Ethereum – also einer Quellcode-Änderung – gelöst werden könnte, so Steiner. Bis dahin seien es noch vier bis sechs Monate. Tatsächlich bedeutet das aber auch: Parity ist nach eigenem Vernehmen nicht in der Lage, das Problem selbst zu lösen. Einzig ein Eingriff durch die Ethereum-Entwickler würde dem Wallet-Anbieter aus der Patsche helfen. Ob diese mitspielen, ist aber keinesfalls sicher. Betroffenen dürfte allerdings Mut machen, dass viele heutige Parity-Mitarbeiter einst beim Ethereum-Projekt beschäftigt waren und Parity-Mitgründer Gavin Wood auch heute noch zum Entwickler-Team von Ethereum gehört. Gute Verbindungen bestehen also.

Auch Wood hatte erst kürzlich 90 Millionen Dollar mit einem ICO in Ether eingesammelt und kommt nun nicht an sein Geld. Auf Nachfrage, wie er sich wegen des verlorenen Geldes fühle, antwortete Wood: Verloren seien die Ether noch nicht. Er sehe es aber mittlerweile als eine langfristige Geldanlage. Etwas schwarzer Humor kann Parity-Kunden also nicht schaden.

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